Wenn Kinder malen: Vom Kritzel bis zum Kopffüßler

Wenn Kinder malen, entdecken sie die Welt. Darum ist schon das erste Gekritzel unserer Kleinen so wichtig. Diplom-Psychologe Michael Thiel gibt Tipps, wie Sie den Malspaß fördern können.


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zwei kliene Kinder malen


© iStock
Jedes Kind kann malen. Und jedes Kind sollte malen. Denn Malen ist so viel mehr als nur ein Mittel gegen Langeweile. Es fördert die motorischen Fähigkeiten, beflügelt die Vorstellungskraft und stärkt das Selbstbewusstsein. Kurz: Malen macht schlau. Und auch Eltern können von den Bildern ihrer Kinder noch einiges lernen.

Doch aller Anfang ist schwer. Die erste Hürde ist es, einen Stift zu halten. Zunächst halten Kinder die Stifte einfach in der Faust. Ihre Bewegungen führen sie mit dem ganzen Oberkörper aus. Bestärkt durch den Erfolg, dass sie auf dem Blatt Papier selbst etwas „geschaffen“ haben, entwickelt sich eine immer bessere Technik. Die Feinmotorik wird trainiert. Und aus den ersten Kritzeleien werden nach und nach wirklich erkennbare Formen und Gestalten. In der Pädagogik spricht man von den sogenannten Kopffüßlern: große Gesichter mit Armen und Beinen. Die meisten Kinder beginnen um den dritten Geburtstag diese ersten Menschenabbildungen zu zeichnen.

Kinder malen und lernen



KInder malen Kopffüßler

Kopffüßler als erste Menschenabbildung


© privat
Mancher mag sich jetzt fragen, warum die Kritzelphase (beginnt schon ab dem 12. Monat) verhältnismäßig lange anhält. Aber auch ein für uns so simples Mondgesicht ist für das Gehirn unserer Kinder eine Höchstleistung. Es setzt ein hohes Maß an Abstraktionsvermögen voraus. Kinder müssen erst lernen, dass aus den Elementen Punkt, Komma und Strich nur dann ein Gesicht entstehen kann, wenn sie richtig angeordnet werden. Das setzt voraus, dass sie wissen, was die Hauptmerkmale eines Gesichts sind: Augen, Nase und Mund.

„Je mehr ein Kind zeichnet, umso genauer wird es sich ein Bild von der Welt machen können,  die es umgibt. Malen und Zeichnen schärfen die Wahrnehmungsfähigkeit und das analytische Denken. Denn um etwas abzubilden, muss sich ein Kind diese Sache ja nicht nur genau anschauen, sondern auch analysieren, was die charakteristischen Merkmale sind und altersgemäß begreifen, wie es funktioniert.“, erklärt Diplom-Psychologe Michael Thielgegenüber STAEDTLER . Es ist daher nur logisch, dass parallel dazu auch die Sprachentwicklung des Kindes fortschreitet. Das Gemalte ist mit einer sprachlichen Bezeichnung verbunden. Und so entstehen im Gehirn immer neue Verknüpfungen. Thiel: „Zeichnen und Malen sind Trainingsfelder für das Gehirn. Je öfter ein Kind mit Stiften und mit Pinseln zeichnet und malt, umso mehr werden im Gehirn die Verknüpfungen zwischen Nervenzellen verstärkt.“

Verschiedene Studien behaupten daher, dass Kinder, die schon im Kindergartenalter gut malen konnten, auch in der Grundschule bei Intelligenztests besser abschneiden. Mit solchen Daten sollte man aber vorsichtig umgehen. Allerdings ist es Fakt, dass Malen viele verschiedene kognitive Fähigkeiten trainiert, die maßgeblich für unsere Intelligenz verantwortlich sind.


„Zeichnen und Malen sind Trainingsfelder für das Gehirn. Je öfter ein Kind mit Stiften und mit Pinseln zeichnet und malt, umso mehr werden im Gehirn die Verknüpfungen zwischen Nervenzellen verstärkt....”

