Grundschulzeugnis entziffern: Formulierungen im Zeugnis verstehen

Da es in der Schuleinführungsphase noch keine Noten gibt, werden die Leistungen der SchülerInnen auf den Grundschulzeugnissen verbal vom Lehrer bewertet. Wir verraten Ihnen, wie Sie diese Formulierungen verstehen können.


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Zwar gibt es keinen überregionalen Übersetzungskatalog für Grundschulzeugnisse, jedoch sind einige Formulierungen und Floskeln Standard und lassen sich ähnlich wie ein Arbeitszeugnis interpretieren.

Stephan Bayer, Lern-Experte der Online-Nachhilfe-Plattform Sofatutor, verrät, dass es in den Sprach-Codes meistens auf die kleinen Worte wie „sehr“ oder „fast“ ankommt. Ist ihr Kind also „sehr sicher“ im Rechnen, hat es die Erwartungen der Lehrer erfüllt oder übertroffen. Ist es dagegen „sicher“ im Rechnen, entspricht dies der Note 2, also einer guten Leistung.


Bei Schulzeugnissen zwischen den Zeilen lesen


Oftmals sind es auch die Aussagen, die man zwischen den Zeilen lesen muss, um ein Bild von den Leistungen des Kindes zu bekommen. Ein „Maria hört nicht immer richtig zu und beschäftigt sich gern mit anderen Dingen. Mit etwas mehr Aufmerksamkeit könnte Maria ihr Wissen noch öfter unter Beweis stellen.“ meint, dass der Lehrer davon überzeugt ist, dass Maria etwas drauf hat. Um ihrem Potential gerecht zu werden, muss sie sich im Unterricht aber mehr konzentrieren und mehr Arbeitsbereitschaft zeigen.

Wenn Ihr Kind „beim Rechnen noch Hilfsmittel braucht“ und „bekannte Aufgaben in der vorgegebenen Zeit lösen kann“, verweisen die kleinen Wörter „noch“ und „bekannte“ darauf, dass es den Erwartungen leicht hinterherhängt. Hilfsmittel zum Rechnen sollten offensichtlich nicht mehr nötig sein und vorhandenes Wissen sollte auch auf unbekannte Aufgaben übertragen werden können. Da muss also noch ein bisschen geübt werden!
Sprach-Codes wie in Arbeitszeugnissen
Zuletzt gibt es noch die typischen Sprach-Codes, die auch aus Arbeitszeugnissen bekannt sind. Die Formulierung „war stets für alle neuen Lerninhalte zu begeistern“ entspricht damit einem „sehr gut“, wohingegen „war für alle Lerninhalte zu begeistern“ einem „gut“ entspricht.

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Gleichzusetzen mit einem „befriedigend“ ist dagegen die Aussage „war für Lerninhalte, die ihn interessierten, offen“. Schlimmer, weil „nicht befriedigend“ ist die Formulierung  „ging von sich aus nicht an neue Lernaufgaben heran“ – hier besteht Handlungsbedarf, damit Ihr Kind den Anschluss nicht verliert!

Sind Sie sich unsicher, wie Sie das Zeugnis Ihres Kindes zu deuten haben, dann vereinbaren Sie eine Elternsprechstunde mit dem Lehrer und lassen Sie sich persönlich über die Leistungen Ihres Kindes informieren. Da der Lehrer bzw. die Lehrerin Ihr Kind im Unterricht erlebt, hat er/sie sicher auch Vorschläge, welche Unterstützung es braucht, um seine Leistungen zu verbessern.

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