Das ist unfair! - Gerechtigkeitsgefühl bei Kindern

Konsequenz ist in der Kindererziehung äußerst wichtig. Wenn sich Kinder ungerecht behandelt fühlen, sollten Eltern ruhig, liebevoll aber bestimmt Grenzen setzen - allerdings auch zuhören und im Einzelfall Kompromisse zulassen


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Die eigenen Regeln sind entscheidend


Bereits Grundschul- und Kindergartenkinder fühlen sich von ihren Eltern manchmal ungerecht behandelt - und beschweren sich. Weil ihnen angeblich viel weniger erlaubt oder materiell zugestanden wird als anderen Kindern. Wie können wir Eltern damit umgehen? Es gibt ein schönes Bild, das auch kleine Familienmitglieder schon verstehen: Jede Familie ist ein Team, das nur funktioniert, wenn alle Mitglieder mitspielen. In jedem Team gibt es bestimmte Regeln. Wenn aber nun Mitglieder eines anderen Teams nach 20 Uhr noch fernsehen dürfen, dann gilt das nicht automatisch auch für das eigene Team. Es ist also nicht entscheidend, was andere dürfen: Die eigenen Regeln sind das A und O - und die Hauptüberschrift jeder Debatte über „gerecht“ und „ungerecht“.

Dabei müssen Eltern vor allem eins: eindeutig sein. „Was gestern erlaubt war, darf nicht heute verboten werden und umgekehrt“, sagt die Diplom-Pädagogin und Autorin Beate Weymann-Reichardt: „Reagiert man je nach Laune, schrumpft das Vertrauen des Kindes.“

Gerechtigkeit: Die eigenen Regeln sind entscheidend

Bleiben Sie konsequent, auch wenn der Nachwuchs bockig wird.


© Thinkstock

Wichtig: Kindern zuhören und sie ernst nehmen

Sollten Eltern also befehlen und verbieten, egal, was das Nachbarskind alles darf? Im Gegenteil - in Ruhe zuzuhören signalisiert Ihrem Kind: es wird ernst genommen. Setzen Sie sich mit seinen „Andere dürfen aber“-Argumenten auseinander. Auch, um selbst ernst genommen zu werden.

Aus richtigem Zuhören kann auch folgen, im begründeten Fall Kompromisse einzugehen oder sogar nachzugeben: Damit räumen Sie Ihrem Kind nicht nur Mitsprache ein, sondern fördern auch seine Verhandlungsfähigkeit - teilweise geht das sogar schon im Kindergartenalter. „Wird dem Kind alles vorgeschrieben, kann es nicht lernen, sich geschickt für eigene Interessen zu engagieren“, geben die Initiatoren der Studie „Was Kinder dürfen“ am Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung (IFK) an der Universität Potsdam zu bedenken.
Begründen Sie aufgestellte Regeln in der Kindererziehung
Für die Eltern bedeutet die Auseinandersetzung mit diesem Vorwurf "Aber alle anderen dürfen auch...", ihn zu drehen und zu wenden. Wer sind denn „alle“? Was genau dürfen bzw. haben „alle“? Das kann zu Diskussionen führen. Inwieweit sie dazu bereit sind, bestimmen die Eltern selbst. Das sollten sie sich nicht nehmen lassen - denn sie müssen die Grenzen setzen.

Im Kindergartenalter reicht meist ein liebevoll-bestimmtes „Wir möchten das nicht, weil…“: An dieser Stelle sollte eine einfache, verständliche Begründung folgen. Beispiel: „Wenn du nach dem Sandmännchen noch den Zeichentrickfilm siehst, kommst du zu spät ins Bett und bist morgen im Kindergarten ganz müde.“ {{SNIPPET_PH:}} Bei Grundschülern sollten Eltern auf versiertere Argumente auch fundierter reagieren - und mit offenen Karten spielen. So gibt es neben pädagogischen nun mal oft auch materielle Gründe: „Wenn du die Playstation unbedingt haben willst, musst du dein Taschengeld für längere Zeit ins Sparschwein stecken.“ Wenn Ihr Kind auf diese Weise zumindest einen Teil der Anschaffung selbst beisteuert, ist die Freude darüber vielleicht sogar größer als bei Peter von gegenüber, der die Playstation selbstverständlich geschenkt bekam, weil er „immer alles“ geschenkt bekommt, ohne dafür einen Finger zu krümmen.





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