Von Dirk Müller
Erste Ergebnisse der Elefanten-Kindergesundheitsstudie liefern überraschende Resultate – Nachholbedarf an den Schulen

Ein tägliches gemeinsames Schulfrühstück und Gesundheitsunterricht als fächerübergreifenden Pflichtbestandteil an den Schulen: Das fordert der Deutsche Kinderschutzbund angesichts der ersten Ergebnisse der "Elefanten Kindergesundheitsstudie 2011/2012" in Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund, die am 13. Dezember in Köln präsentiert wurden.
Die Studie, für die fast 5000 sieben- bis neunjährige Grundschulkinder aus allen 16 Bundesländern befragt wurden, liefert teilweise überraschende Erkenntnisse: Offenbar haben Zweit- und Drittklässler ein viel höheres Gesundheitsbewusstsein, als es das Klischee vom bewegungsfaulen, auf Bildschirm und Süßigkeiten fixierten Kind oft vermittelt. So haben 81 Prozent der Kinder mindestens eine Antwort auf die offene Frage, was sie brauchen, um sich gesund zu fühlen. Davon nennen 62 Prozent "gesundes Essen", gefolgt von "Sport/Bewegung" (34 Prozent) und seelischen Aspekten wie "Spaß haben", aber auch "traurig sein dürfen" (14 Prozent).

Mehr noch: Die befragten Kinder zeigen überwiegend auch ein aktives Interesse an Gesundheitswissen. So geben 78 Prozent an, mehr darüber erfahren zu wollen, wie sie gesund bleiben können. Stellt sich die Frage, wer die nötigen Antworten geben kann – neben den Eltern, so zeigt sich, sind auch die Schulen in der Pflicht. Und hier gibt es offenbar erheblichen Nachholbedarf: Nur 50 Prozent der Kinder berichten, dass das Thema Gesundheit im Unterricht eine Rolle spiele.
Grund genug für den Deutschen Kinderschutzbund, Konkretes zu fordern: "Gesundheitsunterricht muss Pflichtfach an allen Schulen werden", sagt Sprecher Friedhelm Güthoff. "Dies zum einen als eigenes Unterrichtsfach, zum anderen aber auch fächerübergreifend: Kinder sollen zwischendurch aufstehen, sich bewegen, Sport machen dürfen!" Auch beim reinen "Kantinenangebot" der Ganztagsschulen, so Güthof, herrsche Nachholbedarf: "Warum nicht die Kinder mit einbeziehen und täglich zehn Minuten selbst Obst schnippeln lassen?"
Wichtiger noch sei aber die Zielsetzung, ein tägliches, gemeinsames Schulfrühstück flächendeckend zu etablieren: Einerseits, um das Ernährungsbewusstsein der Schüler zu schärfen, zum anderen auch, um die Eltern mit ins Boot zu holen. "Eltern muss klar werden, dass es Spaß macht, gesund zu leben." Der Kinderschutzbund selbst setze genau dort an – etwa mit dem Elternkurs-Programm "Gesund leben mit Kindern – Eltern machen mit".

Dass solche Vorstöße ihre Berechtigung haben, zeigt ein weiteres Detail der Studie: 25 Prozent der Kinder fühlen sich "manchmal" schlapp, weitere 18 Prozent sogar "häufig". Das Gefahrenpotenzial, das sich hier abzeichnet, unterstrich Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer bei der Präsentation durch weitere Zahlen: "Jedes dritte Kind kommt ohne Frühstück in die Schule, das führt zu Unterzuckerung und Hyperaktivität." Der Mediziner, Buchautor und Gründer der Dietrich Grönemeyer Stiftung für Prävention und Gesundheitsförderung fordert das Zusammenspiel eines Quintetts aus Eltern, Kindern, Lehrern, Ärzten und Sportvereinen zur frühzeitigen Gesundheitsvorsorge.
Das Projekt "Schnecke" zur Förderung des Gleichgewichtssinns bei Kindern, unterstützt von der Hessischen Landesregierung, sei hier beispielgebend: "Kinder, die im Gleichgewicht sind, bringen bessere Leistungen in Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache." Dabei kämen sie schlicht und einfach ihrem Bewegungsbedürfnis nach. "Und das Bewegungsbedürfnis entspricht dem Bedürfnis, das Gehirn zu entwickeln", verdeutlicht Grönemeyer.
Mit der Gesundheitsstudie, begleitet vom PROSOZ-Institut für Sozialforschung PROKIDS, will der Stifter Elefanten Schuhe sein Engagement über die Forschungsförderung hinaus fortsetzen und daraus weitere Schritte ableiten: „Die Elefanten-Kinderstudie zeigt: Gesundheit ist ein Thema, das Kindern Spaß macht – diese Chance müssen wir viel konsequenter nutzen. Dafür wird sich die Marke Elefanten weiterhin stark machen“, erklärte Sprecher Ulrich Effing.
Die Elefanten-Kinderstudie 2011/2012 ist eine der drei großen Kinderbefragungen in Deutschland – und mit den jüngsten und meisten Befragten ist sie auch die aufwändigste Untersuchung.

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