Emotionale Bindung schafft schlaue Kinder

Eltern und Kinder müssen sich aufeinander einspielen. So wächst ein Wir-Gefühl, das alle glücklich macht. Und eine sichere emotionale Bindung beeinflusst die geistige Entwicklung unserer Kinder positiv.


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Emotionale Bindung schafft schlaue Kinder

Emotionale Bindung lässt Kinder besser lernen. Foto: Thinkstock


„Hallo, hier bin ich! Und wer seid ihr?“ – Wenn Kinder kurz nach der Geburt schon reden könnten, kämen als erstes wahrscheinlich solche Sätze über ihre Lippen. Neugeborene begegnen den Menschen, zu denen sie von nun an gehören werden, jedenfalls verblüffend offen und interessiert. Aufmerksam lauschen Kinder Mamas und Papas Stimmen, konzentriert betrachten sie deren Gesichter und es scheint fast so, als könnten sie schon genau verstehen, was ihre Eltern ihnen zärtlich ins Ohr flüstern.

Kinder sind von Geburt an sozial kompetent

Als magisch, berührend und geradezu fesselnd habe ich selbst diese erste Kontaktaufnahme in Erinnerung. „Bonding“ nennen Wissenschaftler diese zauberhaften Momente. Das Erstaunliche dabei: Die scheinbar so hilflosen Kinder zeigen sofort ihr kommunikatives Talent. „Neugeborene sind mit herausragenden sozialen Fähigkeiten ausgestattet, die es ihnen ermöglichen, Nähe herzustellen und diese auch aufrechterhalten zu können“, schreibt die Entwicklungspsychologin Prof. Lieselotte Ahnert. Anders gesagt: Kinder sind die geborenen Team-Player und von Anfang an auf ein Wir-Gefühl eingestellt. Die emotionale Bindung trägt die gesamte Entwicklung der Kinder Auch in uns Eltern schlummert ein genetisches Programm, das uns hilft, die „Sprache“ unserer Kinder zu verstehen und ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie nicht allein sind. „Je besser es Vater und Mutter gelingt, feinfühlig die Bedürfnisse des Kindes zu erfassen und prompt zu reagieren, desto intensiver spürt das Baby, dass jemand für es da ist. Dadurch wächst sein Vertrauen in seine Umwelt und seine Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen“, erklärt Angela Jaeger, die seit zehn Jahren für den Hamburger Kinderschutzbund die Seminare „Starke Eltern – starke Kinder“ leitet. Von Tag zu Tag spielen sich Eltern und Kinder feiner aufeinander ein und zwischen ihnen entsteht eine sogenannte „sichere Bindung“. Diese emotionale Bindung trägt die gesamte weitere Entwicklung der Kinder. „Wenn es Eltern schwerfällt, die Wünsche ihres Kindes wahrzunehmen, sollten Sie sich nicht scheuen, sich Hilfe bei Experten, in einer Elternschule, Familienbildungseinrichtung oder einer Mütterberatung zu holen“, fügt Angela Jaeger hinzu. Mehr Unterstützung verspricht eine bessere emotionale Bindung Bei der „Eingewöhnung“ des neuen Mannschaftsmitgliedes übernimmt die Mutter meist die Rolle des Spielkapitäns. Besonders erfolgreich ist sie, wenn die anderen im Team ihr den Rücken freihalten und ihr helfen. Eine Studie der University of California bestätigt: Je besser Mütter selbst unterstützt werden – durch den Vater, die Großeltern, Verwandte, ältere Kinder, Freunde, Nachbarn – desto besser sind Fürsorglichkeit und Bindungsqualität zu den Kindern; und das auch bei Kindern, die sehr anstrengend sind. Diese Anteilnahme wächst in vielen Familie nach der Geburt eines Kindes von ganz allein. Ich selbst kann mich noch gut an die Zuwendung meiner Liebsten erinnern. Mein Mann übernahm viele Nachtwachen und Frühschichten. Meine Schwester assistierte mir beim Wickeln und Stillen. Die ganze Verwandtschaft rückte näher zusammen. Jeder wollte etwas beitragen: Die Oma brachte Eintopf vorbei, Opa unterhielt seinen Enkel mit Fingerspielen und Liedern, der Onkel baute für seine erste Nichte ein wunderschönes Mobile. Mit all diesen liebevollen Gesten und Gaben sagten sie mir und meinem Mann: „Wir gehören zu euch“ – eine feste Stütze für uns und das Baby.

Emotionale Bindung schafft schlaue Kinder

Beim Tun zeigen sich Interessen und Potential. Foto: Thinkstock


Kinder bringen eigene Fähigkeiten mit ein Die Welt entdecken und verstehen, worauf es im Leben ankommt – das lernen Kinder von und mit seinen engsten Bezugspersonen. Sie sind seine Vorbilder und Trainingspartner. Wie läuft ein normaler Tag im heimischen Camp ab? Welche Spielregeln gelten? Wie gehen wir miteinander um? Die Antworten schauen sich Kinder von den erfahreneren Spielern ab. Sie übernehmen ihre Werte und ahmen ihr Verhalten nach. Aber Kinder bringen auch von Anfang an eigene Fähigkeiten und Stärken mit ein. Was Kinder können, entdecken Sie beim Tun „Welches individuelle Potenzial in ihnen steckt, entdecken Kinder, indem sie sich gemeinsam mit vertrauten Menschen einer Aufgabe zuwenden und diese aktiv mitgestalten“, erklärt der Hirnforscher Prof. Gerald Hüther. Als kluge Spiel-Führer bieten Mama und Papa ihren Kindern darum rund um die Uhr altersgerechte und abwechslungsreiche Chancen zum Mitmischen. Beispiele: Mit Mama den Tisch decken, mit der Schwester eine Höhle aus Decken und Kissen bauen, mit Papa das Fahrrad putzen oder Klötzchen zu einem Turm stapeln. Kinder müssen sich trauen und Fehler machen dürfen Auch erste Gruppen-Regeln können Kinder bald erkennen und befolgen. Beispiele: Sich vor dem Essen die Hände waschen, erst mit dem Essen beginnen, wenn alle am Tisch sitzen. „Freuen Sie sich über die Initiativen und Ideen Ihres Kindes. Ermutigen Sie es, sich an Neues heranzutrauen“, rät Angela Jaeger, „und setzen Sie ihm dabei sinnvolle Grenzen, die es leiten und schützen, aber nicht einengen oder unter Leistungsdruck setzen.“ Die beste Erziehungsleitlinie ist ihrer Meinung nach: „Trau dich! Wir sind immer für dich da!“ Zusammen mit den Eltern können sich Kinder angstfrei ausprobieren, Spaß haben und Fortschritte machen und an Fehlern, Konflikten und Problemen wachsen, weil sie mit Frust und Niederlagen nicht allein fertig werden müssen.

Fazit: Emotionale Bindung schafft starke und schlaue Kinder Ein starkes Wir-Gefühl in der Familie lebt von starken Einzel-Personen, die ihre unterschiedlichen Talente einbringen. Wo die Stärken des Neuzugangs in der Mannschaft liegen – ob er eines Tages als Stürmer kämpft, das Tor bewacht oder ein prima Verteidiger wird – kristallisiert sich erst nach und nach heraus. Begleitet von liebevollen, aufmerksamen Eltern-Trainern, die an sie glauben, können Kinder jeden Tag selbstbewusst auf den großen grünen Rasen stürmen, fair spielen und zusammen mit anderen strahlende Siege heimbringen.




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