G8: Kinder arbeiten mehr als ein Angestellter in der Wirtschaft


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Mädchen, das in der Schule schreibt

Kinder unter Stress: Das G8 hat kaum Befürworter. Foto: Thinkstock


G8: Kinder arbeiten mehr als ein Angestellter in der Wirtschaft

265 Wochenstunden sind die Norm, die ein Abiturient erfüllen muss. Auf die verteilt ergeben sich so 33 Pflicht-Unterrichtsstunden in jeder Woche der acht Jahre. Bei G9 waren es gut 29. Es blieb Zeit für Zusatzangebote, AGs und das Familienleben. 33 Stunden sind eine Zahl auf dem Papier. Die Realität ist härter. So hat jüngst eine repräsentative Befragung bayerischer Eltern ergeben: G8-Kinder arbeiten deutlich mehr als Angestellte in der Wirtschaft: 44 Stunden pro Woche zählten die Eltern, inklusive Hausaufgaben – ein Durchschnittswert. Viele brauchen noch mehr Zeit. Münchner Gymnasiasten kamen in einer weiteren Befragung auf bis zu 55 Stunden. Immer mehr Eltern sind gegen das G8 Selbst im traditionell leistungsorientierten Bayern trafen die Meinungsforscher bei den Familien in diesem Jahr auf eine riesige Mehrheit von G8-Gegnern: Ganze 18 Prozent der Eltern sagten, dass das Schnellgymnasium Talente und persönliche Entwicklung ihrer Kinder fördere. 75 Prozent aber sind vom Gegenteil überzeugt. Deutschlandweit, das hatte bereits im April eine Allensbach-Umfrage ergeben, hat G8 nur zwölf Prozent Anhänger. G8: Im internationalen Vergleich wirklich ein Vorteil? Birgitta vom Lehn, G8-Kritikerin, dreifache Gymnasiastenmutter aus Bremen
und Autorin, kennt das klassische G9 von ihrem Ältesten, ihr zweiter Sohn
ist jetzt in der elften Klasse des G8, und ihr Buch „Generation G8“ ist zur scharfzüngigen Abrechnung mit der Reform geworden. Ein reines Zeitgeistprojekt sei sie, geboren aus Standort-Deutschland- Panik der neunziger Jahre, ohne auf die Familien zu hören und ihre Werte zu berücksichtigen: „Von ausländischen Akademikern habe ich noch niemals gehört, dass deutsche Abiturienten 'zu alt' wären. Im Gespräch mit englischen Universitäten kam heraus, dass es bei der Auswahl von Bewerbern mitunter sogar von Vorteil gewesen ist, dass die G9-Abiturienten gereifter erschienen.“ Es fällt den G8-Befürwortern deshalb auch messbar schwer, Eltern von den Vorteilen ihrer Innovation zu überzeugen – kaum jemand glaubt ihnen. Die Schüler sowieso nicht.

Formeln auf Tafel


G8: Alternative Wege zum Abi
  • Mit Auslandsjahr: Der beliebteste Zeitpunkt für ein Auslandsjahr ist nach dem Ende der Mittelstufe. Die Erfahrung der Fremde lässt viele Kinder reifen und macht sie stark für die Anforderungen der Oberstufe.
  • Im Ganztagsgymnasium: Hier kann G8 nach Elternerfahrung seriös funktionieren. Die meisten Gymnasien sind keine echten Ganztagsschulen.
  • In der Gemeinschaftsschule: Auch Gesamt- und Gemeinschaftsschulen vergeben das Abitur in vielen Ländern nach 13 Schuljahren. Die Klischees über sie stimmen längst nicht mehr, einige sind mit höchsten Bildungspreisen ausgezeichnet. Die Wahl ist immer eine ganz individuelle Entscheidung.
  • In Privat- und Alternativschulen: Bekanntestes Beispiel: Waldorfschulen. Sie haben ihren eigenen Abschluss nach zwölf Jahren, danach kann Abitur gemacht werden, oft noch zusätzlich eine Ausbildung.
Eltern-Tipp: Keine Panik!
Das Motto für zu Hause heißt schlicht: "Entschleunigung". Schaffen Sie Oasen für Muße und selbstbestimmtes Tun. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie jederzeit fest an seiner Seite stehen – und in Schulfragen einen langen Atem haben. Buch-Tipp:
Brigitta vom Lehn: Generation G8.

Beltz, 14,95 Euro Für Eltern, die mitreden wollen:
Die Autorin erklärt die Hintergründe der
Turbo-Schulreform und zieht Bilanz. Webtipp: www.schul-eltern.de
Elternportal mit Ideen, Konzepten und Foren rund um die Frage, wie Schule gelingen kann.