
Konsequenz ist in der Kindererziehung äußerst wichtig. Wenn sich Kinder ungerecht behandelt fühlen, sollten Eltern ruhig, liebevoll aber bestimmt Grenzen setzen - allerdings auch zuhören und im Einzelfall Kompromisse zulassen
Die eigenen Regeln sind entscheidend
Bereits Grundschul- und Kindergartenkinder fühlen sich von ihren Eltern manchmal ungerecht behandelt - und beschweren sich. Weil ihnen angeblich viel weniger erlaubt oder materiell zugestanden wird als anderen Kindern. Wie können wir Eltern damit umgehen?
Es gibt ein schönes Bild, das auch kleine Familienmitglieder schon verstehen:
Jede Familie ist ein Team, das nur funktioniert, wenn alle Mitglieder mitspielen. In jedem Team gibt es bestimmte Regeln. Wenn aber nun Mitglieder eines anderen Teams nach 20 Uhr noch fernsehen dürfen, dann gilt das nicht automatisch auch für das eigene Team.
Es ist also nicht entscheidend, was andere dürfen: Die eigenen Regeln sind das A und O - und die Hauptüberschrift jeder Debatte über „gerecht“ und „ungerecht“. Dabei müssen Eltern vor allem eins: eindeutig sein. „Was gestern erlaubt war, darf nicht heute verboten werden und umgekehrt“, sagt die Diplom-Pädagogin und Autorin Beate Weymann-Reichardt: „Reagiert man je nach Laune, schrumpft das Vertrauen des Kindes.“
Sollten Eltern also befehlen und verbieten, egal, was das Nachbarskind alles darf? Im Gegenteil - in Ruhe zuzuhören signalisiert Ihrem Kind: es wird ernst genommen. Setzen Sie sich mit seinen „Andere dürfen aber“-Argumenten auseinander. Auch, um selbst ernst genommen zu werden.
Aus richtigem Zuhören kann auch folgen, im begründeten Fall Kompromisse einzugehen oder sogar nachzugeben: Damit räumen Sie Ihrem Kind nicht nur Mitsprache ein, sondern fördern auch seine Verhandlungsfähigkeit - teilweise geht das sogar schon im Kindegartenalter. „Wird dem Kind alles vorgeschrieben, kann es nicht lernen, sich geschickt für eigene Interessen zu engagieren“, geben die Initiatoren der Studie „Was Kinder dürfen“ am Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung (IFK) an der Universität Potsdam zu bedenken.
Die Wissenschaftler hatten in mehr als 3000 Einzelerhebungen Eltern und Erzieherinnen von Kindergartenkindern aus vier Bundesländern zu Befugnissen und Grenzen in der Kindererziehung interviewt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich bei Vorschulkindern die Fähigkeit zum Verhandeln eigener Interessen entwickelt und was diese Entwicklung beeinflusst.
Konkret wurde gefragt: „Inwieweit darf Ihr Kind mitbestimmen?“ Und zwar u.a., was gekauft wird (Spiele, Kleidung), ob es eine bestimmte Fernsehsendung sehen darf, wie es Ordnung hält, wann und wie viel Süßigkeiten es gibt, ob es ein Haustier bekommt und wann es schlafen geht. Alles klassische Themen, die Kinder zum Pauschalvorwurf „Alle dürfen, nur ich nicht“ geradezu einladen.

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