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GESUNDHEIT

ADHS- Symptome und Therapie

ADHS
Sind Medikamente der richtige Weg? Foto: Thinkstock

Immer wieder hinterfragt wird die medikamentöse Behandlung von ADHS. Mit welchen Nebenwirkungen müssen die Patienten rechnen?

In diesem Artikel:

Der größte Zankapfel in der ADHS-Debatte: die medikamentöse Therapie mit Stimulanzien, die den Wirkstoff Methylphenidat enthalten. Ihre kurzfristige Wirksamkeit wurde in zahlreichen Studien belegt, so Schulte-Markwort: „Methylphenidat wirkt in etwa 70 bis 80 Prozent der Fälle.“ Offenbar verbessern die Medikamente die Informationsverarbeitung im Gehirn - über die genaue Wirkungsweise ist noch nicht allzu viel bekannt. Dennoch sind sie vielen Eltern - und auch Ärzten - nicht geheuer. Da spielen die Nebenwirkungen von Schlafstörungen über Appetitlosigkeit eine Rolle. Viele Eltern haben Skrupel, ihr Kind mit einer Medizin „ruhigzustellen“, die dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt ist.

ADHS-Fälle müssen genau geprüft werden

Dr. Walter Hultzsch, Münchner Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin sieht eine weiteres Problem: „Stoffwechselstörungen lassen sich mit Medikamenten leichter behandeln als mit Verhaltenstherapien. Darin liegt die große Gefahr, es sich zu leicht zu machen und bei ,geringstem Anlass' - zum Beispiel wegen schlechter Noten Medikamente zu verschreiben. In jedem Fall gehört die medikamentöse Therapie immer eingebettet in ein Gesamtkonzept.“ Mediziner sollten demnach bei ADHS nicht zu schnell zum Rezeptblock greifen, aber, so warnt Dr. Klaus Skrodzki, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft ADHS e.V. der Kinder- und Jungendärzte, auch nicht zu lange zögern. Denn in vielen Fällen ermöglichen erst die Medikamente, dass die kleinen ADHS-Patienten von weiteren Therapie-Modulen profitieren: „Maßnahmen wie Verhaltenstherapie oder Elterntraining werden oft erst unter einer medikamentösen Therapie durchführbar.“

Verhaltenstherapie zur Heilung von ADHS

Medikamente also nur in Kombination mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen? So weit die wünschenswerte Theorie - die Praxis sieht oft anders aus, räumt Skrodzki ein: „Leider stehen pädagogische und psychologische Maßnahmen, die sinnvoll wären, vor Ort nicht immer zur Verfügung oder werden nicht finanziert, sodass weitere Kosten auf die Eltern zukommen.“ Die Folge: Immer wieder werden ADHS-Kinder ausschließlich medikamentös therapiert. Dabei zeigte die „Multimodal Treatment Study of Children with ADHD“, die bislang größte Studie zu Therapien bei ADHS in den Jahren 1999 und 2003: Eine Kombination aus Medikamenten und weiteren therapeutischen Maßnahmen kann zwar die eigentlichen ADHS-Symptome nicht effektiver lindern als eine alleinige Verabreichung von Medizin. Die Mixtur ist aber erfolgreicher, wenn es darum geht, das Eltern-Kind-Verhältnis zu verbessern und soziale und psychische Störungen in den Griff zu bekommen.

Eine Alternativen bei ADHS zu bisher medikamentösen Therapie

Hultzsch weist auf eine Alternative zur herkömmlichen medikamentösen Therapie hin: „Eine bislang unveröffentlichte Studie hat gezeigt, dass sich bei Kindern mit nicht so stark ausgeprägten ADHS-Symptomen mit der Gabe von Homöopathika alle Symptome deutlich verbesserten. Eine begonnene Stimulanzientherapie darf aber auf keinen Fall zugunsten einer alternativen Therapie abgebrochen werden.“

Diagnose ADHS: zu voreilig?

