Es gibt den schönen Ausdruck „Muttertaubheit“. Er bezeichnet das Phänomen, dass Kinder auf Durchzug schalten, wenn zu viel auf sie eingeredet wird. Versuchen Sie sich einmal bewusst selbst zuzuhören! Wer es ganz genau wissen will, kann auch eine Stunde „Familytalk“ aufnehmen! Das Ergebnis könnte schockierend sein. Manchmal passiert es uns nämlich, dass wir aus Gewohnheit oder Unkonzentriertheit einen Schwall von Ermahnungen, Vorschlägen, Hinweisen auf unser Kind einprasseln lassen - und hinterher empört fragen: „Hörst du mir überhaupt zu?“
Die ehrliche Antwort würde wahrscheinlich lauten: Nein. Und das zu Recht. Gerade in der Kommunikation mit Kindern gilt: Weniger ist mehr! Wenn Sie zum Beispiel auf Gefahren wirklich nur hinweisen, wenn es notwendig ist, werden Sie viel eher gehört, als wenn Sie gewohnheitsmäßig bei jeder Kleinigkeit rufen „Pass auf!“
Versprechen haben für Kinder eine magische Bedeutung. Dass Erwachsene manchmal etwas nur aus Höflichkeit oder Zuneigung zueinander sagen, ohne deshalb gleich an eine konkrete Durchführung zu denken, ist für Kinder unvorstellbar. Wir sollten uns daher davor hüten, etwas zu versprechen, was wir nicht halten können oder wollen. Das erschüttert das kindliche Vertrauen. Bis ins Grundschulalter ist sogar wichtig, zu einer Äußerung wie „Wir gehen morgen ins Schwimmbad“ hinzuzufügen, „wenn die Sonne scheint“. Und wenn ein Versprechen wirklich einmal nicht gehalten werden kann, sollten Sie sich nicht groß rechtfertigen, sondern lieber eine attraktive Alternative anbieten.
Jeder Mensch ist anders. Und jeder erzieht anders. Aber Kinder sollten nicht die Möglichkeit haben, ihre Eltern gegeneinander auszuspielen. Deshalb gilt die Regel: Auch wenn es ein innerliches Zähneknirschen kostet, dem Partner nicht vor den Kindern in den Rücken fallen, sondern Meinungsverschiedenheiten lieber unter vier Augen besprechen. Manchmal geht das natürlich nicht, zum Beispiel im Falle einer Trennung. Die Psychologin Angelika Faas rät in solchen Fällen, das den Kindern gegenüber klar zu kommunizieren: „Bei Papa gelten seine Regeln und bei mir meine. So ist das nun mal.“

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