
Kinder mit einem guten Gleichgewichtssinn können früher krabbeln, besser klettern und sind oft auch schlauer. Wie Eltern das Gleichgewicht optimal fördern.
Der Gleichgewichtssinn wird oft unterschätzt. Dabei haben es Kinder mit einem guten Gleichgewichtssinn in vieler Hinsicht leichter: Sie können besser
Einige Fachleute meinen sogar, sie seien später auch besser in Rechtschreibung und Mathe, denn der Gleichgewichtssinn ist der früheste aller Sinne und damit Grundlage für die Entwicklung und Verknüpfung diverser Schaltstellen im Gehirn. Damit nicht genug: Derart „ausgeglichene“ Kinder sind in der Regel auch selbstbewusster und selbstständiger.
Das möchten wir natürlich alle für unser Kind - nur wie? Und vor allem: Woran erkennen wir, dass es in dieser Hinsicht vielleicht Defizite hat? „Spätestens wenn Kinder die 3. Dimension - den Raum - erobern, indem sie sich aufrichten, anfangen zu laufen, zeigt sich, ob sie einen guten Gleichgewichtssinn haben“, sagt Prof. Hartmut Kasten vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München.
Ein Warnsignal: Kinder, bei denen dieser Sinn nicht so gut funktioniert, krabbeln schon mal nicht so gern. Und diese „Bewegungsunlust“ setzt sich fort: Da sie sich auch später nicht so gern bewegen, sind durch mangelnde Erfahrungen auch - vereinfacht gesagt - nicht so viele „Bewegungs-Programme“ im Gehirn abrufbar. Nach Ansicht von Ärzten haben heutzutage immer mehr Kinder Probleme mit der Balance. Doch ein ausgeprägter Gleichgewichtssinn ist nur zu einem kleinen Teil genetisch bedingt. Wir können also etwas tun.
Bereits in der 7. Schwangerschaftswoche beginnt die Entwicklung des „1. Sinnes“. Schwangere sollten darauf achten, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten viel zu bewegen, das überträgt sich aufs Kind. Durch Verlagerung seines Körpers und ganz besonders des Kopfes wird sein Gleichgewichtsorgan im Innenohr stimuliert. „Neue Forschungen belegen, wie fundamental dieser Sinn für die Entwicklung der sogenannten Nahsinne wie Tasten, Schmecken und Riechen und später für die Fernsinne wie Hören und Sehen ist“, sagt der Entwicklungspsychologe Hartmut Kasten.
Säuglinge und Babys sollten daher möglichst viele Bewegungsanreize erhalten - das heißt, Eltern sollten sie nicht immer auf dieselbe Weise hinlegen und hochnehmen und auch mal möglichst frei im Raum halten. So lernt das Baby, seinen Körper immer wieder neu auszurichten - diese Erfahrungen werden als Informationen im Kleinhirn gespeichert und können bei Bedarf immer wieder abgerufen werden. „Babys sind von ihrer genetischen Herkunft Traglinge“, sagt Kasten. Nehmen Sie Ihr Kind also oft auf den Arm. Auch Baby-schwimmen oder Hand-Auge-Koordinationsspiele helfen - dafür reicht schon ein weicher Ball. Jeder Sinnesreiz ist Nahrung fürs Gehirn.

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