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KEUCHHUSTEN

Keuchhusten ist keine reine Kinderkrankheit

Keuchhusten ist keine reine Kinderkrankheit
Hustenattacken quälen Kinder meistens in der Nacht. Foto: Gina Sanders / Fotolia.com

Keuchhusten ist alles andere als eine harmlose Kinderkrankheit. So können Sie Ihr Baby schützen.

In diesem Artikel:

Die Chinesen fürchten ihn als „100-Tage-Husten“. Und tatsächlich vergehen oft mehr als drei Monate, bis er endgültig überstanden ist: Kaum eine andere Kinderkrankheit ist für den Sprössling und seine Eltern so kräftezehrend wie der Keuchhusten. Vor allem nachts leiden die Kinder unter den quälenden Hustenattacken – oft, im Halbstundentakt. Mit lauten, stakkatoartigen Hustenstößen versuchen sie, den zähen Schleim loszuwerden, der sich in ihren Bronchien gesammmelt hat. Anschließend atmen sie pfeifend und keuchend ein: Es entsteht das typische Geräusch, dem der hochansteckende Keuchhusten seinen Namen verdankt. 

Keuchhusten beginnt ganz harmlos

Schuld an den fiesen Hustenanfällen ist das Bakterium Bordetella pertussis. „Diese Erreger heften sich an die Schleimhäute der Atemwege, wo sie sich vermehren und durch ihre Giftstoffe Schleimhaut und Flimmerhärchen schädigen“, erklärt Dr. Roswitha Bruns, Oberärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Greifswald. Dabei beginnt alles ganz harmlos: Ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung mit Keuchhusten treten Schnupfen, Husten, manchmal auch Fieber auf. „Die Symptome lassen sich noch leicht mit einer banalen Atemwegsinfektion verwechseln. Das Tückische ist aber, dass die Erkrankten schon in diesem Stadium hochansteckend sind“, sagt die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie.

So haben die Pertussis Erreger ungestört Zeit, sich weiter zu verbreiten. Denn der Verdacht fällt meist erst dann auf Keuchhusten, wenn es richtig losgeht: „Nach ein bis zwei Wochen beginnt das zweite Erkrankungsstadium mit den charakteristischen, stakkatoartigen Hustenanfällen, die oft auch zum Erbrechen führen. Bis zu 40 solcher Hustenattacken pro Tag sind möglich“, so die Infektiologin. Diese äußerst belastende Phase dauert meist zwischen vier und sechs Wochen.

Keuchhusten
Wenn Antibiotika früh eingenommen werden, kann Keuchhusten kürzer verlaufen. Foto: Fotolia

Anschließend, im dritten Stadium, geht es allmählich bergauf: Die Hustensalven werden seltener und klingen schließlich ab. Trotzdem kann es noch sechs bis zehn Wochen dauern, bis der kleine Patient wieder ganz gesund ist. „Wichtig ist, dass schon zu einem frühen Erkrankungszeitpunkt eine Behandlung mit Antibiotika erfolgt. Nur so lässt sich der Verlauf etwas verkürzen“, sagt Roswitha Bruns. Später können Antibiotika lediglich noch die Gefahr mindern, dass sich weitere Menschen anstecken.

Keuchhusten kann auch Erwachsene treffen

Was viele nicht wissen: Keuchhusten ist keine reine Kinderkrankheit. Er kann auch Erwachsene treffen. Untersuchungen zeigen, dass sich Keuchhusten seit einigen Jahren sogar immer mehr ins höhere Alter verlagert. Trat Pertussis, so der medizinische Fachbegriff, vor 30 Jahren noch überwiegend bei Säuglingen und Kleinkindern auf, sind heute acht von zehn Patienten über 15 Jahre alt. Jeder dritte ist sogar älter als 45 Jahre. „Das liegt daran, dass die Kinder überwiegend geimpft sind. Der Impfschutz hält jedoch nicht ewig. Und auch eine durchgemachte Erkrankung bietet keine lebenslange Immunität. Nach etwa zehn Jahren verliert das Immunsystem seine Fähigkeit, sich gegen die Bakterien zur Wehr zu setzen“, so die Expertin.

