
Bei Kindern, die an Scharlach erkranken, ist vor dem Ausbruch der Krankheit die geistig-seelische Entwicklung oft gegenüber den körperlichen Veränderungen beschleunigt. Die Umgebung des Kindes stellt in dieser Phase häufig eine besserwisserische, neunmalkluge Art oder aber eine bedrückte Stimmung beim Kind fest. Das Ungleichgewicht zwischen der zu schnellen geistig-intellektuellen Entwicklung und der seelischen Überforderung macht das Kind empfänglich für Scharlach.
Die Disposition zum Scharlach entsteht vor allem dort, wo sich das Kind geistig zu früh, zu intensiv entwickelt und/oder sich sozial überfordert fühlt. Auch positiv aufregende Ereignisse, auf die das Kind hinfiebert, wie eine Schulvorführung oder der Tag der Einschulung, können Auslöser für Scharlach sein. In besonderer Weise gilt dies für seelische Belastungen, die ein Kind »nicht schlucken« (Schluckbeschwerden!) kann.
Ist der Scharlach ausgebrochen, zeigt das Kind das Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug – es möchte aber nicht allein gelassen werden. Auch beim Scharlach werden Giftstoffe über einen Hautausschlag ausgeschieden. Im Gegensatz zu den Masern spielen sich beim Scharlach die entscheidenden Veränderungen aber im Inneren ab: Ein flammend roter Ausschlag in Mundhöhle und Rachen ist der am zuverlässigsten zu beobachtende Ausschlag bei Scharlach. Der Hautausschlag kann dagegen fein und flüchtig sein. Schmerz, Rötung und Fieber sind alles Anzeichen für eine starke Tätigkeit des Seelischen. Umso wichtiger ist es, dass das Kind genügend Zeit bekommt, sich zu erholen. Wenn die Scharlach-Erkrankung nicht antibiotisch abgekürzt wird, ist eine zwei- bis dreiwöchige Bett- oder Hausruhe angesagt.
Denn in dieser Phase (zweite bis dritte Krankheitswoche) kann es zu den bekannten Folgeerkrankungen kommen.
Nach Überwindung der entscheidenden dritten Krankheitswoche und der folgenden Woche der Erholung, kann sich das Kind wieder der Welt zuwenden – nun auf eine neue Art, als hätte es sich innerlich gereinigt. Sein geistig-seelisches Ungleichgewicht ist wieder in Harmonie gekommen.
Grundsätzlich gilt, dass die Erkrankung erst dann überwunden ist, wenn sich das Kind deutlich sichtbar körperlich erholt hat, es also Appetit, Bewegungsfreude und eine Gewichtszunahme zeigt. Es besteht dagegen nach wie vor die Gefahr von Folgeerkrankungen, wenn das Kind in seiner Vitalität noch »wie gelähmt« erscheint, obwohl es vielleicht schon wieder Schulaufgaben machen möchte. Hier gilt der Grundsatz: Die Erholung der Lebenskräfte geht vor.

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