Gerechtigkeitsgefühl: Auch mal Kompromisse finden

Rigoros alles zu verbieten, wovon man als Eltern selbst nichts hält, ist hier sicherlich der falsche Ansatz. Insbgesondere die pubertäre Gruppendynamik kann hin und wieder einige Kompromisse erfordern - damit Ihr Kind sich nicht als Außenseiter fühlt.


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Gruppendruck unter den Kindern nicht unterschätzen


In der „Alle dürfen“-Diskussion ruhig und bestimmt zu bleiben, ist also sehr wichtig - und doch sollten Eltern bereit sein, ihr Verhalten zu reflektieren: Sind wir zu ängstlich? Nicht kompromissbereit? Trauen wir unserem Kind zu wenig zu? Oder hat es unser Vertrauen enttäuscht?


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Was Eltern dabei oft unterschätzen, ist die Gruppendynamik, die schon in der Grundschule eine Rolle spielen kann. Gerade Statussymbole wie Markenkleidung, Videospiele und Handys können über die Gruppenzugehörigkeit entscheiden. Das gilt auch für bestimmte Fernsehsendungen, bis hin zu Hobbys und Urlaubszielen. Das muss man nicht gut finden - und die wenigsten Eltern tun es. Doch der Gruppendruck ist nun einmal groß. Können Kinder nicht bei allem mitmachen oder über alles mitreden, was bei Gleichaltrigen derzeit angesagt ist fühlen sich als Außenseiter. Und gerade zu Beginn der Pubertät ist Zugehörigkeit eines der wichtigsten Bedürfnisse der Heranwachsenden.

Dennoch: Die Art und Weise, wie sehr Eltern das „Alle dürfen“-Argument gelten lassen, sollte auch von seiner Qualität abhängen. Da können sich kleine Streiter für ihre Rechte mächtig ins Zeug legen - und lernen, gut und stichhaltig zu argumentieren.
Auch mal gemeinsame Kompromisse finden
Dann ist es an den Eltern, einen Kompromiss zu finden zwischen Pädagogik und Gruppendynamik, Sorgen und materiellen Zwängen. Und dabei herauszufinden, was wirklich stimmt. Darf denn die Susi aus der Schule wirklich noch noch 20 Uhr fernsehen? Oft stellt sich nach Gesprächen mit anderen Eltern heraus: Alles Quatsch, die berühmt-berüchtigten "Anderen" haben ähnliche Regeln einzuhalten und von Ihnen wird genauso viel erwartet.

Übrigens: Die Potsdamer IFK-Studie ergab, dass Kinder z.B. bei Kleiderauswahl und Kinderzimmergestaltung reichlich Mitsprache haben. Bei der Zubettgehzeit und der Höhe des Taschengeldes dagegen kaum. Egal, was „die anderen“ - angeblich - schon alles haben und dürfen.
Bei Geschwistern "Ungerechtigkeiten" vermeiden
Kinder fühlen sich schnell ungerecht behandelt. Gerade unter Geschwistern kann der Vorwurf der „Ungerechtigkeit“ schnell zu einem Dauerthema werden.


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Wenn das ältere Geschwisterkind schon mehr darf, z.B. länger aufbleiben, bei einem Freund übernachten, mehr am Computer spielen oder mit Gleichaltrigen in der Stadt bummeln, gilt natürlich immer das Argument, wonach der Größere schon etwas erwachsener ist, also auch mehr darf - z.B. mehr Verantwortung tragen. Allerdings sollten die Eltern ein lapidares „Dafür bist du noch zu klein“ vermeiden, wenn sie nicht am Selbstwertgefühl ihres Nesthäkchens kratzen wollen: Kleine „besondere Zuwendungen“, wenn der Große mal wieder „alles darf“, signalisieren dem Kleinen: „Du bist uns genauso wichtig!“ Beispiel: Gehen die älteren Geschwisterkinder ins Kino, darf sich das Kleinste eine schon lang gewünschte Kinder-DVD ausleihen. Oder mal wieder allein mit Papa oder Mama etwas unternehmen. Aber Vorsicht: Machen Sie sich nicht erpressbar - bleiben Sie die letzte Entscheidungsinstanz!


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