Hilfe, ich habe einen Trotz-Trump!

Nadja entdeckt erstaunliche Ähnlichkeiten ihres Kindes mit dem US-Präsidenten Donald Trump.


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Mini-Trump auf Trotzpfaden


Manchmal ist mein Sohn wie Donald Trump. Jetzt ist es raus. Schlimm, ich weiß. Darf ich mein eigenes Kind mit dem amtierenden US-Präsidenten vergleichen? Aber nun ist Trump quasi omnipräsent und mein Sohn so gut wie immer in meiner Nähe und da kommt es schon von, dass mir manche Verhaltensweisen... wie soll ich es ausdrücken? Es kommt vor, dass mir manche Verhaltensweisen ähnlich erscheinen.

Trotzkinder sind wie Donald Trump

Es ist nicht nur der Blick, den Trump und mein Kind gemeinsam haben...


© vision net ag/iStock
Trump tickt fast täglich in den sozialen Medien und auf Pressekonferenzen aus, mein vierjähriger Sohn vor meinen Augen – auch täglich. Ich möchte jetzt nicht die Auslöser für Trumps Ausfälle aufzählen, bei meinem Sohn passiert es unter anderem aus folgenden Gründen (unvollständige Liste):

• Er ist (von alleine!) aufgewacht, wollte aber noch schlafen
• Wir haben ihn geweckt!
• Seine Müslischale steht schon auf dem Tisch! (er wollte sie doch selber holen!)
• Seine Müslischale steht noch nicht auf dem Tisch! (IMMER muss er alles selber
   holen!)
• Der Papa hat in sein Zimmer geguckt
• Der Papa hat NICHT in sein Zimmer geguckt
• Der Klassiker: Mama hat erst das Wasser ins Glas gegossen, dann den Apfelsaft,
   dabei gehört das doch UMGEKEHRT!
• Er wollte den blauen Teller, nein, den roten, Quatsch, den grünen, nein, den
   BLAUEN!!!
• Es gibt morgens um 6 noch kein Eis!
• Abends um 8 auch nicht mehr! Unverschämtheit!
• Draußen hat es 30 Grad und ich erlaube ihm nicht, eine Fleecejacke anzuziehen
• Draußen hat es 5 Grad und ich erlaube ihm nicht, im T-Shirt rauszugehen
• Die Schwester war auf einen Geburtstag eingeladen, er nicht!
• Sie hat dort auch noch Süßigkeiten bekommen! UNGERECHT!
• Er will jetzt keine Kartoffeln essen, er will Spaßghetti Polonäse! NIE gibt es
   Spaßghetti Polonäse!
• IMMER gibt es Spaßghetti Polonäse, bäh!
• In einer Bücherei muss man die Bücher wieder zurückgeben! MACHT ER NICHT!
 
Dabei legt er eine Kondition an den Tag, die ihresgleichen sucht. Ein 30-minütiger Trotzanfall ist bei uns der Durchschnitt, gerne mehrmals am Tag. Andere Eltern mustern uns dann mit einer Mischung aus Bedauern und Bewunderung. Ja, das ist the REAL TROTZKI. Oder the REAL Trotz-Trump. Ich kann mit Engelszungen auf ihn einreden, in seinen Augen ist das alles UNGERECHT! ILLEGAL! FAKE NEWS! Und überhaupt bin ich ja die blödeste aller blöden Mamas.

Um es noch einmal festzuhalten: Wir sprechen hier von Müslischalen, die nicht dort stehen, wo der Herr sie gerne hätte oder Kleidungsstücken, die ich im Hochsommer für verzichtbar halte. Gerne liefert er mir „alternative Fakten“. Zum Beispiel: Es ist gar nicht heiß! Beweis: Er hat ja seine Jacke an, ha! Oder, schon richtig ausgefuchst: Wenn man ein Buch sehr, sehr mag muss man es nicht in der Bücherei zurückgeben, sondern darf es behalten. So will es das Gesetz! Jawoll! Bitte stellen Sie sich dieses Gespräch in der passenden Lautstärke vor: Tobender Vierjähriger und beherrscht argumentierende Mutter, der gleich der Kragen platzt.
Meine Erfahrungen aus gut einem Jahr Trotz-Trump:
➤ Argumentieren bringt nichts, echte Fakten interessieren das Gegenüber null.

➤ Zurückbrüllen bringt noch weniger, damit hat man sich vielleicht selbst kurz
   abreagiert, den Trotzanfall stoppt es nicht.

➤ Ablenken gelingt nur bei sehr jungen Trotzkis, die älteren sind schon zu lange im
   Geschäft, sie lassen sich von einem „Schau mal, ein riiiiesiges Flugzeug“ nicht aus
   dem Konzept bringen.

➤ Nachgeben will wohl dosiert sein. Natürlich könnte ich jeden Trotzanfall im Keim
   ersticken, wenn ich nur jedes Mal genau das machte, was der Sohn will. Eis um
   6 Uhr morgens, jeden Tag ein neues Spielzeugauto, der Bibliothek sämtliche
   Bücher abkaufen und so weiter... Dann funktioniert das mit der Erziehung halt
   irgendwann nicht mehr und man bekommt später so einen wie.... äh, Donald
   Trump? Ich erlaube also die Fleecejacke bei 30 Grad (ich muss ja nicht darin
   schwitzen), nicht aber das Eis um 6 Uhr morgens (weil unsere Familienregeln
   nun mal besagen, dass es nicht zu jeder Uhrzeit Süßes gibt).

➤ Aussitzen hilft ungemein – dabei kann man sich an anderen Personen der
   politischen Zeitgeschichte orientieren, zum Beispiel Helmut Kohl. Irgendwann
   kriegt sich auch der größte Trotzki wieder ein, manchmal muss er auch einfach
   nur schlafen und dann geht’s wieder – bis zum nächsten Mal.
Da muss jeder durch

Solange tröste ich mich mit diesem Gedanken: Beim Großwerden muss man eben alle Gefühle mal durchspielen, die ganze Klaviatur, von kleinem Ärger bis ganz großer Wut. Und jüngere Kinder kennen meist noch keine Nuancen, kein stilles In-Sich-Rein-Schmollen, kein sarkastisches Abreagieren. Sie erfasst immer gleich der ganz große Wut-Tsunami. Dass sie auf dieser Welle reiten, ist wichtig. Erziehungswissenschaftler wie Remo Largo sagen nämlich: Wer als Kind nie richtig getrotzt hat, wird ein ziemlich jähzorniger, uneinsichtiger Erwachsener. Also so einer wie... Genau. So wird mein Sohn also zumindest später mal nicht werden. Darum bemüht er sich zumindest jetzt schon sehr.

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