Darin sind sich alle Experten einig: Es geht nicht darum, Fernsehen, Filme oder Computer zu verteufeln, sondern darum, einen gesunden, klugen Umgang damit zu finden. Kindgerechte, gute Software kann durchaus Kombinationsfähigkeit, Gedächtnis, Wahrnehmung und schlussfolgerndes Denken fördern.
Aber im virtuellen Raum und vor dem Fernsehgerät lassen sich zum Beispiel keine Körpererfahrungen machen - und um die sollten wir unsere Kinder keinesfalls bringen: Treppen hochflitzen, auf Bäume klettern, schwitzen, durch den Baggersee schwimmen und bei einem heraufziehenden Gewitter in Rekordgeschwindigkeit nach Hause radeln. Oder Bälle gegen die Hauswand donnern. Die Erkenntnisse, die Kinder bei diesen ganz normalen Spielen nebenbei gewinnen, nennen Experten „intuitive Physik“.
Ein sozial kompetenter, kommunikativer Mensch zu werden gelingt leichter, wenn Kinder miteinander (und natürlich mit Erwachsenen) spielen, sich streiten, sich wieder vertragen und ganz viel gequasselt und geplappert wird, gelegentlich auch gern über die Sesamstraße oder die spektakuläre Saalwette bei „Wetten das...?“. PC und Fernseher als Hauptgesprächspartner? Auf keinen Fall. Sie geben zwar auch Geräusche von sich - aber sie sind doch recht emotionslose Gesellen, mit denen Gespräche ziemlich einseitig verlaufen.
Im Grunde ist es eine Rechenaufgabe: Der Tag hat 24 Stunden, und wenn Kinder zu viel Zeit mit elektronischen Medien verbringen, fehlt sie ihnen an anderer Stelle, zum Beispiel um viele so genannte „taktile Erfahrungen“ wie Basteln, Hämmern und Rühren zu machen: Ein Vogelhäuschen selber bauen, Äpfel pflücken, eine Pizza belegen oder ein Fahrrad reparieren. Nicht nur handwerkliche Fertigkeiten werden so eingeübt, die Hirnforschung weiß, wie sehr solche Aktivitäten in den frühen Jahren die spätere Denkfähigkeit fördern.
Die ersten Jahre des Lebens lernen Kinder eben im wahren Sinn des Wortes durch Begreifen, durch Anfassen und Fühlen. Selbst aktiv werden - das können ältere Kinder übrigens auch mit dem Computer, Kassettenrekorder oder dem Fernseher, indem sie zum Beispiel selbst einen Film drehen, mit der digitalen Technik ist das gar nicht so schwer. Oder eine eigene Homepage entwerfen und gestalten oder ein Hörspiel aufnehmen - das fördert Fantasie und Kreativität und ist spannender als ein Nachmittag mit TV-Serien und Computerspielen.
Der Fernseher ist kein Babysitter
Mit Kindern gemeinsam eine Alternative zu Fernsehen und Computer zu schaffen kostet vor allen Dingen eines: Zeit. Und die fehlt im Alltag häufig. Sich am frühen Sonntagmorgen aufzuraffen und etwas mit dem quicklebendigen Nachwuchs zu unternehmen, statt das „Ja“ zum Video zu geben - eine Herkules-Aufgabe.
Dennoch: Der Platz vor dem Bildschirm sollte möglichst nur in Ausnahmefällen „Parkplatz“ für Kinder sein. Wenn der Kopf eines Kindes zu früh und zu viel mit „fremden Bildern“ überschwemmt wird, fällt es ihm viel schwerer, aus sich selbst heraus eigene zu erzeugen.
Sprache muss sich früh entwickeln
Und wer nicht als Kind seine Sprache entwickelt, tut es auch als Erwachsener nicht mehr. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich das Zeitfenster, in dem die Sprachentwicklung besonders gut verläuft, schon mit etwa acht Jahren schließt.
Wenn Kinder fernsehen, ist es sinnvoll, eine Auswahl an guten Kinder-DVDs anzuschaffen, die dann immer wieder gesehen und unterbrochen werden können. So kann man das Diktat des Fernsehprogramms umgehen.
Weiterer Vorteil von DVD oder Video: Kinder werden mit viel weniger Werbung bombardiert - im Vorschulalter sind sie in der Regel noch nicht in der Lage, Werbung von Programm zu unterscheiden. Allgemein gilt: Internetangebote, CD-ROMs, Videos und auch Bücher mit gewalttätigen Inhalten oder sexuellen Darstellungen, die Kinder verstören könnten, sollten für sie so unerreichbar sein wie Arzneimittel.

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