Abenteuer statt Freizeitstress


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Abenteuer für Kinder


Abenteuer statt Freizeitstress

Kinder aus sozialschwachen Familien verbringen vor allem deshalb viel Zeit vor Fernseher und PC, weil ihre Eltern kein „besonderes Anregungspotenzial“ bieten können, folgerte kürzlich die 1. World Vision Kinderstudie. Eine Theorie, die auf Sprösslinge aus besser situierten Elternhäusern selten zutreffen dürfte: Viele von ihnen arbeiten einen Terminplan ab, der einem Manager zur Ehre gereichte. Cello-Unterricht, Nachhilfe und Sporttraining in Kombination mit immer größerem Schulstress - statt Fußball auf der Straße ein Leben nach der Uhr. Und auch das ist ein Zeichen unserer Zeit: „Übertriebene Fürsorge hält die Kleinen oft von Erlebnissen fern, die früher als Inbegriff von Kindheit galten“, beobachtet Dr. Gabriele Haug-Schnabel, Leiterin der Kanderner Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen. Auf Bäume klettern? Zu gefährlich! Im Bach schwimmen? Zu kalt! Um jeden Preis wollen besorgte Väter und Mütter ihren Liebling vor Schmerz bewahren - und berauben ihn dadurch wichtiger Erfahrungen. War früher also doch alles besser? Nein, nicht alles. Denn in einem verantwortungsvollen Umfeld haben Kinder heute beste Chancen, sich zu entfalten. Selbstständigkeit, gezielte Förderung und Persönlichkeitsentwicklung werden in der Erziehung großgeschrieben. Einerseits. Dass es für Kinder immer schwieriger wird, unmittelbare Erfahrung zu sammeln, ist andererseits keine Lappalie. Denn es haben sich in den letzten Jahrzehnten „nur“ die Lebensumstände verändert - die grundlegenden Bedürfnisse von Kindern nicht. Um Vertrauen in die Welt zu entwickeln, müssen sich Jungen und Mädchen nach wie vor ausprobieren und ihre Grenzen entdecken. Lebenszusammenhänge begreifen sie nicht durch Computerspiele, sondern ausschließlich in der direkten Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt, bestätigt Dr. Dieter Breithecker, Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung: „Der ständige Bewegungsdrang der Kinder und ihre Neugier sind ein Motor, um sich und die Welt kennenzulernen. Das hat die Natur clever eingerichtet.“ Risiko bringt Kinder weiter Vor allem Abenteuer, die „echte“ Unsicherheit in sich bergen, sind für Kinder unentbehrlich, belegt eine britische Studie der Childrens' Society und des englischen Kinder-Spielrates. 500 Kinder unter 15 Jahren nahmen 2004 an der Untersuchung teil. Das Fazit der Wissenschaftler: Bewegungsintensive und herausfordernde Gefahrensituationen treiben die körperliche, geistige und emotionale Entwicklung entscheidend voran. Gemeinsam durch dick und dünn Solche Abenteuer decken nicht nur Fähigkeiten, Ängste und Leidenschaften auf. Sie initiieren auch ein Gruppengefühl, dass Kindern wichtige soziale Kompetenzen vermittelt. Indem sie gemeinsam durch dick und dünn gehen, üben kleine Abenteurer selbst gesteckte Ziele zu erreichen, sich zu messen und gleichzeitig einander zu vertrauen. Nicht zuletzt lernen sie frühzeitig den Umgang mit Erfolgen und Tiefschlägen. Breithecker macht auf einen anderen Aspekt aufmerksam: „Kinder werden heute in einem Alter zu Stubenhockern, in dem entscheidende wachstums- und reifungsbedingte Veränderungen ihre Entwicklung prägen. Zum Aufbau von Muskulatur, Knochen, Nerven- und Herz-Kreislauf-System brauchen sie eine tägliche Belastungseinheit von zwei bis drei Stunden. Gerade die ersten zwölf Lebensjahre sind da von großer Bedeutung.“