Märchen und Kindergeschichten

Das Christkind muss ins Krankenhaus



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Eigentlich sollte Ben schon längst schlafen, aber das geht wirklich nicht. Denn nebenan im Zimmer raschelt es so geheimnisvoll. Jetzt wird Papier geschnitten, das hört Ben ganz genau. Nun huscht er aus dem Bett und öffnet die Tür zum Nebenzimmer. Mama zuckt zusammen. "Aber Ben", sagt sie und schiebt schnell etwas unters Bett. "Komm, ich bring dich ins Bett, wo du hingehörst." Sie kuschelt die Bettdecke für Ben zurecht und will wieder hinausgehen. Aber Ben fasst schnell nach ihrer Hand. "Warte noch, Mama , bitte! Ich muss dich was fragen, sonst kann ich nicht einschlafen." Da legt sie sich neben Ben, es ist ganz ruhig, beide hören nur ihren Atem. Ben fragt leise: "Mama, weißt du, wie das Christkind auf die Erde kommt?" Seine Mama flüstert: "Hhhm, also, ich glaube, das Christkind sitzt auf einer Wolke ... " - "Genau!", ruft Ben. "

Da oben baumelt es mit seinen Beinen und schaut zur Erde hinunter. Seine Rentiere sind auf einer anderen Wolke. Und immer, wenn es Heiligabend ist, fliegt das Christkind zur Erde hinab. Dann landet es in Tannenbäumen, die ganz dicht zusammenstehen. Die fangen das Christkind mit ihren Ästen auf, darauf wippt es ganz lustig. Aber irgendwann macht es knacks und dann rutscht es von Ast zu Ast nach unten." Aufgeregt erklärt Ben: "Mama, das ist aber nicht immer so! Wenn es richtig schnell gehen muss, springt das Christkind mit seinem Fallschinn herunter. Und all seine Rentiere haben auch Fallschirme. Sie landen auf einer einsamen großen Wiese, laden die ganzen Geschenke in den Schlitten und dann fahren sie los." Ben ist noch lange nicht fertig: "Ein anderes Mal, Mama, hat das Christkind ganz viele Seile durcheinander geknotet. So viele, dass sie bis auf die Erdereichen! Daran hat es sich herabgehangelt!"

Ein Lächeln huscht über Bens Gesicht. "Wusstest du schon, Mama, dass das Christkind auch die Feuerwehr sooooo toll findet? Darum hat es sich eine lange Stange gebaut, wie sie Feuerwehrleute in ihrem Feuerwehrhaushaben! Einmal, als es um 24. Dezember dunkel wurde,sauste das Christkind an der Stange zur Erde hinab. Es sauste so schnell wie ein Blitz, schneller als du gucken kannst!" "Bestimmt wer es unglaublich schnell", flüstert Bens Mama. Der nickt und hebt den Finger. "Aber unterwegs ist es dann passiert! Das Christkind verlor den Halt, stürzte ab und fiiiiiiiiiiel und fiiiiiiiiiiiiiiel und fiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiel auf die Erde herab. Es landete - holterdipolter - auf seinen Rentieren, denn die wollten von einer Feuerwehrstange nichts wissen und waren schon vorgeflogen." Seine Mama überlegt. "Stimmt, ja, jetzt fällt es mir wieder ein. Nach diesem Sturz taten dem Christkind der rechte Arm und das rechte Bein schrecklich weh. Furchtbar blass war es und ihm zitterten die Knie." Jetzt ist es Ben, der gespannt fragt: "Und was ist dann passiert, Mama?!"
So erzählt nun Mama weiter: "Zum Glück landete das Christkind vor einer Feuerwehrwache. Drinnen saß der Oberbrandmeister, sah zum Fenster hinaus und rief ,Seh ich oder träum ich?!' Dann ist er schnell in die kalte Nacht hinausgelaufen, hat das Christkind mit seinen starken Feuerwehrmannarmen aufgehoben, es in eine warme Decke qehüllt und mit Ta-tü-ta-ta zum nächsten Krankenhaus gefahren! Dort bekam das Christkind ein Gipsbein und einen dicken Verband um den wehen Arm.

Dann fuhr der Oberbrandmeister es - ohne Ta-tü-ta-ta zur Feuerwache zurück. Hinter den Feuerwehrautos, gut versteckt, warteten schon die Rentiere ... Und auf dem Schlitten lagen die vielen Geschenke, die alle noch an diesem Abend verteilt werden mussten." Ben richtet sich auf und sagt besorgt: "Erzähl schnell, Mama, wie die Geschenke zu allen Kindern gekommen sind! "

Die Mutter streicht Ben Übers Haar und erzählt leise weiter: "Der Oberbrandmeister hat sofort eine eilige E-Mail an alle Eltern geschrieben: "Liebe Eltern, bitte holt die Geschenke für eure Kinder in der Feuerwache ab! Das Christkind hatte einen Unfall.'" Ben atmet auf. Er kuschelt sich an seine Mama und erzählt mit müder Stimme: "Alle Eltern haben diese eilige E-Mail gelesen - weil Eltern sowieso oft vor ihren Computern sitzen und kamen schnell zur Feuerwache." Ben muss gähnen. ,,]etzt weißt du, Mama, warum ihr Eltern dem Christkind immer ein bisschen helfen müsst"; murmelt er. Seine Mutter deckt ihn zu, küsst ihn auf die Wange und flüstert: "Ach, mein Kleiner, du hast ja so Recht." Aber das hört Ben nicht mehr, denn er ist schon eingeschlafen.

➤ Kategorie: Weihnachtsgeschichten

➤ Entnommen aus " Wir warten auf`s Christkind - Vorlesegeschichten und Gedichte" von Annette Langen und Maria Wissmann (Erschienen bei Coppenrath).


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