Vorsicht ist geboten: Nicht jeder Wirbelwind mit vermeintlich „typischen“ Symptomen ist von ADHS betroffen. Kinder haben unterschiedliche Temperamente - und auch Kinder ohne ADHS wirken oft unkonzentriert. Früher Leistungs- und Termindruck, immer kleinerer Aktionsradius, neue Informationen und schrille Reize an jeder Ecke: Die Welt ist in mancher Hinsicht nicht gerade kindgerechter geworden.

ADHS ist nicht immer der Grund

Es gibt zudem zahlreiche andere Gründe wie Schlafstörungen, Hörprobleme oder seelische Vernachlässigung, die bei Kindern nervöses Verhalten auslösen können. Ursachen, die dringend aufgedeckt werden müssen, so Schulte-Markwort, denn „jede Fehldiagnose wird dem eigentlichen Problem nicht gerecht“. Und sie kann die Situation des Kindes noch verschlimmern, warnt Hultzsch: „Kinder leiden unter einer falschen Diagnose zusätzlich und fühlen sich oft zu Unrecht stigmatisiert.“ Die Diagnose scheint also der Schlüssel zu einem verantwortungsvollen Umgang mit ADHS zu sein. Eine umfassende Diagnostik, die es sich nicht einfach macht. Die alle anderen Eventualitäten weitgehend ausschließt, keine voreiligen Schlüsse zieht und nicht leichtfertig in eine medikamentöse Therapie mündet. Eine, die das Umfeld des Kindes nicht aus den Augen verliert und die sicherstellt, dass die Kinder wirklich die Hilfe bekommen, die sie tatsächlich brauchen.

Die Diagnose ADHS beruht auf dem subjektiven Eindruck des Arztes

International anerkannte Leitlinien unterstützen die Fachleute mittlerweile bei einer solch sorgfältigen Beurteilung. Das Problem: Nach wie vor beruht die Diagnose hauptsächlich auf dem subjektiven Eindruck des Arztes. Hierfür braucht es Erfahrung, Fachwissen - und viel Zeit. „Eltern sollten sich nicht damit zufriedengeben, wenn nach einem kurzen Gespräch die Diagnose ADHS gestellt wird. Eine fundierte Diagnostik mit Erstellung eines Behandlungsplanes dauert drei bis fünf Stunden“, so Schulte-Markwort. Remschmidt rät betroffenen Eltern: „Es lohnt sich, einen Experten aufzusuchen. Eine verlässliche Diagnose können nur Ärzte für Kinder- und Jugendpsychatrie garantieren sowie Ärzte für Kinder- und Jugendmedizin und andere Ärzte, die sich auf ADHS spezialisiert haben.“ 

So wird ADHS diagnostiziert   

  • Erhebung der Krankengeschichte der Familie und des Kindes
  • Befragung der Eltern, Geschwister, Erzieher bzw. Lehrer zu Sozial- und Lernverhalten und Persönlichkeitsstruktur
  • Fragebogentests (verschiedene Versionen für Lehrer bzw. Erzieher und Eltern)
  • Körperliche und neurologische Untersuchung, z.B. Beurteilung des Seh- und Hörvermögens
  • Entwicklungs-, Intelligenz- und Aufmerksamkeitstests, wenn für die Symptome Leistungs- und Verhaltensstörungen infrage kommen
  • Verhaltensbeobachtung während der gesamten Untersuchungen
  • Evtl. Videoaufzeichnungen
  • EEG-Untersuchungen, falls ein Anfallsleiden vorliegen könnte


Quelle: Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V.

Rat und Hilfe zum Thema ADHS

  • Elterninitiative zur Förderung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit/ohne Hyperaktivität, www.ads-ev.de
  • Bundesverband Aufmerksamkeitsstörung/Hyperaktivität e.V., www.bv-ah.de

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