Interview mit Prof. Heinz-Hermann Krüger

Der Erziehungswissenschaftler Prof. Heinz-Hermann Krüger von der Uni Halle-Wittenberg untersucht Kinder und ihre Beziehung zu Gleichaltrigen. Wir haben ihn getroffen.


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Sind elterliche Befürchtungen, dass Freunde einen schlechten Einfluss haben könnten, berechtigt?

Prof. Heinz-Hermann Krüger: Je nach Schulform unterscheidet sich der Einfluss der Freunde. Auf Gymnasien wirkt er eher stabilisierend und leistungsförderlich, auf Hauptschulen kann die sogenannte Peergruppe Gewalt oder Leistungsunwillen zusätzlich unterstützen. Das sind aber nur Tendenzen. Und man sollte nicht vergessen: Peers sind nie die einzige Ursache für Gewalt oder destruktives Verhalten. Man muss das als Dreigestirn verstehen: Familie, Schule, Freunde. Probleme werden häufiger aus der Familie in die Schule und den Freundeskreis hineingetragen als umgekehrt.

Positiv ausgedrückt heißt das: Eltern, die ihren Kinder ein stabiles und liebesvolles Zuhause geben, müssen nicht befürchten, dass ihr Nachwuchs "Risiko-Freundschaften" eingeht?

Richtig. Eine leistungsstarke Gymnasiastin, die sich mit einem Drogenabhängigen anfreundet – so etwas ist eine absolute Ausnahme. Wir haben beobachtet: Gleich zu gleich gesellt sich gern. Kinder gehen Freundschaften mit Kindern ein, die aus einem ähnlichen Milieu kommen, die einen ähnlichen Bildungshintergrund und Lebensstil haben. Bevor Eltern sich zu große Sorgen machen, sollten sie an den positiven Einfluss denken, den Freunde viel häufiger haben. Sie sind Tröster, Unterstützer und helfen, die eigene Identität zu finden.

Ist die Schule ein großes Thema?


Zwei Mädchen gehen spazieren


© Thikstock
Eigentlich nicht. Bis zum Alter von 15 Jahren wird das Thema Schule vor allem in der Familie ausgehandelt. Unter Freunden gibt es zwar eine pragmatische Unterstützung beim "Schülerjob", zum Beispiel Hausaufgaben abschreiben und Hilfe bei Referaten. Aber das dient vor allem dazu, die Sache möglichst schnell hinter sich zu bringen, um sich den wirklich wichtigen Dingen zuwenden zu können.

Und was ist das?

Naja, das andere Geschlecht, Mode, Shoppen, Hamburger essen, Musik. Man muss hier aber zwischen formellen und informellen Peergruppen unterscheiden. Kinder haben heute wöchentlich bis zu vier organisierte Nachmittagsaktivitäten, wo sie Freunde in einem festen Rahmen treffen. Dort ist dann vor allem das gemeinsam ausgeübte Hobby Thema.Können Jungen und Mädchen befreundet sein?

Anscheinend nicht. Zumindest bis sie etwa 13 Jahre alt sind, bleiben Jungen und Mädchen am liebsten unter sich. Und ich war bei unseren Studien überrascht, fast etwas erschüttert, wie lebendig klassische Rollenvorstellungen immer noch sind. Die Mädchen unterhalten sich über Mode und kochen zusammen, die Jungs reden über Fußball.