
Je früher sich Kinder mit Büchern beschäftigen, desto größer wird später der Spaß daran sein. Warum Vorlesen so wichtig ist und wie Sie die Liebe zum Lesen fördern.
Medienkompetenz wird umso wichtiger, je vielschichtiger und verwirrender die Vielfalt der Medien und Kommunikationsformen in unserer Welt wird. Zumal deren Zahl tendenziell wächst. Denn in der Menschheitsgeschichte ist noch kein Medium völlig verdrängt worden: das Buch nicht durch das Radio, das Radio nicht durch das Fernsehen, und das Fernsehen nicht durch das Internet.
Allerdings finden fortwährend Differenzierungen statt. Die Rolle des jeweiligen Mediums ist einem ständigen Wandel unterworfen – und es ist durchaus objektiv nachweisbar, dass sich der Medienwandel in den letzten 20 Jahren deutlich beschleunigt hat. Nun spricht man im Englischen von den heutigen Kindern und Jugendlichen nicht umsonst als „digital natives“, also den „Eingeborenen“ des Digitalzeitalters, in deren Welt es Handy und Computer von Beginn an gab und die, so die mitschwingende Bedeutung, gegenüber den Neuen Medien weder Berührungsängste noch Anpassungsschwierigkeiten kennen. Medienkompetenz ist aber auch für diese Gruppe enorm wichtig – Lesekompetenz ist die Grundlage dafür.
Der Fachbegriff für Lesekompetenz heißt Literacy, seine Bedeutung umfasst die
Rolle des Lesen-Könnens als Voraussetzung dafür, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Literacy, so wie die OECD sie definiert, befähigt einen Menschen, „geschriebene Texte zu verstehen, zu nutzen und über sie zu reflektieren, um eigene Ziele zu erreichen, das eigene Wissen und Potenzial weiterzuentwickeln und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.“
Eine gute Lesefertigkeit ist überhaupt erst die Voraussetzung für Medienkompetenz im Allgemeinen, elektronische Medien von DVD bis Fernsehen, von SMS bis Twitter eingeschlossen. Also: Ohne Lesen läuft nichts! Eltern kommt dabei die Rolle zu, ihren Kindern schon vom ersten Lebensjahr an die Liebe zum Wort und zu kleinen Geschichten zu vermitteln. Auf diese Anfänge, die noch aus kurzen, überschaubaren Vorleseritualen bestehen, lässt sich in den folgenden Jahren aufbauen.
Wie wichtig das frühe Heranführen an Bücher und das Vorlesen sind, ist schon lange bekannt. Denn auf dem Weg von Bilder- zu Vorlesebüchern lernen Kinder, eine Verbindung zwischen dem Vorgelesenen und den dazugehörigen Bildern herzustellen; so wird schon früh eine Vertrautheit mit der Schriftsprache hergestellt.
Weitaus weniger verbreitet ist die Erkenntnis, dass auch der Übergang vom reinen Vorgelesen-Kriegen zum Selberlesen eine wichtige Phase des Literacy-Erwerbs ist, die von den Eltern begleitet werden sollte. „Das Vorlesen hört meist dann auf, wenn die Kinder in die Schule kommen“, bestätigt Simone Ehmig, die Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen.
Aber genau das kann sich als Fehler erweisen: Lässt man ein Kind zu einem Zeitpunkt mit dem Lesen allein, an dem seine Konzentration vor allem auf der Technik des Lesens liegt, nimmt man ihm die Möglichkeit, auch auf gemütliche, entspannende Art Fantasiewelten zu entdecken. So kann es passieren, dass das Kind Bücher nur noch mit Schule und Arbeit in Verbindung bringt und Lesen lediglich als lästige Pflicht versteht. Dann wird es schwierig, den Weg zurück zum lustvollen, freiwilligen Lesen zu finden.

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