Hausaufgaben - Mehr als nur Pflicht

Hausaufgaben empfinden viele Kinder als eine lästige Pflicht. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie Ihr Kind geschickt unterstützen können, damit es die Hausaufgaben möglichst erfolgreich und selbstständig erledigt.


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Hausaufgaben sind mehr als nur Pflicht


"Für die meisten Kinder sind Hausaufgaben nur eine lästige Pflicht“, sagt die Frankfurter Grundschullehrerin Angelika Scholz – und nennt drei Gründe, warum sie dennoch nötig sind: „Erstens dienen sie dazu, das im Unterricht Erarbeitete zu üben, einzuprägen und anzuwenden. Zweitens geben Hausaufgaben Auskunft darüber, was das Kind verstanden hat und schon kann bzw. wo noch Lücken bestehen. Drittens erfüllen Schulaufgaben den pädagogischen Zweck, die Kinder an das regelmäßige, selbstständige und strukturierte Arbeiten zu gewöhnen.“ 


© iStock
Doch gerade mit Letzterem haben viele Schüler Probleme – weshalb, besonders bei Schulanfängern, die Hilfe und Unterstützung der Eltern gefragt ist. Zwar heißt es in den Schulgesetzen der Länder, dass  Hausaufgaben grundsätzlich so beschaffen sein müssen, dass Kinder sie auch ohne Unterstützung ihrer Eltern erledigen können, doch ist längst nicht jeder Schüler dazu von Anfang an in der Lage.

Das Problem: Alle Kinder einer Klasse müssen ohne Rücksicht auf ihr individuelles Motivations- und Leistungsniveau die gleichen Hausaufgaben machen. „Würden die Hausaufgaben auf den einzelnen Schüler zugeschnitten, hätte das nicht nur einen Leistungszuwachs zur Folge, sondern wir würden das Kind auch viel stärker zu selbstreguliertem Arbeiten anregen“, sagt der Bildungsforscher Ulrich Trautwein.
Bei den Hausaufgaben nicht zu sehr einmischen
Obwohl Hausaufgaben in der Praxis nach Schema F vergeben werden und die Hilfe der Eltern oft unumgänglich ist, rät Trautwein zur Zurückhaltung: „Eltern sollten sich nicht zu sehr in die Hausaufgabenerledigung einmischen“, lautet sein Rat. „Das ist ein bisschen wie bei Medikamenten: Wird kurzfristig interveniert, ist das sinnvoll. Langfristige Interventionen dagegen führen zur Abhängigkeit“, argumentiert der Lernexperte. Sein Fazit: „Wiederholte unangeforderte Hilfe ist schädlich. Eltern können ihren Kindern oft am meisten helfen, indem sie nicht helfen.“

Was aber, wenn das Kind aus nachvollziehbaren Gründen doch um Unterstützung bittet – etwa, weil es die Fragestellung nicht verstanden hat? „Dann sollten Eltern genau hinschauen, wo das Problem liegt und nach dem Prinzip der minimalen Hilfe ihre Unterstützung anbieten“, rät der Hamburger Erziehungswissenschaftler Prof. Peter Struck. „Die Kunst des Helfens besteht darin, dem Kind in bestimmten Situationen ganz gezielt zur Seite zu stehen – und das mit sparsamsten Mitteln“, sagt der Familie&Co-Experte.

Tipps gegen Frust bei den Hausaufgaben
  • 1 / 10
    Feste Zeiten

    Legen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind regelmäßige Zeiten für die Hausaufgaben fest, deren Länge sich an den in der Tabelle genannten Zeiten orientiert. Berücksichtigen Sie bei der Wochenplanung die Länge bzw. Kürze des jeweiligen Schultags und Termine am Nachmittag (Sportverein, Musikunterricht, Kinder- und Jugendgruppe etc.).

  • 2 / 10
    Konsequent bleiben

    Um sich tägliche, Zeit und Nerven raubende Diskussionen zu ersparen, sollten Sie sich konsequent an die vereinbarten Zeiten halten – auch dann, wenn die Aufgaben nicht vollständig erledigt wurden.

