Für Kinder über den Tod schreiben: "Es war eines der einfachsten Bücher"

Britta Teckentrup ist Autorin und Illustratorin und hat schon viele Kinderbücher verfasst. In „Der Baum der Erinnerung“ setzt sie sich auf kindgerechte Weise mit dem Thema Tod und Sterben auseinander. Das Buch wird viel in Hospizen und Kindergärten gelesen und ist weltweit ein Erfolg. Es ist bereits in 16 Ländern erschienen. Familie.de hat mit der Autorin gesprochen.


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Britta Teckentrup Interview

Kinderbuchautorin und Illustratorin Britta Teckentrup


© B.Teckentrup
familie.de: Sie haben schon viele Kinderbücher geschrieben und illustriert. Wie geht man an die Sache heran, wenn es um ein eher schweres Thema wie den Tod geht?

B. Teckentrup: Ich denke, dass man so ehrlich und authentisch wie möglich sein muss. Ich hätte kein Buch über den Tod schreiben können, wenn es mich nicht persönlich betroffen hätte.

Inwiefern waren Sie betroffen? Wie sind Sie auf die Idee gekommen? Hat das etwas mit der Widmung im Buch zu tun?
„Der Baum der Erinnerung“ist nach dem Tod meiner Großmutter entstanden, deshalb auch die Widmung. Ich habe mit dem Buch meine Trauer nach ihrem Tod verarbeitet.

War es schwer für Sie, das Buch zu verfassen?

Es war seltsamerweise eines der einfachsten und intuitivsten Bücher, die ich je geschrieben habe. Bilder und Text sind in der Zeit nach ihrem Tod langsam in mir gewachsen und ich musste sie am Ende nur aufschreiben und illustrieren. Der Verlag (Orchard Books in England)  hat meinen Text dann auch genauso übernommen, wie ich ihn geschrieben habe, was nicht sehr oft passiert.

Worauf haben Sie besonders geachtet? Haben Sie sich Hilfe oder Rat von einem Pädagogen oder Psychologen geholt?
Da ich mir ja gar keine großen Gedanken darüber gemacht hatte, was ein gutes Bilderbuch über den Tod ausmacht, habe ich mich nicht mit Pädagogen oder Psychologen unterhalten. Ich würde an ein solches Buch wahrscheinlich aber auch nicht auf so eine analytische Weise herangehen.

Der Fuchs stirbt gleich zu Beginn...

...es geht mir in der Geschichte um das Erinnern und die Zeit nach dem Tod. Der Tod wird hier eher als eine Selbstverständlichkeit und als ein Teil des Lebens dargestellt. Deshalb stirbt der Fuchs in meinem Buch einen friedvollen Tod nach einem erfüllten Leben. Dadurch, dass der Tod direkt am Anfang des Buches steht, habe ich mir den Raum und die Zeit geschaffen, eine langsame, sanfte Wärme einfließen zu lassen. Ich kann zeigen, dass der Tod und das Leben eng zusammengehören. Es vergeht auch viel Zeit in meinem Buch. Es dauert Jahre bis aus dem kleinen, zarten Baum ein großer, beschützender und lebendiger Baum heranwächst. Das Leben geht weiter und der Verlust wird mit der Zeit ein Teil davon.

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Sind Symbole, wie der Baum, gut für Kinder?
Ich habe ganz bewusst nicht das Symbol des Himmels gewählt sondern einen Baum, der fest mit der Erde verwurzelt ist. Der Tote bleibt bei uns und lebt in uns und unseren Erinnerungen weiter. Der Baum ist auch ein Symbol für Leben, Wachstum und  Stärke. Außerdem finde ich schön, dass Kinder die Möglichkeit haben, einen Baum oder eine andere Pflanze als Erinnerung an einen Verstorbenen zu pflanzen.

Handelt die Geschichte bewusst von Tieren und eben nicht von Menschen?
Ich habe Tiere gewählt, damit meine Geschichte offen bleibt. Der Fuchs könnte eine Großmutter, ein Großvater, Freund, Mutter, Vater, Bruder, Schwester oder sogar Haustier sein. So ist das Buch in vielen Situationen einsetzbar. Den Fuchs habe ich wegen der Farbigkeit gewählt - Orange ist eine so kraftvolle und lebendige Farbe, die in direktem Kontrast zu dem weißen, stillen  Schnee steht. Der Fuchs wird ganz am Anfang der Geschichte langsam von einer Schneedecke zugedeckt, um dann als orangener Baum aufs Neue zu wachsen.

Wie sind die Reaktionen von Kindern oder Eltern auf das Buch?

Ich habe zu noch keinem Buch so viele Reaktionen erhalten. Es wird sowohl in Hospizen, als auch in Altersheimen, Kindergärten, Schulen, Familien und auf Beerdigungen zur Trauerbewältigung und zum Umgang mit dem Tod eingesetzt. Ich bekomme sehr viele Briefe und E-Mails und es ist sogar eine Zulassungsarbeit zum  Staatsexamen über den „Baum der Erinnerung“ geschrieben worden. Was ich besonders schön finde ist, dass das Buch altersübergreifend zu sein scheint.

Haben Sie eine Vorstellung, wie Eltern das Buch mit ihren Kindern anschauen sollen? Wie würden Sie mit Fragen umgehen, die nach dem Lesen des Buchs bei Kindern aufkommen könnten?
Da bin ich wirklich keine Expertin oder Pädagogin. Ich persönlich bin immer für die Ehrlichkeit. Wenn wir keine Antworten finden, dann ist das halt so. Wichtig ist, dass man gemeinsam weint, trauert und sich erinnert. Das Erinnern ist für mich für ganz wichtig, denn so bleibt der Mensch ein Teil unseres Lebens. Vielleicht kann man mit seinem Kind gemeinsam Erinnerungen ‚sammeln‘,  einen Baum pflanzen oder auch basteln?


Der Baum der Erinnerung Cover


Der Baum der Erinnerung
von Britta Teckentrup
Kann man Erinnerungen bewahren? Dieses Buch gibt „ganz leise“ die Antwort. Als es für den Fuchs Zeit wird, Abschied zu nehmen, versammeln sich die Waldtiere, um sich an gemeinsame Erlebnisse zu erinnern – und zu trauern. Doch dann bemerken sie ein zartes Pflänzchen, das aus dem Boden sprießt und schließlich zu einem prächtigen Baum heranwächst: im Andenken an ihren treuen Freund.

• erschienen bei arsEdition
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