Raus aus dem Rollenklischee. Nur wie?

Geschlechtsneutrale Erziehung. Gendermainstream. Diese Schlagworte verfolgen uns mittlerweile überall. Unsere Antwort darauf, damit Sie nicht in die Falle namens "Rollenklischee" tappen, aber auch nicht zum Gender-Extremisten werden.


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Raus aus dem Rollenklischee?!


Wer wie ich eine Tochter und einen Sohn hat, bekommt die Stereotypen von beiden Seiten serviert. Hier das sensible Mädchen mit dem Hang zu pinken Kleidchen und allem was glitzert, das von anderen gerne mal als „zickig“ bezeichnet wird, wenn es mal nicht gut drauf ist. Dort der wilde, ungestüme Junge mit dem Fußballer-Gen, noch in den Windeln, aber schon voller Testosteron, ein Indianer, der keine Tränen kennt.

Meist sind es Werbung und schlechtes Marketing, die mir diese Klischees unterjubeln - nicht nur mir, vor allem meinen Kindern. Da werden sie schon in Schubladen gepresst, bevor sie überhaupt selbst herausgefunden haben, was sie sind und wer sie sein wollen. Ich will das nicht - aber ich will meiner Tochter auch nicht ihre rosa Klamotten verbieten müssen, nur damit sie sich nicht von solchen Stereotypen vereinnahmen lässt. So einfach ist es nämlich nicht. Fünf Anregungen für Eltern, die eben nicht in der Klischeefalle landen wollen.

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1. Rosa und hellblau nicht verdammen

Es sind nur Farben! Ja, sie werden für bestimmte Stereotype benutzt. Ja, das nimmt überhand und ja, mich nervt es auch, dass es bei Kinderklamotten so wenig Auswahl jenseits von rosa und hellblau, Prinzessinnen- und Armee-Look gibt. Die Farben rosa oder pink deshalb komplett zu verbannen ist genauso übertrieben, wie ein Mädchen nur rosa anzuziehen. Es macht die Tochter nicht automatisch zur Bundeskanzlerin, wenn sie als Kind nur klischeefreie Farben getragen hat. Umgekehrt bleibt ihr dieser Beruf sicher nicht verwehrt, wenn sie die ersten Lebensjahre in rosa Vollausstattung verbracht hat. Lassen Sie Ihre Kinder anziehen, was sie wollen. Finden Sie sich damit ab, dass ihre Wahl vielleicht schon recht früh nicht Ihrem Geschmack entspricht. Denken Sie daran, dass nicht SIE den ganzen Tag so rumlaufen müssen - und sie später als Bundeskanzlerin wahrscheinlich nicht mehr so freie Hand bei der Kleiderwahl hat.

2. Der Junge im rosa Pulli ist cool!


Der Wille, Geschlechterklischees aufzubrechen und mehr zuzulassen als rosa und hellblau stoppt meist urplötzlich, wenn ein Junge rosa trägt. Mädchen im Bagger-Pulli oder Fußballtrikot sind cool.

Junge im Einhorn Shirt

Jungs, die Einhörner mögen, sind cool!


© iStock/vision net ag
Trägt mein Sohn ein rosa Einhorn-Shirt, sind uns blöde Sprüche sicher. Vom ungläubigen "Hat er sich das selbst ausgesucht?!" über "Und das lässt du zu?!" bis zu "Hast du denn keine Angst, dass er...hihi" war schon alles dabei. Nein, ich habe keine Angst, dass er mal schwul wird - auf die sexuelle Orientierung meines Kindes habe ich keinen Einfluss und es geht mich auch nichts an. Glücklich soll er sein. Und im Moment ist er es, wenn er ein rosa Einhorn-Shirt trägt.
3. Mädchen sind NICHT zickig
Egal, ob das Kind mit dem falschen Fuß aufgestanden ist, gerade vom Nachbarsjungen geärgert wurde, sich weh getan hat oder selbst nicht weiß, warum es weint: Schwierige Mädchen sind „zickig“ - schwierige Jungs halt einfach „wild“. Der Spruch „heute lässt sie aber die Zicke raushängen“ oder „die zickt schon wieder“ kann von der fremden Frau auf der Straße kommen, von der Nachbarin oder von der eigenen Mutter - immer trifft er Mädchen, nie Jungs. „Zicke“ ist ein Schimpfwort, es ist frauenfeindlich und herabwürdigend. Streichen Sie es aus Ihrem Wortschatz, nennen Sie niemanden so, schon gar nicht ein Kind.
4. Kindern keine Geschlechterklischees einreden
Eines Tages kam meine Tochter aus der Kita und erklärte, die Jungs hätten sie aus der „Drachenbande“ ausgeschlossen, weil sie ein Mädchen sei. Der P. habe verkündet, Mädchen könnten keine Drachen fangen, die seien nicht stark genug. Außerdem habe der P. erklärt, das habe ihm sein Papa so gesagt. Nun hat der P. eine kleine Schwester bekommen und ich würde seinen Papa gerne fragen, ob er das seiner Tochter genauso erklärt: Jungs sind stark, Mädchen sind Salat? Weil die Geschlechterklischees überall lauern und wir manche so stark verinnerlicht haben, ist es uns oft gar nicht bewusst, wenn wir in die Falle tappen. Aber ich finde, wer Kinder hat, hat hier eine Verantwortung und sollte nachdenken, bevor er den Mund aufmacht. Reden Sie Mädchen nicht ein, sie seien zu schwach, zu langsam oder sowieso schlecht in Mathe. Und sorgen Sie dafür, dass das auch Ihre Söhne kapieren.
5. Aushalten, dass Kinder Klischees manchmal klasse finden
Kinder machen ja selten das, was von man ihnen will. Meistens wollen sie einfach nur spielen und manchmal sind diese Spiele auch ziemlich stereotyp: Prinzessin/Eiskönigin/Mutter-Vater-Kind die Mädchen, Ritter/Spiderman/Fußball die Jungs. Dann ist das eben so. Aber es wird nicht so bleiben - einen Teil löst die Entwicklung: Die hingebungsvolle Prinzessin wird nicht als Heimchen am Herd enden, wahrscheinlicher ist, dass sie mit 20 nur noch schwarz trägt und Physik studiert. Den anderen Teil haben Sie in der Hand: Zeigen Sie Ihren Kindern, was jenseits von Prinzessinnen- und Ritterspielen alles möglich ist. Machen Sie den Mädchen klar, dass sie stark sind und erlauben den Jungs, auch mal Salat zu sein. Leben Sie nicht selbst das Klischee - dann ergibt sich der Rest von selbst. 

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