Digitale Helikoptereltern

Das Gleichgewicht zu halten zwischen Eltern-Sein und Freunde-Sein ist nicht einfach. Vor allem, wenn die Kinder in die Pupertät kommen. Dann nehmen für sie auch Facebook und Co. eine zentrale Rolle ein. Und das stellt Mütter und Väter vor entscheidende Fragen. Schaue ich auf dem Profil meines Kindes regelmäßig nach dem Rechten? Oder schaue ich bewusst nicht hin?


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Im Gegensatz zu ihren Eltern kennen Kinder heutzutage eine Zeitrechnung ohne das Internet nicht mehr. Experten nennen sie die Digital Natives – also die Generation, die in das digitale Leben hineingeboren wurde. Schon früh bewegen sie sich selbstständig durch das Netz und bauen sich hier - spätestens als Teenager – eine zweite, digitale Heimat auf. Natürlich auch inklusive eigener Profile auf sozialen Netzwerken.

Für Jugendliche ist das vor allem in der Pubertät ein wichtiger Teil der eigenen Identitätsfindung: Selbstinszenierung, die Suche nach Anerkennung und Selbstbestätigung. Dabei stehen sie jedoch vor einem großen Problem. Ihre Eltern waren schon vor ihnen da. Sie sind Klick-Nachbarn in der Social Community.

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Diese Frage fällt bei so enger Nachbarschaft irgendwann zwangsläufig. Und sie löst wohl bei den meisten Jugendlichen einen schweren Gewissenskonflikt aus. Die eigene Mutter oder auch der Vater hätte mit einem einfachen „Ja“ plötzlich Zugang zu einem bis dahin absolut privaten Raum. Auf der anderen Seite würde ein „Nein“ ein kleines Familiendrama auslösen – Gefühle würden verletzt, Enttäuschung ist vorprogrammiert und eine lange Erklärung wäre nötig.

Faceboook und Co. wichtig für Identitätsbildung

Soziale Netzwerke als zweites, digitales zu Hause


© Thinkstock
Ein Blick nach Amerika: Hier bestätigte eine Studie der Online-Datenbank "Education Database Online", was Jugendliche unlängst ahnten: Ihre Mütter spionieren ihnen auf Facebook hinterher. Die Hälfte aller befragten Mütter gaben zu, dass sie täglich die Statusmeldungen, Fotos und Aktivitäten ihrer Sprösslinge überprüfen.

Nach diesen Umfragewerten pflegen die meisten Eltern in der Social Community also eher das digitale Helikoptern anstatt einer gleichberechtigten Co-Existenz: nur zum Wohle des Kindes, versteht sich. Einige Mütter haben sich nur dafür ein Facebook-Profil angelegt. Und die Zahlen sprechen für sich, wohin sich der Trend bewegt: Bis Ende 2012 waren bereits drei von vier Müttern bei dem Netzwerk registriert - im Jahr 2010 war es erst knapp die Hälfte.

Natürlich sind die Sorgen zum Teil berechtigt. Verbrecher, wie Trickbetrüger oder Pädophile haben es in der digitalen Welt leichter als in der Realität. Das Internet ist immer noch undurchsichtig und viel zu leicht zu manipulieren. Das gilt auch für soziale Netzwerke. Deshalb hört der elterliche Beschützerinstinkt am Ende der normalen Welt nicht plötzlich auf. Und für jüngere Teenager kann es sinnvoll sein, Regeln für das Internet aufzustellen.




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