Grenzen erweitern den Horizont

Kinder etwas selbst tun zu lassen, kann manchmal anstrengender sein, als es einfach selbst zu machen. Aber das gehört zur Erziehung dazu, denn: Wer nicht übt, wird nicht lernen.


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Grenzen erweitern den Horizont


Das Motto der Montessori-Pädagogik ist hier wegweisend: „Hilf mir, es selbst zu tun“. Ist unsere helfende Hand zu schnell da, gewöhnen wir unseren Kindern ab, selber aktiv zu werden. Das hat langfristig negative Folgen: „Immer werden dabei wichtige Entwicklungsschritte oder Lernfelder be- oder verhindert. Letztlich mündet die Verwöhnung in der Entmutigung.  Grundlegende Fähigkeiten werden entweder nicht entwickelt oder zugeschüttet“, so der Erziehungswissenschaftler und Buchautor Albert Wunsch.

Wenn Babys Umwege gehen und Fehler machen dürfen, ohne dass die Eltern gleich eingreifen, ist das eine wirkungsvollere und grundlegendere Förderung, als es jeder Kurs zur Früherziehung und jedes noch so raffinierte Lernspielzeug sein können. Kinder können nur dann ein realistisches Selbstbild entwickeln, wenn sie von Anfang an auch Grenzen erfahren und Frustrationen ertragen lernen. Das kann der Streit um ein Förmchen in der Sandkiste sein, bei dem Mama eben nicht gleich eingreift. Das kann bedeuten, mit müden Füßchen noch ein paar Meter laufen zu müssen oder es auf dem Spielplatz mal ohne eine Dose voll Knabberstangen und Apfelscheiben in Griffweite auszuhalten. Ein Kind, dem negative Gefühle und Unannehmlichkeiten weitgehend erspart bleiben, wird das kurzfristig wohl als angenehm empfinden, doch auf die Dauer wird es mit mehr Schwierigkeiten zu kämpfen haben als andere Kinder.

Selbstvertrauen, Eigenständigkeit, soziale Kompetenz und Lebensmut wachsen, wenn Kinder Erfahrungen zum eigenen Können und den eigenen Grenzen machen dürfen. Es mag paradox klingen, aber Kinder laufen zu lassen, ist für Eltern oft anstrengender, als sie auf dem Arm zu tragen. Dabei ist es für die Kinder in der Regel die größere Hilfe, wenn die Eltern sich im Zweifelsfall lieber etwas zurücknehmen, als wenn sie beim kleinsten Hindernis zur Stelle sind und alle Schwierigkeiten für ihre Kinder beiseite räumen. Denn: Die Kleinen lernen und begreifen die Welt im eigenen Tun - und nicht durch Überversorgung. 


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Auch wenn es manchmal schwer auszuhalten ist: Zur Kindererziehung gehört auch, Ungeplantes und manchmal sogar Unerfreuliches zuzulassen. Zum Beispiel ein aufgeschürftes Knie, ein „Aua“ am Kopf oder ein gewaltiges Frustheulen, eine kaputte Hose oder ein zerstörtes Spielzeug. Das ist anstrengend. Aber wenn wir es schaffen, schenken wir unseren Kindern etwas sehr Kostbares: einen großen Erfahrungsschatz!

Ein Beispiel: Nur durch kleine Malheure lernt das Baby, wie es die Füße beim Gehen abrollen muss und wann es ein Bein vom Boden heben kann, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Das Kleinkind muss stolpern, wanken, auch mal stürzen, damit es allmählich immer sicherer auf den Beinen steht. Wenn die Mama das Kind stets auffängt, bevor etwas passiert, kann es seine Bewegungsabläufe nicht richtig einüben. Kinder wollen ihre Kraft spüren. Auch wenn das an den Kräften der Eltern zehrt.


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