Märchen und Kindergeschichten

Besuch von Pia (ab 6 Jahre)


»Du hast ein Pony, das du nicht reiten kannst?« Pia kichert und schlüpft in ihren Schlafanzug. »Das ist ja wie ein Fahrrad ohne Räder.«

Nina seufzt. Ich wusste es, denkt sie missmutig. Pia ist doof. Pia ist Ninas Cousine. Sie ist übers  Wochenende zu Besuch und schläft mit in Ninas Zimmer. »Zwei Tage wirst du es schon mit ihr aushalten«, hat Mama gesagt. Nina ist sich da nicht so sicher. Pia hält sich nämlich für die beste Reiterin auf der ganzen Welt. »Zauberfee ist etwas ganz Besonderes«, sagt Nina. »Aber einen Preis hat sie noch nie gewonnen, oder?« Pia greift in ihren Koffer, zieht eine glänzende Medaille an einem bunten Band hervor und hält sie Nina unter die Nase. 1. Platz steht in dicken Buchstaben darauf. »Guck mal. Die habe ich vorletzte Woche mit meinem Pony Tausendschön auf dem Dressurturnier gewonnen.« »Wie toll!« Nina grinst schief. Medaillen interessieren sie nicht. Schon gar nicht solche, mit denen Pia nur angeben will. Wenn Pia wüsste, dass Zauberfee in Wirklichkeit ein Pegasus ist, der fliegen und sprechen kann, der die Sprache aller Tiere versteht und am liebsten Pfefferminzbonbons isst, dann würde sie sicher nicht so mit ihrem Pony angeben. Aber Nina denkt gar nicht daran, Pia Zauberfees Geheimnis zu verraten. Das kennen nur Max und Sara. Deshalb murmelt sie nur noch »Gute Nacht«, zieht die Decke über ihren Kopf und schließt die Augen.


Besuch von Pia (Silke Voigt/ellerman)


© Silke Voigt/ellerman

Mitten in der Nacht wacht Nina auf. Etwas hat sie geweckt. Sie blickt sich um und erschrickt. Pia steht im Mondlicht am Fenster und schaut mit großen Augen zur Ponyweide hinüber. »Das ist schön«, murmelt sie immer wieder. »Das ist so schön!« Mit einem Satz springt Nina aus dem Bett und eilt zum Fenster. Oh nein, draußen auf der Wiese spielt Pony Zauberfee mit ein paar Fledermäusen Fangen. Sie galoppiert ausgelassen mal hierhin, mal dahin, dann fliegt sie eine Runde um die Wiese und landet geschickt wieder vor dem Stall. Im Mondlicht sind ihre Flügel gut zu sehen. Sie schimmern wie feines Silber. »Dein Pony kann ja fliegen«, flüstert Pia verzückt. »Ich weiß«, murmelt Nina unglücklich. Pia hat Zauberfees Geheimnis entdeckt, und morgen wird sie es sicher jedem erzählen. Da ist Nina sich ganz sicher. Plötzlich schiebt sich eine Wolke vor den Mond. Mit dem Mondlicht verschwinden auch Zauberfees Flügel. »Oh, wie schade«, sagt Pia leise. Dann dreht sie sich um und geht zurück in ihr Bett. Nina tut es ihr gleich, aber an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Sie will nicht, dass Pia Zauberfees Geheimnis verrät.

»Nina! Wach auf!« Jemand rüttelt an ihrer Schulter. Nina schlägt die Augen auf. Im Zimmer ist es taghell. Pia sitzt mit hochroten Wangen auf der Bettkante. »Ich muss dir unbedingt etwas erzählen.« Sofort ist Nina hellwach. »Ich dir auch«, murmelt sie hilflos. »Weißt du, das ist nämlich so …« Aber Pia lässt Nina gar nicht ausreden. »Erst ich«, sagt sie bestimmt. »Ich hatte heute Nacht einen tollen Traum von deinem Pony. Es hatte Flügel und …« Ein Traum! Nina ist so erleichtert, dass sie Pia gar nicht mehr richtig zuhört. Pia glaubt, dass sie  Zauberfees Flug über die Wiese nur geträumt hat! Zauberfees Geheimnis ist gewahrt. Welch ein Glück!

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➤ Kategorie: Gute-Nacht-Geschichten

➤ Text von Sabine Streufert/Illustrationen von Silke Voigt aus dem Buch "Abenteuergeschichten mit Pony Zauberfee", ellermann im Dressler Verlag

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