Meist reagieren Eltern auf die Gefühle ihrer Kinder, indem sie versuchen, sie abzuschwächen. Traurige Kinder werden mit einem „Ist doch nicht so schlimm!“ beschwichtigt und abgelenkt. Wütende Kinder werden eingebremst, und kleine Angsthasen bekommen zu hören: „Du hast gar keinen Grund, Angst zu haben!“ Dazu sagt Faas: „Das sind die Phrasen, die unsere Eltern für uns parat hatten, deswegen denken wir uns nichts Böses dabei“, sagt Faas. „Doch indem wir ihre Gefühle für unwichtig, unartig oder gar unnötig erklären, bringen wir unseren Kindern - ohne es zu wollen - bei, dass bestimmte Gefühle nicht erwünscht sind. Und später wundern wir uns, dass sie nicht mit der Sprache herausrücken, wenn etwas sie bedrückt.“
Denn Kinder lernen schnell aus der Reaktion ihrer Eltern, welche Gefühle „okay“ sind und welche nicht, so die Familie&Co-Expertin. „Lachen sie, freuen sich die Eltern und sind stolz. Weinen sie aber, reagieren die Eltern traurig oder werden sogar ärgerlich. Je älter Kinder werden, desto mehr versuchen sie so zu sein, dass es die Eltern glücklich macht.“ Also: mutig, selbstbewusst und fröhlich und eben nicht traurig, wütend oder ängstlich.
Eine weitere Schwierigkeit sei, dass viele Eltern die Gefühle ihrer Kinder als Reaktion auf die eigene Erziehung missverstehen, so Faas. „Sind die Kinder fröhlich, glauben die Eltern, sie seien erfolgreich; sind die Kinder traurig oder ängstlich, denken sie, sie hätten versagt. Dabei kann kein Mensch immer nur fröhlich sein!“

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