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Ratgeber > Kind > Erziehung

AMY CHUA

Mit Drill zu erfolgreicheren Kindern?

Von Tanja Thurner

Autorin und Mutter Amy Chua
Mit Zwang und Drill erzog "Tiger-Mutter" Amy Chua ihre beiden Töchter zu erfolgreichen Musikschülerinnen. Foto: Nagel & Kimche Verlag/Peter S. Mahakian

Ihre beiden Töchter durften niemals bei Freundinnen übernachten, fernsehen oder eine schlechtere als die Bestnote mit nach Hause bringen. Die amerikanische Juraprofessorin Amy Chua (48) hat mit ihrem jüngst erschienenen Buch „Die Mutter des Erfolgs“ eine kontroverse Debatte über westliche Erziehungsmethoden losgetreten.

Kinder können nur durch Erfolgserlebnisse zu glücklichen und selbstbewussten Menschen werden, das ist Amy Chuas Grundgedanke. Sie selbst wuchs als Tochter chinesischer Einwanderer in den USA auf, studierte und promovierte in Harvard und ist heute Juraprofessorin in Yale. Wie sie ihre beiden Töchter Sophia (18) und Louisa ("Lulu", 15) mit chinesischer Strenge und eisernem Drill zu Höchstleistungen in Schule und Musikunterricht brachte, beschreibt sie in ihrem Buch "Die Mutter des Erfolgs" (Nagel & Kimche Verlag; seit 7. Februar im Handel).

Nur mit härtester Arbeit wird man wirklich erfolgreich – und glücklich

Sophia war neun Jahre alt, als sie ihren ersten Klavierwettbewerb gewann. Später wurde ihr sogar die Ehre zuteil, in der legendären Carnegie Hall, einem der bekanntesten Konzertsäle in den USA, zu spielen. Damit ihre Tochter so weit kommen konnte, steckte Amy Chua sie jahrelang in ein enges Korsett harten Trainings: "Mit der Mutter an ihrer Seite übte Sophie mindestens neunzig Minuten täglich, auch am Wochenende. An den Tagen an denen Unterricht war, übten wir doppelt so lang."

"Du bist eine schreckliche Mutter. Du bist egoistisch."

Was bei der einen Tochter funktioniert, ist bei der anderen zum Scheitern verurteilt. Lulu, die Jüngere der Schwestern, sträubt sich gegen den mütterlichen Drill. An ihr scheitert nicht nur Amy Chuas Versuch, sie ebenfalls zu einer erfolgreichen kleinen Pianistin zu machen. Als sie zur Geige wechselt, verhärten sich die Fronten zwischen Tochter und Mutter, die ihr Kind zu immer intensiveren Trainingseinheiten zwingt. Schließlich kapituliert Amy Chua, nachdem die Tochter ihr im Klartext verkündet, dass sie ihre Form der Erziehung nicht weiter mitmacht: "Du bist eine schreckliche Mutter. Du bist egoistisch."

 

Amy Chua, ihre Töchter, ihr Mann und ihre Hunde
Eine schrecklich nette Familie? Amy Chua (Mitte) mit ihren Töchtern, ihrem Mann und den Hunden Coco und Pushkin. Foto: aus Amy Chua, "Die Mutter des Erfolgs", Nagel & Kimche Verlag

 

Chinesischer Drill gegen westliche Selbstbestimmung

In ihrem Buch erklärt Amy Chua detailliert den chinesischen Erziehungsstil, mit dem sie selbst aufgewachsen ist und mit dessen Härte sie auch ihre Kinder zu Erfolg und letztlich zum Glücklichsein erziehen möchte. Auswendiglernen, Bestnoten, Pauken bis zum Umfallen – so funktioniert die schulische Erziehung in China. Dagegen steht die westliche Auffassung, dass gute Noten und schulischer Erfolg nicht alles sind. Lernen soll Spaß machen, Kinder müssen mitbestimmen können, was gut für sie ist. Amy Chua und ihre Töchter wandeln zwischen diesen beiden Welten.

Keine Kinderpartys, kein Fernsehen, nur Einser

"Willst du denn mittelmäßig sein? Ist es das, was du willst?" Amy Chua kämpft ihre Kinder zum Erfolg, denn nur so, denkt sie, werden sie glücklich. Sie verbietet ihren Töchtern, bei Freundinnen zu übernachten, fernzusehen oder überhaupt ihre Freizeit selbst zu gestalten. Am Ende verliert sie den Kampf gegen ihre Tochter Lulu und gibt zu, dass ihre Methode rückblickend "etwas extrem" gewesen sei. "Jedes Individuum muss sich seinen Weg selbst suchen", resümiert Amy Chua am Ende ihres autobiographischen Buches.

