In einer „Peer Group" gelten eigene Regeln


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In einer „Peer Group“ gelten eigene Regeln

Je größer die Kinder werden, desto deutlicher bemerken wir Erwachsenen den Unterschied dieser eigenen Welten zu unserer - es gelten eigene Gesetze in solch einem Rudel von Jungspunden, der „peer group“. Sie ist der Schwerpunkt von Axel Schmidts Forschungen. Zwölf Jahre hat er in einem Jugendhaus gearbeitet, Gruppen und Cliquen wurden Thema seiner Doktorarbeit. „Natürlich bemerkt jeder Außenstehende: Dort geht es ja ganz anders zu - vielleicht ist das gefährlich?

Doch Kinder müssen selber lernen, sich in solch einer Gruppe zu behaupten. In der Regel können Eltern nicht sagen: „Da gehst du nicht mehr hin“ - man kann darüber reden, was da draußen passiert, stark machen, Situationen durchspielen. Was man aber mit so einer Gruppe zum Beispiel nicht machen kann, ist, selbst hineingehen und sagen: „He, da ist ein Außenseiter! Ändert das mal.“ Schon ist er noch mehr der Außenseiter! Eltern kennen Verhalten der Kinder am Besten Unsere Kinder haben viele Gesichter. Und niemand kennt mehr davon als wir und kann sie besser einschätzen. Das hilft auch, wenn sich mal Missverständnisse ergeben. Vor allem dann, wenn sie sich rasch ganz in Lustigkeit auflösen lassen. So hatte zum Beispiel die dreijährige Lucy beschlossen, dass es wohl am besten wäre, in ihrer neuen Musikschule in totale Versunkenheit zu verfallen, einen Punkt in der Luft zu betrachten und zu lauschen. Das kannte man so nicht - niemand. Überall sonst galt: Lucy sabbelt wie ein Wasserfall und tut nichts, ohne es zu kommentieren - in der Musikschule jedoch: totale Innerlichkeit.

Ihre Mutter Ute wunderte sich, das Personal fragte sich sorgenvoll: Ist die Kleine schwerhörig? Unbemerkt taubstumm? Leidet sie unter Mutismus? Autismus? Erzieherin Elif, und nur sie, hatte eine andere Theorie: alles nur ein Experiment, ein Spiel, die Suche nach der sicheren Brücke in die neue Welt. Also hat Elif alle anderen beiseitegeschickt, sich Lucy gegriffen, sie in eine Ecke mitgenommen, angezwinkert und ihr zugeflüstert: „Zieh dir mal die Schuhe an.“ Knack. Eis gebrochen. Lucy nahm die Schuhe und hob an zu einem ausschweifenden Vortrag. Sie hatte ja genug gespeichert, was es nun zu erzählen galt….