In den Ferien lernen?

Lernen in den Ferien ist nicht eben cool – muss aber manchmal sein. Was Eltern beachten sollten,  damit kein Stress aufkommt und der Spaß nicht auf der Strecke bleibt.


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Lernen in den Ferien?


© iStock
„Was möchtest du später mal werden?“ – „Im Sommer Lehrer und im Winter Eisverkäufer.“ Über diesen Witz konnte ich als Grundschulkind herzlich lachen. Vieles hat eben seine Saison – und die Schule in den heißen Sommerwochen Pause.

Doch das stimmt nur teilweise, denn immerhin 20 Prozent aller deutschen Schülerinnen und Schüler, das sagt eine Forsa-Studie im Auftrag der online- Lernplattform Scoyo aus dem Sommer 2015, beschäftigen sich während der Sommerferien mehr oder weniger regelmäßig mit dem Schulstoff. Weitere 35 Prozent schauen ihn sich gelegentlich an. Besonders interessant: Kinder von Eltern mit Abitur lernen in der Ferienzeit weniger intensiv als jene, deren Eltern einen Hauptschul- oder mittleren Abschluss aufweisen.

Ferien sollten im Normalfall lernfrei sein


Natürlich hat der Bildungshorizont der Eltern einen Einfluss auf die Freizeitbeschäftigungen der Kinder. In bildungsorientierten Elternhäusern wird mehr Kultur gepflegt: Man liest mehr, geht häufiger in Theater und Konzerte, hat ein kreativeres Freizeitleben. Das hebt ganz nebenbei das Bildungsniveau der Kinder.

Da Bildung ohnehin mehr umfasst als den Schulstoff, ist es positiv, wenn Kinder sich in der Ferienzeit mit anderen Dingen als Mathe, Deutsch und Fremdsprachen beschäftigen. Schließlich sind ihre Lernzeiten in der und für die Schule heute umfangreicher als früher. Das gilt besonders für das achtjährige Gymnasium (G8). Und spätestens ab dem siebten, oftmals jedoch bereits ab dem vierten Schuljahr übersteigen die Arbeitszeiten von Schulkindern die ihrer berufstätigen Eltern. Da sollten Ferienzeiten eigentlich grundsätzlich lernfrei sein.

Ausnahmen gibt es allerdings: Wer einen Schulwechsel vor oder hinter sich hat, muss unter Umständen Stoff aufholen, falls die neue Klasse weiter ist. Ähnlich geht es einem Schulkind nach langer Krankheit oder wenn es längere Zeit lernfaul war. Und wer für seine Versetzung noch eine bestandene Nachprüfung im Anschluss an die Sommerferien absovieren muss, sollte unbedingt einen Teil der freien Zeit pauken. Es lohnt sich, wenn man dadurch ein ganzes Jahr Schule einsparen kann, auch wenn der Aufwand dafür nicht unerheblich ist.

Außer in diesem Fall sollte das Lernen – wenn überhaupt – erst während der letzten zwei Ferienwochen stattfinden. So bleibt zunächst einmal Zeit für Spiel, Spaß und Regeneration. Erholung ist nämlich wesentlich für unsere Kinder – auch sie können bereits in ihren jungen Jahren einen Burnout erleiden, wenn Anspannung und Entspannung nicht im Gleichgewicht stehen. Eine Stunde Lernzeit pro Ferientag sollte daher genügen. 

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Hilfreiche Tipps vom Lehrer einholen

Wer in den Ferien für die Schule arbeiten muss, kann das in die eigene Hand nehmen. Allerdings ist eine gemeinsame Beratung für Eltern und Kind durch den Lehrer sinnvoll. Er kann Tipps geben, welchen Stoff genau sich das Kind erarbeiten soll. Und er kann Hinweise für Arbeitshefte, Lernhilfen oder motivierende Computerprogramme geben. Schließlich kennt der Lehrer den Lernstil des Kindes, sodass seine Ratschläge hilfreich für die Festlegung von Arbeitszeiten und Übungsweisen sind.

Auf solch einer Grundlage fällt es Eltern leichter, feste Vereinbarungen mit ihrem Nachwuchs über Lernzeiten, -orte und -methoden zu treffen. Sie unterstützen ihr Kind bei der Gestaltung eines Lernplans, der überprüfbar ist und zudem bei der Zeiteinteilung hilft. Das Lernen und Üben selbst jedoch ist Schülersache. So wichtig Eltern für ihren Nachwuchs auch sind, als Lernhelfer sind sie – meistens – ungeeignet. Sie sorgen trotz guter Absichten eher für Stress als für ein entspanntes Arbeitsklima.

Wenn das Kind sein Programm nicht alleine absolvieren kann, braucht es einen älteren Schüler oder gar einen Nachhilfelehrer als Betreuer. Aber auch deren Einsatz sollte stets der Zielsetzung dienen, die Selbstständigkeit beim Lernen zu fördern, und deswegen zeitlich klar begrenzt sein.

Glücklicherweise gibt es noch weitere Möglichkeiten: So bieten Nachhilfeschulen spezielle Intensiv-Ferienkurse an, in denen Kinder gemeinsam mit anderen lernen und üben können. In der Gemeinschaft entsteht leichter ein positives Motivationsklima. So sind die täglichen Übungszeiten besser zu ertragen.

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Kostenlose Alternativen zur Nachhilfe

Wer es sich leisten kann, bucht für sein Kind vielleicht sogar Nachhilfeferien, in denen Freizeitgestaltung und Lernen optimal aufeinander abgestimmt sind. Doch es gibt auch kostenfreie Nachhilfe, selbst in Ferienzeiten. So listet beispielsweise die Broschüre „Kostenlose Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung in Neukölln“ des entsprechenden Berliner Bezirksamtes lokale Angebote auf. Mit ein wenig Fantasie lässt sich Ferienlernen auch in die eigene Hand nehmen. Beispiele:

 • Familie Wuttke reist nach England und hat in einer kleinen Privatpension gebucht. Dort gibt es schon beim Frühstück und anderen alltäglichen Anlässen reichlich Gelegenheit zur Konversation.
 • Tinas Rechtschreibschwäche bringt ihren Vater auf die Idee, im Urlaub mit ihr am Laptop zu üben. Allein die Tatsache, dass sie an das Gerät darf, motiviert sie sehr; die Spiele nach dem Üben helfen ebenfalls.
 • Frau Kamprad nutzt den Ferienhausaufenthalt dazu, Kai beim Kochen und Backen einzuspannen. Täglich misst und rechnet der Filius Zutatenmengen aus und merkt gar nicht, wie er übt.

Wer auf diese Art lernt, dem stellt sich die Frage nach einer Belohnung gar nicht. Wo das Tun an sich schon Spaß bereitet, braucht ein Kind keine Verstärkung. Was Eltern auf jeden Fall aufbringen müssen, sind Geduld und Gelassenheit. Auch sollten sie ihr Kind beim Üben und Lernen beobachten, um leichter zu erkennen, wo der Hase im Pfeffer liegt bzw. was das Kind wirklich braucht.

(von Detlef Träbert / erschienen in der familie&co 08/2016)

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