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EMOTIONALE ENTWICKLUNG

Kinder und Gefühle

Kinder und Gefühle

Gefühle sind für Kinder der Schlüssel zu Glück und Erfolg. Was das bedeutet und wie wichtig es ist, dass Kinder ihren Gefühlen Ausdruck verleihen können.

In diesem Artikel:

Kinder und Gefühle

Wenn Kinder maulen, eingeschnappt sind oder heulend in der Ecke sitzen: Gefühle galten auch in der Wissenschaft lange Jahre als unbedeutender Gegenspieler des glasklaren Verstandes. Inzwischen haben Psychologen und Hirnforscher jedoch herausbekommen: Gefühle sind die wahren Organisatoren unserer Persönlichkeit. Unser Tun, Handeln und Denken ist zutiefst von unseren Gefühlen durchdrungen. Gefühle sind der Kompass, der uns beim Navigieren durch das Leben hilft. Menschen, die ihre Gefühle erkennen und klug mit ihnen umgehen können, haben es häufig leichter im Leben.

„Emotionen werden heutzutage nicht mehr als Störfaktor für das vernünftige Denken betrachtet, sondern als unersetzliche Lebenshilfe“, schreibt die Schweizer Psychoanalytikerin Maja Storch. Und auch, wie erfolgreich Kinder (und Erwachsene) lernen, ist von Gefühlen abhängig: „Das, was uns nicht emotional berührt, bekommen wir, wenn überhaupt, nur mit größter Mühe in unseren Kopf, und wenn wir es nicht bald wieder brauchen, ist es im Nu verschwunden“, erklärt der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther.

Gefühle sind angeboren und anerzogen

Beim einem Kindergeburtstag kann vieles in der kleinen Gästeschar beobachtet werden: Ein Kind freut sich still und zufrieden über die vielen Smarties, die es heute futtern kann. Ein anderes Kind blickt ernst in die Runde und schaut erst mal zu. Ein weiteres Kind zappelt vor Vergnügen und möchte, dass sein Geburtstagsgeschenk als Erstes ausgepackt wird. Es ist für alle Kinder scheinbar die gleiche Situation - aber sie fühlen und verhalten sich alle ganz unterschiedlich.

Grundsätzlich ist es dem Menschen angeboren, im Laufe der Kindheit die Fähigkeit zu entwickeln, grundlegende Gefühle wie Angst, Überraschung, Trauer oder Glück zu empfinden und sie auch bei anderen zu erkennen. Das findet sich so in allen Kulturen. Dennoch gibt es große Unterschiede, wie wir unsere Gefühle ausdrücken: Durch unsere Sozialisation bekommen wir zum Beispiel vermittelt, wie stark oder wie zurückhaltend wir unsere Gefühle wie Wut, Glück, Angst und Ärger zeigen und ausleben dürfen.

In Süditalien wird ganz anders getrauert als in Norwegen. Und selbst innerhalb Deutschlands gibt es Unterschiede. Als Kind müssen wir lernen, dass Menschen in ihren Gefühlen in verschiedensten Weisen zum Ausdruck bringen. Die einen drücken und herzen uns, um ihre Freude auszudrücken, die anderen zeigen ihre Gefühle auf ganz andere Art und Weise.

Die Gefühlslage von Kindern ist individuell unterschiedlich

Zu diesen kulturellen Unterschieden kommen dann noch die individuellen hinzu: Schon Neugeborene bringen eine ganz eigene Gefühlslage mit auf die Welt. „Die Gene bestimmen zwischen 20 und 50 Prozent der Persönlichkeit eines Menschen“, sagt der Hirnforscher Gerhard Roth, der das Institut für Hirnforschung an der Uni Bremen leitet. Aber auch das, was eine Frau während der Schwangerschaft erlebt, spielt eine Rolle. „Die vorgeburtliche Lebenszeit mit ihren Erfahrungen kann einen Menschen entscheidend prägen“, schreibt die Psychotherapeutin Bettina Alberti, die zu diesem Thema forscht. Manche Babys sind von Geburt an sehr kommunikativ, andere eher scheu. Einige können besser mit Frustrationen umgehen, andere leiden stärker daran.

„Der Spielraum, in dem ein Mensch überhaupt empfinden, sich verhalten und sich verändern kann, ist bei der Geburt bereits in beträchtlichem Maße umrissen“, meint der Hirnforscher Roth. Eines ist also klar: Kinder kommen nicht als unbeschriebenes Blatt, ohne Gefühle, auf die Welt. Aber auch: Der Einfluss, den die Erfahrungen der frühen Kindheit auf die weitere Entwicklung haben, ist trotzdem enorm. 

Was sind Gefühle?

Gefühle sind Reaktionen auf unsere Bedürfnisse, Wünsche, Interessen und Erfahrungen. Sie sind flüchtig, veränderlich und schwer zu messen. Unter Psychologen gibt es den schönen Satz: Wenn du mich nicht fragst, weiß ich, was ein Gefühl ist. Wenn du mich aber fragst, weiß ich es nicht mehr. „Emotionen sind viel schwieriger zu fassen als so manche Verstandesleistung, weil sie uns als ganzen Menschen ergreifen. Körper, Geist und Seele sind von Gefühlen durchdrungen“, sagt die Kölner Erziehungswissenschaftlerin Dr. Charmaine Liebertz, Leiterin der Gesellschaft für ganzheitliches Lernen.

Das zeigen auch die Untersuchungen des Neurobiologen Dr. Franz Mechsner, der zurzeit an der Universität von Newcastle in England forscht und lehrt. Er vermutet, dass selbst die Koordination von Bewegungen viel ganzheitlicher abläuft, als man bisher annahm. Die Art und Weise, wie wir uns eine Bewegung vorstellen und welche Gefühle wir dabei haben, hat enormen Einfluss auf den Ablauf der Bewegung. „Wir funktionieren nicht wie automatische Puppen, die auf Knopfdruck hin eine bestimmte Bewegung abspulen. Wie eine Bewegung abläuft, hängt offensichtlich stark mit der Einfühlung in die Bewegung ab“, sagt er.

Lesen Sie weiter: Wie Eltern die Gefühle der Kinder fördern

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