Interview mit der Psychologin Dr. Faas
Die Hamburger Psychologin Dr. Angelika Faas über elterliche Schwächen und die besten Wege, wie man Erziehungsfallen entkommt
Familie&Co: Warum nur machen wir in der Erziehung häufig immer wieder die
gleichen Fehler?
Dr. Angelika Faas: Das kann verschiedene Ursachen haben. Konflikte auszufechten, ist anstrengend, Harmonie fühlt sich viel besser an. Und es ist häufig einfach auch bequemer, „Fehler“ zu machen und etwa einem quengelnden Kind nachzugeben, statt konsequent beim „Nein“ zu bleiben. Eltern empfinden solche Erziehungssünden häufig als „Augenblicksreaktion“, nach dem Motto: „Einmal ist kein Mal“. Das Gegenteil ist aber der Fall. Wir unterschätzen die Macht der Gewohnheit. Aus Ausnahmen von der Regel wird sehr schnell der Normalfall. Kinder verfolgen nämlich im Grunde eine sehr clevere Strategie: Sie „arbeiten“ vorzugsweise mit den Methoden, mit denen sie Erfolg haben. Und wenn sich Quengeln als wirksam erweist, quengeln sie immer häufiger. Das tun sie natürlich unbewusst. Es ist die Aufgabe von uns Erwachsenen, dem sinnvoll und angemessen zu begegnen.
Welche Rolle spielt die Erziehung, die wir selbst genossen haben?
Eine große. Zum einen wollen wir an unseren Kindern manchmal etwas wiedergutmachen, was wir selbst erlitten haben. Dabei kann man schnell das rechte Augenmaß verlieren. Zum anderen übernehmen wir bewusst oder unbewusst einen Teil der Erziehungsstrategien unserer Eltern. Das muss nicht schlecht sein. Aber es gibt fast immer Bereiche, in denen die eigenen Eltern Fehler gemacht haben, die wir dann ungewollt wiederholen. Aus dieser Falle kommt man dann nur durch bewusstes Gegensteuern heraus.
Wie kommt man aus dem Hamsterrad „Erziehungsfallen“ wieder raus?
Der erste Schritt ist, herauszubekommen, was genau schiefläuft. Das gelingt, indem man sich die Situationen kurz notiert, in denen die Sache anfängt, schwierig zu werden. Mithilfe dieses „Tagebuchs“ erkennt man das problematische Muster meist schon nach sehr kurzer Zeit. Und zu wissen, wo das Problem überhaupt liegt, ist schon die halbe Miete.
Und wie sieht der nächste Schritt aus?
Das ist die Verhaltensänderung! Man sollte dabei aber nichts Übermenschliches von sich verlangen, sondern die Sache Schritt für Schritt angehen. Und zwar aus zwei Gründen: Zum einen ist es für Kinder sehr verwirrend, wenn sich Papa und Mama von einem Tag auf den anderen ganz anders verhalten. Zum anderen hält man solche Hauruck-Maßnahmen genauso wenig durch wie eine Crash-Diät. Oft hilft es, am Anfang erst einmal die Situation zu verändern. Zum Beispiel nur ein Kind mit zum Einkaufen zu nehmen und nicht beide. Oder zeitweise eine halbe Stunde früher aufzustehen, damit der Morgen nicht so hektisch wird. Nach und nach, wenn die neuen Strategien einem in Fleisch und Blut übergegangen sind, kann man sich dann selbstverständlich mehr belasten.

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