
Fünfjährige sind schon sooo groß und doch noch ganz klein. Wie Eltern ihren Kindern im Vorschulalter durchs Wechselbad der Gefühle helfen – und Wutausbrüche gelassen nehmen.
Zwischen vier und sechs Jahren wandelt sich die Weltsicht der Kinder nachhaltig. Sie wachsen aus der magischen Phase heraus und entwickeln nach und nach einen – wenn auch noch naiven – Realitätssinn. Im Alltag bedeutet das zum Beispiel: Ihre Ängste wollen sie nicht mehr mit dem Kuscheltier lindern, sondern sperren stattdessen lieber die Tür ab.
Aber sie sind im Vorschulalter noch ziemlich schwankend in ihrem Verhalten. Im Vorschulalter entwickeln Kinder übrigens auch die ersten Spezialinteressen, schmökern in Sachbüchern und wollen alles über Ritter, Dinosaurier, Pferde oder Eisenbahnen wissen. Aber schon einen Moment später befinden sie sich wieder in ihrer magischen Gedankenwelt und verstehen vieles doch noch nicht. „In solchen Momenten überfordern wir unsere kleinen Schlauberger leicht, weil wir bereits ein logisches Denken und planvolles Handeln von ihnen fordern, das sie gar nicht leisten können“, sagt Daniela Liebich.
Die entscheidenden Phasen der Sprachentwicklung sind mit fünf Jahren abgeschlossen. Und besonders Kinder, die sehr gut gefördert wurden, können dann schon fast wie die Großen quatschen. „Das heißt aber nicht, dass sie auch denken und fühlen wie Erwachsene. Wir lassen uns von ihrer Sprachkompetenz manchmal täuschen und erwarten eine Einsicht von ihnen, zu der sie noch gar nicht fähig sind. Das kann zu heftigen Konflikten führen“, erklärt Liebich.
Und: Die Kinder im Vorschulalter spüren auch selbst, dass sich in ihrem Leben gerade ganz viel verändert. Sie lösen sich immer mehr von den Eltern ab. Sie übernachten bei Kita-Kameraden, verreisen mit Oma und Opa. Auf dem Fahrradsitz fahren sie nicht mehr mit, sondern treten schon selbst in die Pedale. Alleine anziehen? Na klar! Die neuen Erfahrungen und Fähigkeiten sind aufregend und schön, aber gleichzeitig fühlen Kinder unbewusst auch, dass damit die Zeit der symbiotischen Beziehung mit den Eltern unwiederbringlich zu Ende geht – und dieser Abschied bringt auch Verlustgefühle und Ängste mit sich. Deshalb passiert es jetzt häufig, dass sie eben noch große Zampanos sind, die alles schon selbst machen wollen, aber im nächsten Moment wieder mit Mama kuscheln und ganz klein sein möchten. Eltern gelingt es nicht immer, sich auf die so schnell wechselnden Bedürfnisse ihrer Kinder einzustellen.
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