von Michael Thiel

Viel wichtiger: Malen stärkt das Selbstvertrauen von Kindern enorm. „Durch das Gehirn-Training beim Malen und Zeichnen hat man das Gefühl, etwas im Leben und der Umgebung bewirken zu können, und die Angst vor kleineren Herausforderungen oder komplizierten Angelegenheiten verschwindet. Dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit macht das Leben für Kinder positiver und überschaubarer.“, bestätigt Thiel. Darum sind Kinder so stolz auf jedes ihrer Kunstwerke. Verstärken können Sie dieses positive Gefühl, indem Sie sich mit den Zeichnungen Ihrer Kinder aufmerksam auseinandersetzen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Zeichnungen. Ihr Interesse bestätigt Ihr Kind in seinem Schaffen. Die Frage „Erzählst du mir etwas über das Bild?“ halten Pädagogen dabei allerdings für besser als „Was hast du denn da gemalt?“. Bewertungen und Belehrungen haben beim Malen dagegen nichts verloren. Kinder dürfen auf dem Blatt Papier ihrer Phantasie freien Lauf lassen und machen das auch richtig gerne. Sie erforschen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Vorstellung und regen so ihre eigene Kreativität an. Und selbst wenn die darstellerischen Fähigkeiten noch ihre Grenzen haben, tut das dem kreativen Prozess keinen Abbruch.
Oft malen Kinder aber schlicht das, was sie täglich erleben. Sie drücken mit den Bildern aus, was sie beschäftigt. Daher kann man Kinderzeichnungen betrachten wie Tagebucheinträge. Sie sollten sich die Kunstwerke Ihrer Kinder also immer genauer anschauen. Sie können auf diesem Weg viel über Ihr Kind lernen. Aus diesem Grund rät Diplom-Psychologe Thile dazu, regelmäßig Eltern-Kind-Mal-Stunden zu veranstalten: „Wenn Eltern mit Kindern zusammen kreativ sind, vermitteln sie ihren Kindern, dass sie Spaß daran haben, mit ihnen zusammen zu sein – und dass man gemeinsam ganz tolle Sachen machen kann. Das wiederum stärkt die Eltern-Kind-Bindung, die für die psychische Entwicklung und psychische Gesundheit von Kindern extrem wichtig ist.“
5 Tipps: Malspaß fördern
So viele gute Gründe, öfter zu Farbe und Papier zu greifen. Aber was helfen die, wenn die Minis einfach keine Lust haben? Ist doch langweiliiiiiiiiiiiig. Natürlich sollen Sie Ihre Kinder nicht zum Malen zwingen. Aber oft helfen schon ein paar einfache Tricks, um den Künstler in jedem Kind aufzuwecken. Thiel gibt zum Beispiel diese fünf Tipps:

Früh übt sich
Lassen Sie schon die Kleinsten mit Farben herumexperimentieren. Spezielle Fingerfarbe für Babys eignet sich dafür besonders. Durch das Herumschmieren bekommen Babys ein Gefühl dafür, dass sie durch gezielte Bewegungen Spuren hinterlassen können. So kann schon früh die Begeisterung für das Malen geweckt werden.

Altersgerechte Utensilien
Es klingt simpel, aber gerade für kleine Kinder ist das wichtig. Gröbere Stifte lassen sich am Anfang leicht halten und so entsteht kein unnötiger Frust. Schnell werden Ihre Kleinen geschickter im Umgang mit den Stiften werden.

Genug Material auf Vorrat
Damit Kinder jederzeit die Möglichkeit haben, sich kreativ auszutoben, sollten Sie immer genügend Material zu Hause haben. Stifte, Farben und verschiedenes Papier gehören zur Grundausstattung.

Gutes Vorbild sein
Kinder lernen durch Beobachten. Das heißt, wenn auch Sie regelmäßig zu Stift und Zettel greifen um zum Beispiel etwas zu skizzieren, werden Ihre Kinder das Verhalten adaptieren.

Gemeinsam malen
Wecken Sie selbst wieder das Kind in sich und malen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind. Malen ist für Kinder keine Einzelbeschäftigung. Es lässt sich schön beobachten, dass Kinder dabei ständig im Austausch miteinander sind oder auch gemeinsam an einem Bild malen können. Werden Sie auch Teil davon und schaffen Sie gemeinsame Kreativ-Momente.
Das können Sie mit Kindern malen

Es klingt schon ein bisschen nach Übermutter, die im Alltag auch noch die Muse findet, extrem kreativ zu sein und gemeinsam mit den Kindern große Kunstwerke zu schaffen. Doch das brauchen Kinder gar nicht. Es geht um die Sache an sich und nicht darum, was am Ende dabei herauskommt. Als kleine kreative Anregung haben wir hier trotzdem ein paar Tipps gesammelt, was Sie mit Ihren Kindern malen könnt. Oder Sie schauen auf weltkindermaltag.de vorbei. Dort finden Sie weitere Tipps und schöne Malvorlagen.

* Mit freundlicher Unterstützung von STAEDTLER Mars GmbH & Co. KG



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