Risiko Spielplatz: Kleinkinder sollten nicht auf dem Schoß der Eltern rutschen

Viele Mamas und Papas nehmen ihr Kleinkind beim Rutschen auf den Schoß, um es so besser beschützen zu können. Doch eine US-Untersuchung zeigt: Das Kind beim Rutschen auf den Schoß zu nehmen ist sogar kontraproduktiv. Eltern riskieren damit schwere Beinbrüche bei ihrem Nachwuchs.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden
Es klingt erst einmal paradox, ist aber tatsächlich so: Wenn Eltern ihren Kinder auf dem Spielplatz nicht auf Schritt und Tritt beistehen, sondern ihren Nachwuchs auch einfach mal selber machen lassen, senkt dies das Verletzungsrisiko des Kindes. US-Forscher haben dies herausgefunden und dabei eine konkrete Spielplatz-Situation unter die Lupe genommen: das Rutschen.

Rutschen

So lieber nicht! Lassen Sie Ihr Kind besser alleine die Rutsche runter rutschen


© iStock
Die Wissenschaftler werteten knapp 12.700 Rutsch-Unfälle von Kindern bis zum Alter von fünf Jahren aus. Das Ergebnis: „Die häufigsten Verletzungen bei Rutschunfällen von Kleinkindern sind Brüche der unteren Extremitäten. Die Hauptursache dafür ist, dass die Kinder auf dem Schoß einer anderen Person rutschen.“

Die Forscher um Charles Jennissen von der University of Iowa erklären in ihrem Bericht, dass diese Art von Brüchen – meist Schienbeinbrüche – am häufigsten entsteht, wenn Kinder mit ihrem Bein an einer Stelle der Rutsche hängenbleiben, der Schwung und das Gewicht des Erwachsenen sie aber weiterschiebt. Wenn Kinder dagegen alleine Rutschen, sind die auf das Bein einwirkenden Kräfte viel geringer – daher kommt es seltener zu Beinbrüchen. Jennissen erläutert: „Eltern haben oft keine Vorstellung davon, dass dieses Verhalten ihre Kinder ernsthaft verletzen könnte. Oft sagen sie, sie [hätten ihr Kind nie auf den Schoß genommen], wenn sie gewusst hätten, wie groß das Risiko für Verletzungen ist.“ Er rät allen Eltern, Kinder lieber alleine rutschen zu lassen, da das Verletzungsrisiko dabei um einiges geringer ist. Inke Ruhe, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder", rät Eltern, die Angst haben, dass sich ihr Kind verletzt, wenn es alleine rutscht, das Kind auf dem Bauch liegend und mit den Füßen zuerst rutschen zu lassen. Auf diese Weise landet das Kind sicher auf den Füßen – oder zumindest mit dem Hintern zuerst – auf dem Boden.

Lassen Sie das Smartphone in der Tasche


Auch österreichische Forscher haben sich dem Spielplatz als Forschungsobjekt angenommen und sind zu einem besorgniserregendem Ergebnis gekommen: Zwischen 2008 und 2015 hat sich die Zahl der Unfälle auf Spielplätzen bei Kindern unter fünf Jahren mehr als verdreifacht. Als Grund für den Anstieg nennt die Studie die zunehmende Smartphone-Nutzung und die dadurch resultierende Ablenkung der Eltern.

So sollen sich laut Beobachtungen neun von zehn Aufsichtspersonen nicht genug auf das Kind konzentrieren – und in knapp der Hälfte der Fälle war das Smartphone der Grund dafür. „Unfälle haben ein zentrales Merkmal: sie ereignen sich plötzlich und ohne Vorwarnung. Schon wenige Sekunden der Unachtsamkeit reichen aus, um einen drohenden Sturz von der Schaukel oder das Einklemmen von Fingern auf der Wippe nicht rechtzeitig erkennen zu können", meint Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. „Auch rasch ‚nebenbei' getippte Nachrichten reichen schon aus, um vom Geschehen am Spielplatz abgelenkt zu sein." Eltern, und Aufsichtspersonen im Allgemeinen, sollten das Smartphone also lieber öfter Mal in der Tasche lassen – das vermindert nicht nur das Unfallrisiko der Kinder, sondern ist auch für die Nerven von Mama und Papa mal ganz gut.

 Das könnte Sie interessieren: Was Babys und Kleinkinder im Sandkasten lernen

Babys und Kleinkinder profitieren davon, wenn sie schon früh mit Gleichaltrigen in Kontakt kommen. Was sie dabei lernen.



von Nicole Metz




mehr zum Thema
spielen
Artikel kommentieren
Login