  • 3 / 10
    Hausaufgabenheft

    Halten Sie Ihr Kind dazu an, sein Hausaufgabenheft regelmäßig, übersichtlich und ordentlich zu führen.

  • 4 / 10
    Arbeitsplatz

    Ihr Kind sollte einen festen, eigenen Arbeitsplatz haben. Sorgen Sie dafür, dass der Schreibtisch aufgeräumt und frei von Spielsachen und anderen ablenkenden Gegenständen ist. Dafür sollten Füller, Lineal, Spitzer, Radierer, Zirkel etc. in greifbarer Nähe sein.

  • 5 / 10
    Lernumgebung

    Sorgen Sie für eine ruhige Atmospäre. Radio, MP3-Player und Fernseher sollten abgestellt werden. Auch störende Lärmquellen wie Telefon und Staubsauger sollten keine Chance haben. Achten Sie auf ausreichend Licht und frische Luft.

  • 6 / 10
    Portionieren

    Schlagen Sie Ihrem Kind vor, sich einen Überblick über sein Tagespensum zu verschaffen und die anstehenden Aufgaben in kleine Portionen aufzuteilen. Was erledigt ist, wird abgehakt. Und weil Erfolg motiviert, sollte Ihr Kind immer mit einer leichten Aufgabe anfangen.

  • 7 / 10
    Pausen einlegen

    Weil sich Fünf- bis Siebenjährige ungefähr 15 Minuten, Acht- bis Neunjährige 20 Minuten und Zehn-bis Zwölfjährige maximal 30 Minuten konzentrieren können, sollte Ihr Kind regelmäßige Lernpausen einlegen, in denen es sich bewegen und etwas trinken sollte.

  • 8 / 10
    Richtige Körperhaltung

    Achten Sie darauf, dass Ihr Kind aufrecht und entspannt sitzt. Schreibtisch und Stuhl sollten höhenverstellbar und der Größe des Kindes angepasst sein.

  • 9 / 10
    Anerkennung

    Loben Sie Ihr Kind, wenn es sich nicht ablenken lässt und zügig arbeitet. Erkennen Sie seine Anstrengungsbereitschaft an und verzichten Sie darauf, jeden Fehler zu verbessern. Klappt es einmal nicht mit den Hausaufgaben, reagieren Sie nicht emotional oder gekränkt, sondern geben Sie Ihrem Kind am nächsten Tag eine neue Chance.

  • 10 / 10
    Fair bleiben

    Benutzen Sie die Hausaufgaben niemals als Druckmittel. Drohungen wie „Wenn du nicht fertig wirst, darfst du auch nicht zum Fußball“ verleiden Kindern das Lernen und schüren den Widerwillen gegen das Hausaufgabenmachen


 
Wie Sie Ihrem Kind bei den Hausaufgaben helfen können
➤ Aufmuntern
Auf der Rangliste möglicher Hausaufgabenhilfen steht das Gespräch an erster Stelle: Oft reicht schon ein aufmunterndes Wort, um den kleinen Trödler an seine Pflichten zu erinnern. "Fang doch einfach an, dann hast du hinterher mehr Zeit zum Spielen." Kinder, die schon vor Beginn der Hausaufgaben um Hilfe bitten, sollten zu selbstständigem Arbeiten angehalten werden: "Versuch es erst mal allein", könnte die Aufforderung lauten – verbunden mit dem Angebot, bei Schwierigkeiten zur Stelle zu sein. In einem dritten Schritt können Sie ihrem Kind vorschlagen, die Ergebnisse anzuschauen. Diese Lernhilfe hat den Vorteil, dass die Selbstständigkeit Ihres Kindes gewahrt bleibt, gleichzeitig aber seinem Sicherheitsbedürfnis entsprochen wird.

➤ Hinweise geben
"Schlag nach bei…" Einen konkreten Hinweis zu geben, stellt die nächste Stufe der indirekten Hausaufgabenhilfen dar. Er erlaubt es Ihrem Kind, aus der Hilflosigkeit herauszukommen, bestätigt es aber in seiner Unabhängigkeit.

