
Eltern sind absolute Experten für ihre Kinder – und trotzdem manchmal unsicher. Wir geben 100 Erziehungstipps für schwierige Alltagssituationen im Familienleben.
1. Ich würde meine zehnjährige Tochter gern einmal abends mit ihrem kleinen Bruder allein lassen. Das müsste doch gehen?
Lassen Sie lieber einen erwachsenen Babysitter kommen – ein zehnjähriges Mädchen ist mit der Verantwortung für den Kleinen überfordert. Schon wenn er heult und nicht sofort zu beruhigen ist, könnte sie in Panik geraten.
2. Sein Freund darf schon fernsehen, und deswegen will unser dreijähriger Sohn das auch. Aber ist das nicht noch zu früh?
Unter drei ist Fernsehen eh tabu; auch danach hat das praktische Erleben mit allen Sinnen Vorrang. Da Sie Ihr Kind, etwa wenn es bei Freunden ist, aber nicht komplett vorm Fernsehen abschirmen können, sollten Sie den Umgang damit trainieren. Eine altersgerechte Sendung ab und zu ist in Ordnung. Schauen Sie das Programm mit Ihrem Kind an und erklären Sie es ihm.
3. Jedes Mal quengeln unsere Kinder im Auto. Kann man ihnen das abgewöhnen?
Nein – dafür ist der Bewegungsdrang beim Nachwuchs zu groß. Aber dies erleichtert Ihren Kindern und damit Ihnen selbst längere Fahrten: Machen Sie regelmäßig Pausen – auf Spielplätzen, die es auf den meisten Raststätten gibt, können sich die Kinder austoben. Sorgen Sie auch während der Fahrt für Ablenkung: mit einem Vorrat an Hörkassetten, Bilderbüchern, Spielsachen.
4. Meine vierjährige Tochter will jeden Abend dieselbe Gutenachtgeschichte hören. Hilfe!
Da müssen Sie durch! Denn was Erwachsene zu Tode langweilt, finden Kinder toll: Wiederholungen. Kleine Kinder wie Ihre Tochter entdecken bei jedem Hören neue Aspekte der Handlung und neue Bedeutungen: Sie erschließen sich das Ganze erst nach und nach – und immer wieder neu.
5. Mein sechsjähriger Sohn möchte ein Haustier. Kann er dafür schon die Verantwortung übernehmen?
Nicht nur Ihr Sohn, auch Sie müssen es wollen – nur dann funktioniert’s. Entscheidend ist natürlich auch, ob der Wunsch nach einem Tier dauerhaft ist oder nur eine vorübergehende Laune. Vor der Anschaffung eines Tieres sollten Sie Ihren Sohn dazu anhalten, sich zu entscheiden, was für ein Tier es sein soll, und sich zu informieren, welche Bedürfnisse es hat.

6. Meine Tochter will nur teure Markenkleidung, die ich mir aber nicht leisten kann.
Leben Sie ein moderates Konsumverhalten vor – es sind nicht nur die Gleichaltrigen, sondern auch die Eltern Vorbilder, wenn es um Markenbewusstsein geht. Machen Sie Ihrer Tochter im Gespräch klar, dass „No Name“-Produkte genauso schick sein können. Möglich ist auch ein Kompromiss: Sie spart einen Teil ihres Taschengeldes und gibt es beim nächsten Klamottenkauf dazu – für ein ausgesuchtes Marken-Kleidungsstück.
7. Unser Sohn zappelt bei Tisch herum und quengelt auch oft – was tun?
Das Stillsitzen beim Essen kann man trainieren. Solange es sich nicht um hyperaktive Kinder handelt, lässt sich mit wenig Erziehungsaufwand die Dauer der gemeinsamen Mahlzeit nach und nach steigern. Wichtig ist, dass Ihr Sohn die Zeit bei Tisch als angenehm empfindet. Vermeiden Sie also, Alltagsstress an den Esstisch mitzunehmen.
8. Auf dem Weg zum Kindergarten, beim Anziehen – mein Sohn bummelt ständig.
Versuchen Sie, solche Routinetätigkeiten mit Spaß zu verbinden: Wenn etwa seine Schuhe plötzlich sprechen können oder seine Jacke lebendig wird, fesselt das die Aufmerksamkeit Ihres Sohnes, und das Anziehen wird zum Spiel. Planen Sie trotzdem immer einen Zeitpuffer ein.
9. Unsere Tochter, 3, macht alles mit links. Sollen wir sie auf rechts umschulen?
Ihre Tochter scheint Linkshänderin zu sein – die klare Bevorzugung der einen Hand deutet darauf hin. Umschulen sollten Sie sie aber auf keinen Fall: Das würde ihr Lernvermögen enorm beeinträchtigen. Es gibt auch keinen praktischen Grund für die Umschulung: Spezielle Linkshänder-Artikel sind überall im Handel erhältlich.
10. Ständig will meine Tochter, 3, getragen werden – ist ihre Lauffaulheit normal?
Sie ist zunächst ein Zeichen von Bequemlichkeit – der Sie nicht nachgeben sollten, außer wenn ihre Tochter, etwa nach einem längeren Spaziergang, tatsächlich müde ist. Am besten helfen Ablenkungen wie ein Wettlauf bis zur nächsten Ecke und Appelle ans „Großsein“ wie die Aufgabe, die Karre mit dem Teddy drin zu schieben.
Alltagssituationen meistern mit nützlichen Erziehungstipps

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