Interview mit Schlafforscher Prof. Jürgen Zulley:
Wie viel Schlaf brauchen Grundschüler, um in der Schule fit zu sein?
Prof. Dr. Jürgen Zulley: Die Schlafdauer ist auch bei Kindern recht individuell und kann je nach Typ schwanken. Grundsätzlich sollten Kinder zwischen 6 und 10 Jahren 10 Stunden schlafen, wobei Abweichungen von plus/minus zwei Stunden durchaus noch normal sind. Ob ein Kind genug geschlafen hat, merkt man gleich am nächsten Tag. Ist es fahrig, unkonzentriert und launisch, kann man davon ausgehen, dass es zu wenig Schlaf abbekommen hat.
„Lernen im Schlaf“: Wie viele Stunden sind Tiefschlaf, in dem sich zum Beispiel Vokabeln festigen, wie viele Traumschlaf, in dem sich Bewegungsabläufe einprägen?
Kinder haben noch viel mehr Lernschlaf als Erwachsene. Das hängt mit ihrer Hirnreifung zusammen. Ihr Schlafverhältnis ist so aufgeteilt: 60 Prozent Tiefschlaf, 40 Prozent Traumschlaf, was 6 zu 4 Stunden entspricht. Erwachsene haben 25 Prozent Traumschlaf.
Wann sollten Kinder spätestens ins Bett gehen, damit sie sich gut erholen?
Entscheidend ist, wie lange sie vor der biologischen Geisterstunde schlafen gehen. Wie bei Erwachsenen ist diese auch bei Kindern in der Regel um drei Uhr früh und nicht die Stunde zwischen Mitternacht und ein Uhr, die gern als Geisterstunde bezeichnet wird. Die Erholungsfunktionen arbeiten stur bis um drei Uhr. Das heißt, die Zeit vor drei Uhr ist wichtig für die Arbeit des Wachstumshormons, für die Regeneration des Immunsystems und für die Erholung. Deshalb gehen Grundschulkinder am besten zwischen 20 und 21 Uhr ins Bett.
Können Kinder auch zu viel schlafen?
Ja, genauso wie Erwachsene es zum Beispiel gern am Wochenende machen. Doch dann sind auch Kinder nicht fit, sondern träge und schleichen durch den Tag.
In Ihrem Schlafbuch schreiben Sie, Schüler, Studenten und studierende Senioren lernen besser, wenn sie einen Mittagsschlaf einlegen. Grundschüler auch?
Kinder in diesem Alter machen nicht gern ein Nickerchen. Für sie ist eine Ruhepause nach dem Essen besser, in der sie entspannen und Kräfte sammeln.
Müssen unsere Schulkinder zu früh aufstehen?
Ja, denn der Schulbeginn in Deutschland liegt mit acht Uhr einfach zu früh. Wenn wir einkalkulieren, dass nicht wenige Kinder lange Anfahrtswege zur Schule haben und mancherorts der Unterricht noch früher beginnt, kommen wir auf erschreckende Aufstehzeiten.
Dabei brauchen Kinder unbedingt ihren Schlaf. Für einen späteren Schulbeginn spricht außerdem die biologische Leistungskurve am Vormittag. Es gibt wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass die Leistungsfähigkeit von Schulkindern um acht Uhr morgens so hoch ist wie um Mitternacht, also im Keller. Selbst wenn der Schulbeginn nur eine halbe Stunde später wäre, würde das schon viel verbessern, weil die Leistungskurve am Morgen relativ steil ansteigt.

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