Vorgaben
Deutlich intensiver und direkter greift ein, wer den ersten Arbeitsschritt vorgibt. Die Verabredung "Ich fange an, und du machst weiter", hilft Ihrem Kind zwar auf die Sprünge, sollte aber wegen des Gewöhnungseffekts sparsam angewendet werden. Noch vorsichtiger sollten Eltern mit der Möglichkeit umgehen, mehrere Lernschritte gemeinsam zu vollziehen – auf keinen Fall sollte es so weit kommen, dass Ihr Kind nur noch aufschreibt, was Sie denken.

➤ Abbrechen
Letztes Mittel - der  Abbruch der Schulaufgaben. Dies empfiehlt sich aber erst, wenn der Groschen einfach nicht fallen will oder das Kind die Aufgaben nicht in angemessener Zeit schafft. In ein paar Zeilen sollten Sie die Lehrerin bitten, die Aufgabe noch einmal zu erklären. Ist Ihr Kind häufiger überfordert, sollten Sie Kontakt mit der Schule aufnehmen.

Tipps, wie Sie mit schwierigen Situationen bei Schulaufgaben am besten umgehen
  • 1 / 5
    Ihr Kind weiß nicht, was es aufhat

    Versuchen Sie zu rekonstruieren, was in der Schule dran war und wann die Hausaufgaben gestellt worden sein könnten. Als Soforthilfe kann auch ein Mitschüler angerufen werden. Langfristig verspricht ein Heft für Hausaufgaben den größten Erfolg.

  • 2 / 5
    Ihr Kind will nicht alleine arbeiten

    Ursache ist oft ein zu hoher Erwartungsdruck. Der sollte abgebaut werden, indem auch nicht ganz perfekte Ergebnisse anerkannt werden. Das fördert die Freude am selbstständigen Arbeiten.

  • 3 / 5
    Ihr Kind schiebt die Aufgaben vor sich her

    Vereinbaren Sie eine feste Zeiten für die Hausaufgaben. Wenn sich das Kind nach einmaliger Erinnerung nicht daran hält, muss er die Konsequenzen (Lernen am Abend bzw. nicht gemachte Hausaufgaben) selbst tragen. Die Methode verlangt Zurückhaltung und Geduld, zahlt sich aber aus, weil  spätestens die Reaktion der Lehrer dem Kind klar macht, dass es sich selbst und nicht den Eltern einen Dienst erweist, wenn es seine Hausaufgaben rasch und gründlich erledigt.

  • 4 / 5
    Ihr Kind verliert leicht die Übersicht und ist unkonzentriert:

    Erstellen Sie einen Wochenplan, in dem alle Schulaufgaben verzeichnet sind. Entscheiden Sie dann gemeinsam mit Ihrem Kind, was bis zum nächsten Tag zu erledigen ist und was noch ein wenig warten kann. Kann sich Ihr Kind nicht konzentrieren, räumen Sie alles weg, was es ablenken könnte. Bei anhaltenden Konzentrationsstörungen sollten Sie ruhig Ihren Kinderarzt zu Rate ziehen.

  • 5 / 5
    Ihr Kind braucht zu lange

    Viele Kinder sichern sich durch Trödeln Zuwendung, können aber bei Bedarf (z.B. bei einer Geburtstagseinladung) schnell arbeiten. Tipp:  Steigen Sie aus dem Spielchen aus. Helfen Sie Ihrem Kind nur für bestimmte Zeit und erklären Sie ihm, dass es bei seiner Arbeitsweise wenig Zeit zum Spielen hat.