 

Das sagte Amy Chua zu ihren Kindern und über ihre Erziehungsmethoden:

  • "O mein Gott, du wirst immer nur schlechter und schlechter. Ich zähle jetzt bis drei, dann erwarte ich Musikalität! Wenn das beim nächsten Mal nicht PERFEKT ist, NEHME ICH DIR SÄMTLICHE STOFFTIERE WEG UND VERBRENNE SIE."

  • "Ich finde es idealistisch, von Kindern zu erwarten, dass sie von allein draufkommen, was richtig ist. Und wenn du sie zwingst zu tun, was du willst, musst du nicht böse auf sie sein."

  • "Spaß macht gar nichts, solange man nicht gut darin ist; chinesische Eltern wissen das."

  • "Es gibt einen weiteren riesigen Unterschied zwischen chinesischer Kindererziehung und Hundehaltung: Letztere ist leicht. Sie erfordert Geduld, Liebe und womöglich eine anfängliche Investition von Trainingszeit. Die Kindererziehung nach chinesischer Art gehört hingegen zum Schwierigsten, was ich mir vorstellen kann."


Buchcover: Amy Chua, "Die Mutter des Erfolgs"

Amy Chua
"Die Mutter des Erfolgs. Wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte"

Nagel & Kimche Verlag, ca. 20 Euro
ISBN: 978-3-312-00470-6

 

 

Kommentare (7)
Neueste Kommentare
> Alle Kommentare
sternenhimmel.jpg
Pontahonta 21.02.11 - 13:27 Uhr
@ PaulaM ...Danke! Bin genau deiner Meinung!
 
sternenhimmel.jpg
Pontahonta 21.02.11 - 13:22 Uhr
"Spaß macht gar nichts, solange man nicht gut darin ist; chinesische Eltern wissen das."  .....

...BITTE WAS???

Ist das ihr voller ernst? Möchte gern wissen wie diese Frau den Sinn des Lebens sieht?! Offensichtlich ist ihr Erfolg wichtiger als Glücklich zu sein. Ich fände es sehr beängstigend wenn diese Art von erziehung auf unsere Gesellschaft abfärfbt. In unserer Gesellschaft dreht sich ohnehin alles nur mehr um "Wer ist besser? Wer ist schneller? u.ä." Der Mensch wird vom Individuum zur Maschine, eine Maschine die möglichst gut für die Wirtschaft funktioniert. Schrecklich!
Als Grundschullehrerin und Mutter kann ich sagen dass Kinder noch viel leichter zu begeistern sind als Erwachsene, Kinder sind nicht faul, Kinder möchten lernen... der ewige Leistungsdrill und Konkurenzdruck hällt sie nur meißt davon ab. Nicht um sonst gibt es in Ländern wie Japan und China die höchsten Selbstmordraten bei Kindern und Jugendlichen. Sie wollen, wie jedes Kind ihre Eltern stolz machen, das System, der Leistungsdruck zwingt Schwächere in die Knie.

Wollen wir wirklich in einer Gesellschaftt leben in der das Motto heißt: "Der Stärkere kommt durch?" ... kommt mir irgendwie bekannt vor, ach ja dass ist bei den Tieren so und bei den Steinzeitmenschen!

ICH RUFE AUF ZUM INDIVIDUALISMUS; ZU SPASS UND FREUDE AM LEBEN HABEN; HOCH LEBE DIE KINDHEIT UND VORALLEM DIE KINDLICHKEIT..... LASST UNS EINFACH MENSCH SEIN!
 
Luisa 14.02.11 - 12:42 Uhr
Also ich denke ein etwas strafferes Schulsystem könnte den Schülern in Deutschland nicht schaden, denn an manchen Schuhlen tanzen die Kinder den Lehrern auf dem Kopf rum, weil sie keinen Respekt vor ihnen haben. Man sollte aber ein gesundes Mittelmaß finden, also die Kinder die einfach nicht in der Lage sind gewissen schulische Leistungen zu bringen, sollten auch nicht gezwungen werden, sondern ihren Bedürfnissen nach geschult werden. Und schon gar nicht sollte ein Kind Schläge egal ob mit der flachen Hand oder dem Hausschuh bekommen, nur weil es eine von dem Staat vorgegebene Leistung nicht erfüllen kann. Bei diesen Schulsystemen sollte man nie die Individualität eines jeden Kindes vergessen, denn sonst werden wirklich nur kleine Maschinen gezüchtet.
 

 

 

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