Märchen und Kindergeschichten

Besser als ein Fahrrad (ab 4 Jahre)



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Mama schmiert Leberwurst auf Nikos Kindergartenbrot. Dabei mag er gar keine Leberwurst. "Ich will Salami!", fordert Niko. "Ich habe keine Salami", sagt Mama ungeduldig. "Du weißt genau, dass ich gestern keine Zeit zum Einkaufen hatte." Das ist ja gerade das Problem. Seit Susanna auf der Welt ist, kümmert Mama sich nur noch um das Baby. Für Niko hat sie gar keine Zeit mehr. Und Papa? Der fragt auch immer zuerst nach Susanna, wenn er von der Arbeit kommt. "Los, beeil dich!", sagt Mama. "Wir sind spät dran."

Klar, seit Susanna da ist, sind sie immer spät dran. Denn immer, wenn sie gerade wegwollen, macht Susanna die Windeln voll. Niko lässt das Leberwurstbrot auf dem Küchentisch liegen. Daran ist Mama selber schuld. Warum packt sie es nicht in Nikos Kindergartentasche, so wie früher? Auf dem ganzen Weg bis zum Kindergarten redet er kein einziges Wort. Aber Mama merkt gar nicht, dass Niko sauer ist. Sie schiebt den Kinderwagen und plappert mit Susanna. Dabei versteht die sowieso nichts, weil sie noch so klein und dumm ist.

Als Niko in den Kindergarten kommt, sitzt Annabell schon in der Puppenecke. Ihre Mutter muss kein Baby versorgen, und Annabell ist immer pünktlich. Sie hat sich schon die beste Puppe genommen. "Die darfst du aber nicht haben!", ruft sie ihm zur Begrüßung zu. Ph, Niko hat sowieso keine Lust auf die Puppenecke. Nachher beim Frühstück hat Niko nichts zu essen. Als Einziger! Annabell hat sogar zwei Salamibrote. Natürlich gibt sie Niko keins ab. Aber von Annabell hätte er sowieso nichts genommen. Lieber verhungert er!

Kleine Geschwistergeschichten Cover


© ellermann
Nach dem Frühstück dürfen alle raus. Leider setzt Annabell sich auf die Schaukel neben Niko. "Weißt du, was ich gestern bekommen habe?", fragt sie triumphierend. "Ein Fahrrad!" Jetzt muss Niko auch was sagen. Unbedingt. Sonst hat er ganz verloren. "Ich ... also, ich habe eine kleine Schwester!" Annabell ist still. Aber nicht lange. Dann ruft sie: "Ha, ha! Kleine Schwestern sind voll doof!" Mist! Wer hätte gedacht, dass Annabell sich mit kleinen Schwestern so gut auskennt! Da hätte Niko wirklich besser den Mund gehalten.

Endlich ist der blöde Vormittag vorbei. Niko trottet hinter den anderen her zur Garderobe. Er hat es nicht eilig. Mama kommt in letzter Zeit sowieso meistens zu spät. Annabells Mutter ist natürlich schon da. Aber Annabell zieht trotzdem ein böses Gesicht. Warum wohl? Niko drückt sich zwischen die Jacken und lauscht. "Alle haben eine kleine Schwester!", beschwert Annabell sich gerade. "Ich will auch eine!" "Aber Annabell!", beschwichtigt ihre Mutter. "Das ist nicht so einfach." "Ich will aber!", schreit Annabell und stampft mit dem Fuß auf. Jetzt heult sie sogar.

Plötzlich merkt Niko, wie lieb er Susanna hat. Ihm wird im Bauch ganz warm davon. Fröhlich läuft er nach draußen. Mama ist ausnahmsweise mal nicht zu spät. Sie wartet schon vor dem Kindergarten. Ohne Kinderwagen. "Wo ist Susanna?", fragt Niko erschrocken. "Bei Oma", erklärt Mama. "Damit wir mal was zusammen unternehmen können. Nur wir beide." "Aber wir kriegen Susanna doch wieder?", fragt Niko besorgt. "Natürlich!", versichert Mama.

Dann ist es ja gut. Eine kleine Schwester ist nämlich gar nicht doof. Besonders, wenn Annabell keine hat. Dann ist eine kleine Schwester sogar besser als ein Fahrrad.


➤ Kategorie: Gute-Nacht-Geschichten

➤ Text von Frauke Nahrgang aus dem Buch "Kleine Geschwister-Geschichten zum Vorlesen", www.ellermann.de

➤ Hier können Sie die Geschichte kostenlos downloaden: Besser als ein Fahrrad


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