Wenn der Umfang der Hausaufgaben das Problem ist

Für Konflikte sorgen neben Verständnisschwierigkeiten oft der Umfang der Hausaufgaben bzw. die investierte Zeit. Dabei sind Kinder, die täglich mehrere Stunden an ihren Schularbeiten sitzen, keine Seltenheit. Das muss aber nicht unbedingt an der Menge der Schularbeiten liegen. So gibt es Kinder, die sich leicht ablenken lassen und mit anderen, schulfremden  Dingen viel Zeit vertrödeln. Hier hilft ein Wecker oder eine Eieruhr, an der das Kind ablesen kann, wann die vereinbarte Zeit abgelaufen ist. "Vielen Kindern ist es ein ungeheurer Ansporn, die Aufgaben vor der Zeit zu erledigen", sagt die Diplompädagogin Carmen Wöhler. Andere Kinder wiederum brauchen mehr Zeit, weil sie sehr gewissenhaft und gründlich arbeiten oder ihre Schulaufgaben mit Zeichnungen und Fotos verzieren – wogegen natürlich nichts einzuwenden ist.

Wie lange Hausaufgaben dauern dürfen
  • 1. & 2. Klasse: 30 Minuten
  • 3. & 4. Klasse: 60 Minuten
  • 5. & 6. Klasse: 90 Minuten

Wenn Sie allerdings den Eindruck haben, dass Ihr Kind über die Maßen von seinen Hausaufgaben beansprucht wird, sollten Sie unbedingt Kontakt zu anderen Eltern aufnehmen, um festzustellen, ob vielleicht auch deren Kinder Probleme haben. Es kann nämlich durchaus sein, dass die Ursache für Stress bei den Hausaufgaben bei den Lehrern liegt – weil sie zu viel aufgeben, weil sie sich nicht untereinander absprechen oder die Aufgaben nicht an den im Unterricht behandelten Stoff anschließen. Das Thema sollte dann unbedingt auf die Tagesordnung des nächsten Elternabends gesetzt werden, um dort gemeinsam mit den Lehrern eine Lösung zu finden.

Dabei können sich Eltern auch auf die Schulordnungen der Bundesländer berufen, in denen zum Beispiel geregelt ist, dass sich Umfang, Art und Schwierigkeitsgrad der Hausaufgaben am Leistungsvermögen der Schüler orientieren müssen, Sonn- und Feiertage sowie Ferien von Hausaufgaben frei sein sollten und auf Nachmittagsunterricht Rücksicht zu nehmen ist.

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Lernklima beeinflussen Hausaufgaben

Bei individuellen Problemen mit den Hausaufgaben sollten Eltern unbedingt darauf achten, nicht in eine Spirale gegenseitger Vorwürfe und Schuldzuweisungen zu geraten. Statt mit Sätzen wie "Du gibst dir keine Mühe" oder "Was, so viel hast du in der ganzen Zeit nur geschafft!" das Kind zu entmutigen, sollten sie für ein freundliches, von Respekt und Wertschätzung geprägtes Lernklima sorgen.

"Mütter sind oft nicht die geeigneten Lernpartner für ihr Kind, weil sie emotional zu sehr verstrickt sind und so andere Konfliktthemen auf die Hausaufgabensituation durchschlagen", gibt Prof. Struck zu bedenken – und empfiehlt als Alternativen das ausführliche Gespräch mit dem Klassen- bzw. Fachlehrer, die Unterstützung durch ältere Freunde oder Geschwister, das Machen von Hausaufgaben in Gruppen oder – falls nötig – die zeitlich befristete Unterstützung durch einen externen Nachhilfelehrer. „Bei gravierenden Lernproblemen sollten Eltern auch den Schulpsychologen einschalten“, rät der Familie&Co-Experte.

Wie sehr es auf eine angenehme Atmosphäre beim Hausaufgabenmachen ankommt, darauf weist die Aktion Humane Schule (AHS) in Köln hin: "Gegen schlechte Laune bei den Schulaufgaben hilft eine positive Grundstimmung", sagt der Diplom-Pädagoge und AHS-Vorsitzende Detlef Träbert. Dazu beitragen können zum Beispiel eine Schale Obst, kurze Verschnaufpausen, konzentrationsfördernde Entspannungsmusik oder der Lieblingstee des Kindes. Träbert weiß: "Mit solchen sanften Reizen werden positive Gefühle geweckt, die kreativen Seiten der Kinder gestärkt und die Leistungsfähigkeit optimal gefördert."
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