Aus Rapunzel wird Bropunzel

Und plötzlich ist Rapunzel ein Mann: Diese Frauen haben bekannte Märchen umgeschrieben, um aufzuzeigen, dass wir bessere Kinderbücher für unsere Mädchen und Jungen brauchen.


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„Es war einmal ein junger, hübscher Mann namens Bropunzel. Bropunzel war in einem hohen Turm eingeschlossen. Dort verbrachte er seine Zeit damit, seinen schönen langen Bart zu kämmen, Schals zu stricken und zu backen.“ So beginnt die Geschichte, die Elena Favilli and Francesca Cavallo in einer kurzen Animation erzählen. In ihrem Märchen ist es der Mann, der in einem Turm gefangen ist und eine mutige Prinzessin, die ihn schließlich rettet. Natürlich verlieben sich die beiden. Aber auch hier deckt die Geschichte auf, was den beiden Frauen am Original-Märchen überhaupt nicht gepasst hat: „Bropunzel hat noch nie in seinem Leben eine Frau getroffen, also hat er sich natürlich in die Prinzessin verliebt.“ 


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Ein Ende den Geschlechter-Stereotypen


Die beiden Autorinnen und Unternehmerinnen möchten mit ihren Videos - es gibt auch noch eine Version, in der Cinderella ein Mann ist - ein wichtiges Anliegen rüberbringen. Sie fragen: „Jungs warten in Märchen nicht darauf, gerettet zu werden. Warum sollten es dann Mädchen tun?“ Mit ihrer Arbeit möchten die beiden Frauen darauf aufmerksam machen, dass es immer noch viel zu wenig gute und passende Kinderbücher für Mädchen gibt. In den meisten Büchern sind die Helden männlich. Weibliche Charaktere treten meist nur als Prinzessinnen oder vielleicht Feen auf und warten darauf, gerettet zu werden. Abenteuer erleben sie selten. Elena erklärt: „Wir haben die Geschlechter in unserer Geschichte vertauscht, um zu zeigen, wie lächerlich es ist, dass eine Frau hilflos in einem Turm rumsitzt und nur darauf wartet, von einem Prinzen gerettet zu werden.“ „Unsere Töchter verdienen mehr“, heißt es in der Bildunterschrift zur Animation.




Eine literarische Welt ohne Frauen

Inspiriert wurden die beiden Unternehmerinnen durch ein Experiment, das sie mit einem Mutter-Tochter-Duo in einer Bibliothek durchgeführt hatten. Zuerst baten sie das Duo, alle Bücher zu entfernen, in denen keine männlichen Charaktere drin vorkamen. Dann sollten Mutter und Tochter die Bücher entfernen, in denen keine weiblichen Charaktere auftauchten. Danach waren die Geschichten dran, in denen keiner der weiblichen Charaktere auch nur ein einziges Mal spricht. Das Ergebnis war ziemlich schockierend: Während es nur drei Bücher gab, in denen keine männlichen Personen auftreten, gab es 76 Bücher ohne weibliche Personen. In 65 weiteren Büchern traten zwar weibliche Charaktere auf, gaben aber kein Wort von sich. Ganz schön traurig diese Bilanz.


Das dachten sich auch Elena und Francesca und erschufen nicht nur „Bropunzel“, sondern auch ihr eigenes Buch über Mädchen und Frauen, die unglaubliche Dinge erreicht und sich gegen allerhand Schwierigkeiten durchgesetzt haben. „Good Nicht Stories for Rebel Girls“ erzählt  Geschichten von 100 außergewöhnlichen Frauen. Sie erzählen Geschichten von Frauen, die den Erdball umkreisten. Frauen, die die höchsten Gipfel der Erde in Rock und Bluse erklommen. Frauen, die über Nationen herrschten. Sie erzählen von Forscherinnen, Königinnen, Aktivistinnen und Entdeckerinnen – nicht bloß Prinzessinnen. Jede Seite inspiriert junge Leserinnen und Leser dazu, mehr zu geben. Mehr zu erreichen. Mehr zu kämpfen. Denn: Eine Prinzessin zu sein ist schön und gut, aber noch lange nicht alles, zu dem kleine Mädchen fähig sind – und das sollten auch die Geschichten erzählen, die diese Mädchen lesen.

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von Nicole Metz




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