Vom Suchen und Finden eines Kita-Platzes

"Einen Kitaplatz zu finden, ist fast genauso schwierig wie den Jackpot im Lotto zu knacken!" Unsere Kollegin über die Suche nach einem Kita-Platz in München.


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Der steinige Weg zum Kita-Platz


Eigentlich wollten wir nur einen Kitaplatz für unseren Sohn. Am besten bei uns im Viertel. Gerne mit einem Garten und mit frisch gekochtem Essen. Konzept, Angebote der Frühforderung, extra Angebote am Nachmittag: Unwichtig. Unsere Suche begann bei der Kita um die Ecke, einer privaten Einrichtung. Drei Castingrunden hatten wir zu absolvieren. Zuerst ohne, dann mit Kind. Das Motto lautete hier nicht "Deutschland sucht den Superstar", sondern "Kita Spatzennest sucht die eierlegende Wollmilchsau, genannt die perfekten Eltern". Die Show: ähnlich großartig, einstudiert – und irgendwie entwürdigend. Auf kleinen Ministühlen sitzen die ungefähr zwanzig Möchtegern-Kita-Eltern im Kreis. Die Knie streifen fast die Ohren, so klein sind die Kinderstühlchen. Während wir schweigend da sitzen, uns vorsichtig und leicht misstrauisch mustern und auf die Kitaleitung warten, fällt mir auf: Die meisten der anwesendenMütter tragen an den Füßen die neueste Schuhmode – und nicht nur einfach „Schuhe“, so wie ich. Das kann ja lustig werden. Endlich, es geht los! Erst erfahren wir viel (für mich eindeutig zu viel!) über das Konzept der Kita. Und über den Tagesablauf. Alle Elternteile nicken in regelmäßigen Abständen enthusiastisch.
"Ich bin die Mama von..."

Dann kommt der Part, vor dem mir schon seit Tagen graut: Die Vorstellungsrunde. Erstaunlich, keiner hier scheint einen Vornamen zu besitzen. Alle heißen einfach nur "Mama von Mia-Maria" und "Papa von Pierre". Und alle strotzen vor Motivation, einen Zweitjob in der Kleinkind-Betreuung zu ergattern. "Mein Mann liebt es, Dinge zu reparieren!" "Ich kann total toll kochen und würde sehr gerne regelmäßig in der Küche mithelfen!" Alle haben unglaublich viiiiel Lust auf Rasen mähen, Bettzeug waschen, Gemüse schnippeln. Ich habe mir diese Lust-Frage noch gar nicht gestellt. Ich suche nach einer Betreuung für mein Kind, denn ich muss arbeiten. In meinem Erstjob, nicht unbezahlt in der Kita.

Dann die Frage einer mutigen Mutter ("Mama von Emma-Blue"), wie viele Plätze denn überhaupt zu vergeben sind. "Im Herbst werden zwei Plätze frei. Wir suchen aber nur Mädchen, die im März oder April geboren sind. Aber so genau kann man das noch nicht sagen. Noch ist nicht klar, wer in den Kindergarten wechselt. Und dann sind da ja auch noch die Geschwisterkinder. Und die Härtefälle. Und die Eltern, die schon seit zwei Jahren auf der Warteliste stehen". Nun gut. Mit meinem im Dezember geborenen Sohnemann, der keine getrennten Eltern, behinderten Geschwister und dazu noch eine Mama mit "nur" einem Halbtagsjob hat, wird das sicher nichts.
 
Nach und nach wird aus der Kitasuche ein Vollzeit-Job. Mit Excel-Liste, in der wir festhalten, was wir über die 22 Kitas in der näheren und vor allem weiteren Umgebung alles wissen, welchen Eindruck wir haben, wann wir uns wieder melden sollen, ob die Einrichtung persönliche Besuche wünscht etc. Eine frustrierende Angelegenheit, die viel Zeit und noch mehr Nerven kostet.
Ende gut - (fast) alles gut  
Die Zusammenfassung unserer siebenmonatigen Suche: Eines schönen Tages liegt die ersehnte Zusage für einen Kitaplatz tatsächlich im Briefkasten! Das Schöne daran: Unser Kind hat einen Platz in einer äußerst sympathischen Kita bekommen. Was mich dabei fast ein bisschen stolz macht: Dafür habe ich keinen einzigen Kuchen gebacken, keine Bestechungsversuche unternommen und keine Schleimspur hinterlassen. Leider ist die Kita aber am anderen Ende der Stadt und nur mit dem Auto zu erreichen. Das bedeutet für uns jeden Tag einen zeitfressenden Umweg durch die halbe Stadt. Und dabei habe ich irgendwie das dumpfe Gefühl, dass mir jeden Morgen auf dem Weg zu unserer Kita eine Mama entgegenkommt, die ihr Kind in genau die entgegengesetzte Richtung in die Krippe kutschiert…

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