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KINDER UND GEFÜHLE

Wie Kinder Gefühle leben lernen

In diesem Artikel:

So reagieren Eltern richtig auf die Gefühle von Kindern

Kinder haben ein Recht auf ihre Gefühle. Auf alle, auch die unbequemen. Wenn Eltern sofort Ablenkungsmanöver starten, nur damit ihre Kinder wieder lachen, lassen sie sie in Wirklichkeit mit ihren großen Emotionen allein. Dabei ist besonders Weinen und Wüten wichtig, weil es hilft, Erlebtes zu verarbeiten. Diese Gefühlsausbrüche reinigen die Seele und helfen, Stress abzubauen. Das haben unter anderem die Studien der US-Entwicklungspsychologin Aletha Solter ergeben. Und ein Biochemiker der Universität von Minnesota hat herausgefunden, dass Tränen das Stresshormon ACTH enthalten und so dem Körper helfen, in Stresssituationen einen Überschuss dieses Hormons abzubauen. Deswegen fühlen sich auch viele Menschen so entspannt, wenn sie im Kino so richtig schön heulen durften.

Tränen sind gut für's Selbstbewusstsein

Und, so paradox es klingt, Tränen und Zorn sind auch gut für das Selbstbewusstsein. „Ohne die Fähigkeit, Trauer, Ärger, Zorn, Wut zu fühlen und auszudrücken, gibt es auch kein Selbstbewusstsein und kein Durchsetzungsvermögen“, sagt der Heilpraktiker Baer. Beides seien Kehrseiten ein und derselben Medaille.

Das heißt nicht, dass Eltern ihre Kinder weinen lassen müssen, damit sie ein robustes Selbstbewusstsein entwickeln. Es bedeutet vielmehr, dass Eltern die Gefühle ihrer Kinder zulassen und aushalten sollten. Angelika Faas: „Wenn Kinder sich zum Beispiel fürchten, sollten Erwachsene diese Angst nicht wegwischen oder kleinzureden versuchen. Weit hilfreicher wäre es, Kinder in den Arm zu nehmen und zu sagen: ,Ja, ich verstehe, dass du Angst hast', und erst danach zu versuchen, ihm zu helfen, seine Angst zu überwinden.“

Kinder müssen Gefühle erst lernen

Da Kinder Gefühle noch lernen, brauchen sie Vorbilder, die offen mit ihren Gefühlen umgehen, mit ihren Kindern darüber sprechen und ihnen zuhören. Eltern mit einer perfekten Fassade taugen dafür wenig. „Kinder lernen von Erwachsenen, ob es richtig und möglich ist, zu zeigen, dass man sich hilflos fühlt oder ärgerlich ist“, sagt Udo Baer. „Dazu müssen Eltern ihre Ecken und Kanten zeigen.“

Und der Nachwuchs braucht eine ehrliche Resonanz auf sein Verhalten. „Wenn ein Vater seinem Sohn mit ruhiger, leiser Stimme mitteilt: ,Ich bin jetzt richtig wütend auf dich!', passen Ton und Botschaft nicht zusammen, und das Kind kann mit dieser Information nichts anfangen“, sagt Faas. Kinder dürfen merken, wenn ihre Eltern wütend sind oder traurig. „Unausgesprochene Spannungen spüren sie sowieso.“

Wenn Eltern merken, dass etwas ihr Kind beschäftigt, sollten sie sich nicht sofort daranmachen, das Problem zu lösen oder das Kind zu trösten. Denn die Kleinen lernen nur, mit ihren Gefühlen umzugehen, wenn sie die Chance bekommen, ihre Probleme selbst zu lösen oder es zumindest zu versuchen. „Eltern sollten für ihre Kinder da sein, aber nicht versuchen, ihnen bestimmte Gefühle zu ersparen, etwa die Trauer über Omas Tod“, sagt Angelika Faas. „Eltern können beraten und unterstützen, aber ihren Kindern die Gefühle nicht abnehmen. „Manchmal muss man einfach traurig oder wütend sein dürfen. Irgendwann ist es vorbei - und dann geht es ganz bestimmt wieder besser.“

Lesen Sie weiter: Experteninterview: Wie Kinder Gefühle leben lernen

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