Märchen und Kindergeschichten

Der süße Brei (4-10 Jahre)


Es war einmal ein armes, frommes Mädchen, das lebte mit seiner Mutter allein, und sie hatten nichts mehr zu essen. Da ging das Kind hinaus in den Wald, und da begegnete ihm eine alte Frau, die erkannte seinen Jammer schon und schenkte ihm ein Töpfchen. Zu dem sollte es sagen: „Töpfchen, koche!“ Dann kochte es guten, süßen Hirsebrei, und wenn es sagte: „Töpfchen, steh!“ so hörte es wieder auf zu kochen. Das Mädchen brachte den Topf seiner Mutter heim, und nun waren sie ihrer Armut und ihres Hungers ledig und aßen süßen Brei, so oft sie wollten. 

Einmal geschah es, dass das Mädchen ausgegangen war, da sprach die Mutter: „Töpfchen, koche!“ Da kocht es, und sie isst sich satt; nun will sie, dass das Töpfchen wieder aufhören soll, aber sie weiß das Wort nicht. Also kocht es weiter, und der Brei steigt über den Rand hinaus und kocht immerzu, die Küche und das ganze Haus voll und das zweite Haus und dann die Straße, als wollte es die ganze Welt satt machen. Es ist eine große Not, aber kein Mensch weiß sich zu helfen. Endlich, als nur noch ein einziges Haus übrig ist, da kommt das Kind heim und spricht nur: „Töpfchen, steh!“ Da steht es und hört auf zu kochen, und wer wieder in die Stadt wollte, der musste sich durchessen.


➤ Kategorie: Grimms Märchen

➤ entnommen aus: Kinder und Hausmärchen. Gesammelt durch die Brüder Grimm.Verlegt bei Eugen Diederichs. Jena 1912.

➤ angepasst an die zeitgemäße deutsche Sprache


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