Wie können Eltern Kinder im Umgang mit dem Computer begleiten, fördern, schützen? Antworten vom führenden Kindermedien-Experten Thomas Feibel.
„Jetzt aber ganz schnell das Licht aus“, mahnt die Mutter. „Nur noch eine Seite!“, antwortet klassischerweise das Kind. Ob Grusel-, Internats- oder Pferdegeschichten, das abendliche Schmökern im Bett ist für viele Schulkinder das Schönste. Doch die Lust dazu entsteht lange, bevor Kinder lesen können.
Es beginnt mit dem Zuhören, wenn Kleinkinder den Gesprächen anderer lauschen, wenn sie erzählt oder vorgelesen bekommen. „Wer sich selbst an die Zeit erinnert, da er Geschichten zuhörte, kennt das Gefühl: geborgen oder gefangen zu sein in einer neuen Welt, die wie ein Wunder im Gehörten entsteht“, sagt „Zeit“-Herausgeber Michael Naumann. Dann, lange vor der Einschulung, werden Kinder zum Lesen motiviert. So entwickeln sie die Fähigkeit, später komplexe Texte zu verstehen.
Bereits mit einem Jahr haben Babys Spaß daran, mit ihren Eltern Bilderbücher anzuschauen. Und Ältere regt es an, wenn Gelesenes weiterentwickelt wird, z.B. durch Malen, Nachspielen oder in einer „Gruselnacht“.
„Die Leseforschung der letzten Jahre hat eindeutig ergeben: Wenn Bücher und Zeitungen im Elternhaus eine wichtige Rolle spielen, dann kommen Kinder fast selbstverständlich zum Lesen. Eltern sind einfach das prägende Vorbild“, sagt Bodo Franzmann von der Stiftung Lesen. Manche Kinder fangen sehr früh an, Bücher zu verschlingen, andere erst später.
„Eltern sollten keinen Druck ausüben. Aber sie können verführen, indem sie ihren Kindern immer wieder gute Bücher anbieten. Bücher sollten einfach immer zur Hand sein“, rät Franzmann. Ist die ältere Schwester oder der Bruder eine Leseratte, teilen jüngere Geschwister diese Vorlieben übrigens nicht unbedingt. „Sie wollen sich unterscheiden und abgrenzen“, sagt der Leseforscher.
„Sie suchen sich häufig eine andere Nische - Comics zum Beispiel.“ Mädchen haben in der Regel einen leichteren Zugang zu fiktionalen Lesestoffen. Jungen bevorzugen Geschichten, die sich mit realen Vorgängen beschäftigen. „Über Sachbücher finden sie oft besser einen Einstieg ins Lesen“, sagt Franzmann. Lesen ist weit mehr als nur Unterhaltung und eine Fähigkeit, die man braucht, um durch den Alltag zu kommen.

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