Experimentieren im Vorschulalter: Interview mit Prof. Lück

Prof. Dr. Gisela Lück, Expertin für naturwissenschaftliche Bildung im Vor- und Grundschulalter, über den Wissensdurst und Experimente im Kindergarten.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden


Experimente im Kindergarten: Gisela Lück


© Herder, privat
Familie&Co: Warum ist es so wichtig, schon Kindergartenkinder an Naturwissenschaften heranzuführen?

Prof. Dr. Gisela Lück: Wohl zu keiner Zeit sind Kinder an ihrer Umwelt und naturwissenschaftlichen Themen so interessiert wie im Alter zwischen vier und sieben Jahren. Sie fragen uns Löcher in den Bauch, beobachten ganz genau, wollen ausprobieren, erleben und begreifen. Wenn wir auf diesen natürlichen Forscherdrang der Kinder eingehen, legen wir einen wichtigen Grundstein für das weitere Interesse an Naturwissenschaften.

Wie ausgeprägt ist das Interesse der Kinder an Experimenten? Welche Versuche sind besonders attraktiv?


Auch wenn es überraschend klingt: Phänomene der unbelebten Natur sind Kindern leichter zu erklären als solche aus dem Bereich der belebten Natur. Wir geraten leicht ins Stocken, wenn wir einem Kind verständlich machen wollen, wie sich ein Schmetterling aus einer Raupe entwickelt. Dagegen ist einem Kind vergleichsweise einfach zu erklären, wieso eine Kerze erlischt, wenn wir ihr die Luft entziehen. Untersuchungen haben gezeigt, dass 70 Prozent der Kinder über einen Zeitraum von zehn Wochen freiwillig an Versuchsangeboten teilnahmen, obwohl gleichzeitig attraktive Alternativen wie Basteln und Schwimmbad auf dem Programm standen.

Versuch macht klug - stimmt das tatsächlich?

Bemerkenswert ist die Erinnerungsfähigkeit der Kinder. Als wir sie ein halbes Jahr nach Abschluss der Experimente fragten, konnte sich jedes zweite Kind an mindestens vier von zehn Experimenten erinnern, 35 Prozent der Kinder sogar bis ins Detail genau. Die Kinder sind mit großer Aufmerksamkeit bei der Sache und schulen so ihre Konzentration. Auch beschreiben sie oft sehr genau, was sie beobachtet haben, und fördern damit ihre Ausdrucksfähigkeit und ihr Sprachvermögen.


mehr zum Thema
Förderung lernen