Experteninterview: Wie Kinder Gefühle leben lernen
Familie&Co: Wie können Eltern lernen, die Gefühle ihrer Kinder richtig zu deuten?
Dr. Angelika Faas: Indem sie zuhören. Manche Kinder erzählen Flunkergeschichten über Dinge, die sie nicht erlebt haben. Hier sollten Eltern nicht den Wahrheitsgehalt prüfen, sondern darauf achten, welche Wirkung die Geschichte bei ihnen hat. Das ist das Gefühl, das das Kind vermitteln möchte. Über Gespräche kann man dann herausfinden, was wirklich los ist. Quengeln und Wutausbrüche können auch Reaktionen auf Spannungen in der Familie sein. Kinder haben sehr gute Antennen.
Und was ist, wenn das Kind nicht reden möchte?
Kinder drücken viel durch die Körperhaltung aus. Manche sind ganz „geknickt“, wenn sie etwas traurig macht, andere übertrieben fröhlich. Es kann helfen, Bilder zu malen. Über die Farben und Motive kommt der Kummer zum Vorschein. Lässt sich der Grund relativ sicher erraten, ist es gut, wenn Vater oder Mutter von sich erzählen.
Eltern sollen von sich selbst erzählen?
Ja. Damit helfen sie dem Kind, das eigene Gefühl aus einer anderen Perspektive zu sehen. Die Eltern schildern, wie es ist, wenn sie Angst haben oder wütend werden. Dann fragen sie das Kind: „Was hättest du gemacht?“ Natürlich müssen es kindgerechte Situationen sein und nicht die Ehekrise.

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