
Als sanfte Heilmethode richtet sich die Chiropraktik an Patienten aller Altersklassen. Wir haben den Fachmann gefragt, wie die Chiropraktik bei Babys und Kindern wirkt.
Die Chiropraktik kommt aus den USA und ist seit 1895 als sanfte Methode bekannt. Sie eignet sich für Menschen jeden Alters: Babys, Kleinkinder, Teenager, Erwachsene und Senioren.
Chiropraktiker beseitigen Nervenstörungen und damit die Ursache von Krankheit und Leiden. Wie die Chiropraktik bei Babys und Kindern angewandt wird und wirkt, haben wir den erfahrenen Heil- und Chiropraktiker Jann-Oliver Broschinski gefragt.
familie.de: Herr Broschinski, welche Krankheitsbilder können mit Chiropraktik behandelt werden?
Jann-Oliver Broschinski: Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Chiropraktik bei diversen Beschwerdebildern helfen kann, unter anderem bei Kopfschmerzen und Migräne, Rücken- und Schulterschmerzen, Allergien, ADHS, ADS, Tortikollis/KISS (Schreikinder), um nur einige zu nennen.
familie.de: Können Sie Beispiele aus der Praxis nennen?
Jann-Oliver Broschinski: Zum Beispiel zeigte eine Studie der Universität Colorado aus dem Jahr 1999 mit über 1000 Kindern, dass eine Wirbelblockade - auch Subluxation genannt - im Bereich des ersten und zweiten Halswirbels zu mindestens zwei gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt: Zum einen zu Dysfunktionen des Zentralnervensystems, die zu Entwicklungsverzögerungen, verspätetem Sprechen und Laufen und so weiter führt. Zum anderen zu deutlich verringerten Abwehrkräften bei Ohren-, Nasen- und Kehlkopfinfektionen. Chiropraktik beseitigt diese Blockaden.

familie.de: Nehmen wir mal an, ich hätte mich für eine chiropraktische Behandlung meines Kindes entschieden. Wie geht es weiter?
Jann-Oliver Broschinski: Zunächst muss man immer die Vorgeschichte kennen: Sind bei der Geburt Komplikationen aufgetreten, liegen Krankheiten vor, gab es Unfälle? All das wird zusammen mit den persönlichen Daten in einem Anamnesebogen erfasst. Anschließend wird mit dem Thermoscan beidseitig der Wirbelsäule gemessen, ob Nervenstörungen vorliegen – das wird sofort auf dem Computerbildschirm sichtbar. Falls Röntgenbilder vorliegen, werden diese hinzugezogen. Anhand der Befunde wird der Behandlungsplan besprochen.
familie.de: Und wie muss man sich die Behandlung vorstellen?
Jann-Oliver Broschinski: Je nachdem wo Störungen festgestellt wurden, wird mit sanften, nicht schmerzhaften Impulsen an das Nervensystem stimuliert. Dadurch kann sich der Körper selbst regulieren. Das klassische "Einrenken" ist bei Babys und Kleinkindern nicht zu empfehlen, da die Wirbelkörper zum Teil noch nicht verknöchert sind. Chiropraktik ist vielmehr eine gezielte Justierung mit dem Impuls an das Nervensystem.

familie.de: Schmerzt die chiropraktische Behandlung das Kind?
Jann-Oliver Broschinski: Auf keinen Fall, denn es werden sanfte Techniken angewandt.
familie.de: Birgt Chiropraktik irgendwelche Behandlungsgefahren oder Nebenwirkungen?
Jann-Oliver Broschinski: Nein, denn sie kommt ja ohne Medikamente und Spritzen aus. Die Behandlung wird immer von Checks (Thermoscan) begleitet, so dass man sicher sein kann, dass das Richtige gemacht wird.
familie.de: Wie funktioniert die Chiropraktik-Prophylaxe?
Jann-Oliver Broschinski: Ganz einfach. Man sollte sich vom Chiropraktiker durchchecken lassen - gerade dann, wenn noch kein Beschwerdebild vorhanden ist. Deshalb empfehlen wir ja auch, dass die Eltern möglichst direkt nach der Geburt mit ihren Babys zum Chiropraktiker kommen, wenn sie denn nicht sowieso schon dort in Behandlung sind. Es wäre doch ein Glück, wenn viele Krankheiten überhaupt nicht entstehen und die Kinder gesund aufwachsen!
familie.de: Durch das falsche Tragen des Babys können auch bei der Mutter Schiefhaltungen entstehen. Wie sollte das Baby „im chiropraktischen Sinne“ möglichst schonend getragen werden?
Jann-Oliver Broschinski: Am besten vor dem Körper. Aber wenn die Mütter das Gefühl haben, es könnte etwas nicht stimmen, sollten sie das umgehend abchecken lassen.
familie.de: Hat Chiropraktik etwas mit alternativer Medizin zu tun?
Jann-Oliver Broschinski: Ja, die Chiropraktik arbeitet ganzheitlich. Sie ist die drittgrößte Gesundheitsprofession der Welt. Anerkannt in vielen europäischen Ländern, wie zum Beispiel in Frankreich, Großbritannien, Spanien, der Schweiz, sowie in den USA und Kanada.
familie.de: Sind Chiropraktiker ganz normale Ärzte?
Jann-Oliver Broschinski: Ja, in anderen europäischen Ländern und der USA. In Deutschland muss man Arzt oder Heilpraktiker sein. Seit April diesen Jahres kann man jetzt auch in Deutschland Chiropraktik studieren – mit dem internationalen Abschluss des „Master of Science in Chiropraktik“. Damit bekommt die Chiropraktik in Zukunft den Stellenwert, den sie verdient. Und vielen Menschen kann eine qualitativ gleichbleibend gute Behandlung gewährt werden. Der neue Studiengang beginnt im Oktober (Anm. d. Red.: Mehr Infos dazu finden Sie unter www.chiropraktik-akademie.de).
familie.de: Wird Chiropraktik von der Kasse bezahlt?
Jann-Oliver Broschinski: Die Behandlung wird von der gesetzlichen Krankenkasse in der Regel nicht übernommen. Von einigen privaten Versicherungen ja, je nach Tarif. Außerdem gibt es günstige Zusatzversicherungen, die Heilpraktiker-Kosten erstatten.
familie.de: Ist Chiropraktik eine rein physische Behandlungsmethode?
Jann-Oliver Broschinski: Die Chiropraktik wirkt ganzheitlich - auf Körper, Geist und Seele!
Jann-Oliver Broschinski ist Heil- und Chiropraktiker mit eigener Praxis im westfälischen Minden und langjähriger Dozent an der Heilpraktiker-Schule in Wunstorf/Hannover. Außerdem fungiert er als Vorstandsmitglied beim Bund deutscher Chiropraktiker e.V. (BDC) und ist der Geschäftsführer der Chiropraktik-Akademie in Minden.
(Das Interview mit Jann-Oliver Broschinski führte familie.de-Redakteurin Tanja Thurner.)

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