Das Problem ist: Die wenigsten Jugendlichen und Erwachsenen mit Keuchhusten bemerken, was sie da eigentlich quält. Denn bei ihnen verläuft die Infektion häufig milder und längst nicht so eindeutig wie bei Kindern. Deshalb wird der hartnäckige Husten oft als Bronchitis, Asthma oder als langwierige Erkältung fehlgedeutet. In Wahrheit stellen die Erkrankten jedoch eine gefährliche Infektionsquelle für ihre Umgebung dar – vor allem für die Kleinsten.

Keuchhusten macht auch vor Babys kein Halt

Vor einigen Krankheiten sind Neugeborene durch den „Nestschutz“ ihrer Mutter zunächst gefeit. Nicht so vor Keuchhusten. „Impfen kann man Säuglinge aber erst ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat. Ein sicherer Impfschutz setzt dann auch erst nach der dritten Impfung ein, die am Ende des vierten Lebensmonats stattfindet“, erklärt Roswitha Bruns. In der Zeit davor sind Babys somit besonders gefährdet, sich anzustecken. Gleichzeitig ist gerade bei ihnen das Risiko am größten, dass die Sache ernst wird. „Säuglinge erkranken meist schwer, jedoch ohne die typischen Hustenanfälle. Vielmehr kann es bei ihnen zu lebensbedrohlichen Atemstillständen, sogenannten Apnoen, kommen“, warnt die Ärztin. Denn die Bronchien der Kleinen sind noch eng. Dadurch können sie schnell verlegt werden oder zuschwellen. Laufen die Kinder blau an, besteht akute Erstickungsgefahr.

Zum Glück ist Keuchhusten mit Todesfolge bei uns inzwischen sehr selten geworden. Ganz gebannt ist diese Gefahr aber nicht. Die Atemaussetzer können zudem zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn führen und es dauerhaft schädigen. Weitere mögliche Komplikationen sind vor allem im ersten Lebensjahr bakterielle Zusatzinfektionen wie eine Lungenentzündung. Erkrankte Säuglinge müssen daher zur Behandlung meist in die Klinik.

So beugen Sie Keuchhusten vor

Umso wichtiger ist es, besonders die Kleinsten sorgfältig vor dem „Stickhusten“ zu schützen. „Da Neugeborene nicht sofort geimpft werden können, muss man ihnen den Nestschutz anders geben – indem man die Umgebung gut durchimpft“, sagt Roswitha Bruns. So lautet auch die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut. Sie sieht vor, dass alle Erwachsenen bei ihrer nächsten Impfung gegen Tetanus und Diptherie gleichzeitig eine Auffrischung für Keuchhusten erhalten. Da es keinen Einzelimpfstoff gibt, wird in dieser Kombination geimpft. Frauen mit Kinderwunsch wird geraten, die Impfung möglichst vor der Schwangerschaft vorzunehmen. Und auch andere Bezugspersonen des Babys sollten sich noch vor der Geburt impfen lassen, um den Säugling nicht anstecken zu können.

„Entscheidend ist natürlich, das auch das Kind selbst zum frühestmöglichen
Zeitpunkt, also ab der achten Lebenswoche, die Grundimmunisierung erhält“, so Roswitha Bruns. Schwere Nebenwirkungen sind dabei nicht mehr zu befürchten. Denn anders als früher verwenden die heutigen Keuchhusten-Impfstoffe nur noch Teile des abgetöteten Erregers, nicht den ganzen Keim. Dadurch gelten sie als sehr gut verträglich.

Lesen Sie weiter: Rechtzeitig gegen Keuchhusten impfen

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