Der Kampf um Kita-Plätze

Nichts ist in den ersten zwei Lebensjahren zermürbender als der Versuch, einen Platz in der Wunsch-Kita zu ergattern. Zu viele Eltern, zu wenig Plätze, zum Teil unklare Vergabe-Kriterien. In Leipzig zeigt sich momentan, wie prekär die Situation ist: vergangene Woche gab es hier einen Massenansturm auf eine Kita.


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Massenansturm auf Kita-Platz in Leipzig


Sage und schreibe 450 Mütter und Väter standen vergangene Woche vor einer Leipziger Kita Schlange, um ihren Sprössling dort anzumelden. Vor einer Kita, die man bislang noch nicht mal von innen anschauen kann. Die Einrichtung der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. ist noch im Bau und soll im Sommer mit 45 Kita- und 120 Kindergarten-Plätzen eröffnen.


Das Chaos war so groß, dass die Polizei für Ordnung sorgen musste. Die wartenden Eltern drohten mit ihren Kinderwägen und Bobbycars den Verkehr lahmzulegen. Trotz der endlosen Schlange und der stundenlange Ansteherei blieb die Situation aber friedlich und entspannt. Wer es bis zum Ende der zweistündigen Anmeldezeit nicht bis nach vorne geschafft hat (und das waren nicht wenige!), hatte leider erstmal Pech und muss sich jetzt mit der Aussicht begnügen, dass es kommende Woche einen weiteren Anmeldetermin geben wird.
Zu viele Kinder, zu wenige Plätze
Hintergrund des Kita-Ansturms: Leipzig kämpft mit dem Problem einer steigenden Geburtenzahl, gepaart mit einer großen Zahl von Familien, die zuziehen. Die Stadt kommt mit dem Bau von Kitas nicht mehr nach.

Mit dem Problem des Kitaplatz-Mangels steht Leipzig aber nicht alleine da. Trotz des mittlerweile geltenden Rechtsanspruches ist in den meisten Großstädten das Angebot der Nachfrage nach Betreuungsplätzen in keinster Weise gewachsen: München, Berlin, Bonn, Bremen, Mainz  – wohin man schaut, überall sind Betreuungsplätze für die Unterdreijährigen Mangelware. In ganz Deutschland fehlen noch immer rund 228.000 Betreuungsplätze.
Kampf um die Plätze auf der Warteliste
Die allermeisten Eltern (vor allem die ohne Freunde mit Kindern) starten ganz pragmatisch: Sie schauen sich die Kitas in der Nachbarschaft an und melden sich bei den sympathischsten Einrichtungen an. Dann warten sie einfach mal entspannt ab. Misstrauisch werden sie erst, wenn nach einem halben Jahr nicht die ersehnte Zusage im Briefkasten liegt, sondern lediglich die Bestätigung, dass das Kind inzwischen auf der Warteliste bei Platz 137 angelangt ist. Spätestens dann beginnen die Eltern nervös zu werden und sich umzuhören, wie andere es geschafft haben, einen Kita-Platz zu ergattern. "Wir haben zu Weihnachten selbstgebackene Plätzchen vorbei gebracht!" "Ich habe jeden Monat angerufen und nachgefragt." "Ich hab für die Kita ein Babybettchen gespendet". Diese Geständnisse zeigen: Eltern sind bereit Dinge zu tun, die sie eigentlich nie tun wollten. Alles nur um einen Kitaplatz zu bekommen.
Und alles nur, weil Mütter immer häufiger möglichst schnell an ihren Arbeitsplatz zurückkehren müssen, ohne das zweite Einkommen geht vor allem in Deutschlands Großstädten gar nichts. Bei städtischen Einrichtungen ist die Platzvergabe klar geregelt (Wartezeit / Arbeitszeiten der Eltern / Alleinerziehend / Geschwisterkinder / Härtefall), bei privaten Kitas sind die Auswahlkriterien nicht unbedingt objektiv und nachvollziehbar. Wer hier einen Platz ergattern will, hat nicht selten Mitbewerber, die mit harten Bandagen kämpfen. Die Waffen: süße Familienfotos, regelmäßige Briefe an die Kita-Leitung und bestechende Kuchen.

➤ Auch unsere Kollegin hat bei der Kitaplatz-Suche so ihre Erfahrungen gemacht...
Was Sie für die Kita-Anmeldung wissen sollten
➤ Auch wenn es makaber anmutet: Die Idee sein Kind kurz nach dem positiven Schwangerschaftstest in der Wunschkita anzumelden, ist gar nicht so verkehrt. Je früher Sie auf der Warteliste stehen, umso größer ist die Chance auf den Wunschplatz. Ausnahme sind inzwischen allerdings viele städtische Einrichtungen, die nicht mehr nach dem Zeitpunkt der Anmeldung, sondern nach dem Alter des Kindes entscheiden.

➤ Es gibt Gemeinden, die Mehrfachanmeldungen in verschiedenen Kitas erlauben, in anderen wiederum funktioniert das nicht, hier läuft alles über ein zentrales Anmelde-Verfahren.

➤ Bei der Vergabe der Plätze spielt die Geschlechterverteilung und die Altersstruktur eine Rolle. Daneben zählt die Zahl der Geschwisterkinder, die die Einrichtung besuchen, ob die Eltern getrennt sind, wie viele Stunden beide Eltern arbeiten und ob die Härtefall-Regelung greift.
Starttermin ist allermeist nach den Sommerferien. Denn dann brauchen die „Großen“ ihren Kita-Platz nicht mehr, sie wechseln in den Kindergarten und machen Platz für die Kleinen. Wenn unterm Jahr Familien wegziehen, werden die Plätze natürlich sofort nachbesetzt.

➤ Suchen Sie nicht nur in der Umgebung Ihres Wohnortes nach einem Krippenplatz. Vielleicht sind die Möglichkeiten im Viertel rund um Ihren Arbeitsplatz oder auch auf der Wegstrecke zur Arbeit besser.

➤ Besorgen Sie sich eine Arbeitsbescheinigung für beide Elternteile. Je mehr Stunden beide Elternteile arbeiten, umso höher sind teilweise die Chancen auf einen Betreuungsplatz.

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