
Kinder-Impfungen schützen vor vielen Krankheiten. Aber wie sicher ist die Immunisierung? Wir zeigen Ihnen Vor- und Nachteile
„Schluckimpfung ist süß - Kinderlähmung ist grausam.“ Wer in den 60er und 70er Jahren groß geworden ist, erinnert sich noch gut an die Plakate, die vor den Folgen der damals weitverbreiteten Viruskrankheit Poliomyelitis, kurz Polio, warnten.
In den Jahren von 1950 bis 1961 waren allein in Deutschland rund 25000 Menschen an der „Kinderlähmung“, wie sie auch genannt wurde, erkrankt. Zehn Prozent der Betroffenen starben damals, 80 Prozent litten oder leiden noch immer unter mehr oder minder schweren Lähmungen.
Das „süße“ Versprechen von damals zeigte Wirkung. Reihenweise ließen Kinder sich einen Würfel Zucker im Mund zergehen, auf den zuvor ein Polio-Impfstoff geträufelt worden war. Die breit angelegte Kampagne zur Schluckimpfung hatte durchschlagenden Langzeiterfolg: Vierzig Jahre später, im Jahr 2002, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Kinderlähmung in Europa für ausgerottet. Zuvor war das bereits mit anderen schweren Krankheiten gelungen.
Kaum vorstellbar, dass noch vor rund 250 Jahren ganze Generationen durch Pocken ausgelöscht wurden. Doch die Pocken waren es auch, die dem Impfen den Weg bereiteten. Die auch als „Blattern“ bezeichnete Viruserkrankung galt nach der Pest als schlimmster Feind des Menschen. In Deutschland wütete zuletzt in den 50er Jahren eine große Pocken-Epidemie.
Seit Menschengedenken hatte man versucht, der schlimmen Seuchen Herr zu werden, doch nichts half. Der entscheidende Durchbruch gelang erst im ausgehenden 18. Jahrhundert. Ein englischer Landarzt lieferte bei Versuchen mit Kuhpocken-Viren den ersten wissenschaftlichen Beweis dafür, dass Menschen gegen die ansteckende Krankheit immun wurden, wenn man ihnen den Erreger in abgeschwächter Form injizierte. Damit war die Impfung geboren, und sofort forschten Mediziner nach weiteren Impfstoffen gegen andere folgenreiche Infektionen wie Typhus, Cholera und Diphtherie.
Mit Erfolg: Dank Impfungen, verbesserter Hygiene und gesünderer Ernährung sind viele Ansteckungskrankheiten aus unserem Alltag verschwunden. Das liegt wohl auch daran, dass bis heute über 90 Prozent aller Kinder geimpft sind. „Diese hohe Durchimpfungsrate stellt sicher, dass auch nicht immunisierte Kinder vor einer Erkrankung geschützt sind“, erläutert die Epidemiologin Professor Dr. Christel Hülße das Prinzip der Herdenimmunität: möglichst viele Menschen durch Impfung zu „Nicht-Überträgern“ zu machen und somit die Ausbreitung einer Krankheit zu erschweren.

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