Selbst dröges Nichtstun und Langeweile in der Freizeit sind zeitweise ein wichtiger Entwicklungsmotor, den Eltern nicht unterschätzen sollten. „Langeweile hat enorme Bedeutung für die kindliche Entwicklung“, erklärt der Erziehungswissenschaftler und Familie&Co-Experte Prof. Peter Struck. Kinder müssen dabei nämlich lernen, die eigenen Stimmungen auszuhalten und mit ihnen umzugehen.
Bei allem Eifer, die Freizeit der Kinder sinnvoll zu gestalten, sollten Eltern nicht vergessen: Es ist auch die Phase am Tag, in der Kinder sich erholen und ausruhen wollen. Nicht nur Erwachsene haben mitunter stressige Arbeitstage, genauso kann einen Grundschüler der Mathetest oder der Streit mit dem Sitznachbarn richtig schlauchen. Nachmittägliches Rumhängen ist - zumindest zeitweise - ein echtes Kinderrecht.
Klavier- und Geigenunterricht, Malstunden, Leichtathletik-Training, Ballett oder Yoga – zuviel los in der freien Zeit? Nicht unbedingt. Denn genauso wie Kinder im freien Spiel lernen und viel Spaß haben, ist es erwiesen, dass Kinder in Vereinen, beim Musikunterricht oder anderen organisierten Freizeitaktivitäten wichtige Bildungserfahrungen machen, von denen sie nachhaltig profitieren. Der Sieg der eigenen Fußballmannschaft, die erste Aufführung der Tanzgruppe – all dies sind auch unvergessliche Kindheitserinnerungen, die Kinder selbstbewusst und glücklich machen. Die elterliche Kunst liegt eben darin, das richtige Maß in der Freizeit zu finden.
Die Hamburger Psychologin Dr. Angelika Faas meint dazu: „Kinder brauchen etwas elterliche Anleitung bei der Freizeitgestaltung. Ganz allein bekommen das die wenigsten hin, weil ihnen noch der Überblick fehlt. Zum Beispiel darüber, was in ihrem Alltag wirklich machbar ist und wie zeitintensiv bestimmte Hobbys sind. Aber genauso gilt: In der Freizeit sollte nichts erzwungen werden. Will ein Kind auch nach der dritten Schnupperstunde nicht zum Ballett – dann eben nicht. Wenn ein Kind allerdings nur einen Durchhänger hat und nach einiger Zeit nicht mehr zum Klavierunterricht oder Fußballtrainig gehen möchte, sollten die Eltern es mit sanftem Druck beim Durchhalten unterstützen.“
Die Psychologin rät, dem Nachwuchs in solchem Fall einen überschaubaren Zeitrahmen vorzugeben: „Du machst noch zwei Monate weiter, und wenn du dann wirklich keine Lust mehr hast, darfst du aufhören.“ Temporäre Unlustgefühle in der Freizeit überwinden zu können, ist schließlich auch eine wichtige Kompetenz!

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