Märchen und Kindergeschichten

Die Heinzelbären wissen Rat (4-5 Jahre)


„Was machst du da, kleiner Bär?“, fragt der Mond.
„Ich male die Heinzelbären für dich auf“, sagt der kleine Bär. „Heinzelbären?“, wundert sich der Mond. „Die gibt es doch gar nicht. Ich habe noch nie einen gesehen.“ 
„Sie sind ja auch unsichtbar“, brummelt der kleine Bär, „aber für mich machen sie sich manchmal sichtbar.“
„Dann zeig doch mal, wie sie aussehen“, sagt der Mond und der kleine Bär hält für ihn seine Zeichnung hoch. 
„So!“, sagt er. „Sie sind blau und durchsichtig und der erste heißt Freddi und einer Peter und dann noch einer Polli, das ist ein Mädchen.“
„Aber da sind ja noch zwei auf deinem Bild. Wie heißen die?“
Der kleine Bär guckt sich das Bild selber noch mal an. „Kleiner Bär“, sagt er, „der eine heißt kleiner Bär, der andere ganz kleiner Bär, weil er so klein ist.“
„Mmmh“, sagt der Mond, „das habe ich schon gesehen. Aber erzähl doch mal, wo du die Heinzelbären getroffen hast und was sie so machen.“
„Gestern“, ruft der kleine Bär, „soll ich dir erzählen, was sie gestern gemacht haben?“

„Klar“, sagt der Mond, „ich höre dir zu.“
„Also“, sagt der kleine Bär, „gestern haben sie dem Frosch geholfen und dem Jäger Hüttemann einen Streich gespielt. Der Frosch hatte sich nämlich ein Schiff gebaut und damit wollte er aufs weite Meer hinaussegeln, wie sein Onkel Hans, der ein großer Seefahrer war und ein Eroberer. Das Schiff war wunderschön geworden, der Frosch hatte es rot angestrichen und es hatte ein Ruder und zwei Segel. Und weil es eine lange Fahrt werden sollte, hat der Frosch alle Freunde noch mal zu einem Abschiedsessen eingeladen. Alle durften was von dem Proviant probieren, den er für die Reise gesammelt hatte, und sie durften sich sogar ans Ruder setzten und die Segel hissen. Der Frosch hat auch ein Bild von seinem Onkel Hans gezeigt und alle haben sie sich gewundert, wie ähnlich der Frosch ihm sieht.
Dann hat er die alten Geschichten von seinem Onkel erzählt und keiner hat daran gedacht, dass die Segel ja noch hochgezogen waren an dem Schiff und dass es viel zu leicht war, ohne Proviant und ohne den Frosch. Ein Windstoß ist gekommen und hat es über die ganze Wiese gepustet.“

„Oje“, seufzt der Mond, „da mussten sie aber schnell hinterherlaufen.“ „Haben sie ja auch gemacht“, sagt der kleine Bär, „aber immer dann, wenn sie es fast anfassen konnten, ist ein neuer Windstoß gekommen und hat es wieder ein Stück weiter gepustet und dann ist es passiert.“ Der kleine Bär holt noch mal tief Luft: „Dann hat der Wind es genau vor seine Füße gepustet.“
„Füße, was für Füße denn?“, ruft der Mond. 

„Na, die vom Jäger Hüttemann“, sagt der kleine Bär, „der hat es hochgehoben und sich gefreut. ‚So ein nettes Schiffchen aber auch’, hat er gesagt, ‚da werden sich meine Enkelkinderchen aber freuen, das nehm ich doch glatt mit.’“
„Ist er wirklich mit dem Schiff weggegangen?“, fragt der Mond. 
„Ja, ja“, sagt der kleine Bär, „und der Frosch hat sogar geweint, so traurig war er.“
„Das kann ich mir vorstellen“, sagt der Mond, „aber was ist denn nun mit deinen Heinzelbären?“ 

„Die kommen doch jetzt“, sagt der kleine Bär, „der kleine Zaunkönig, der auch bei der Abschiedsfeier dabei war, hat ihnen Bescheid gesagt. Nämlich, dass der Frosch furchtbar traurig ist, weil der Wind sein Schiff weggepustet hat, und dass es jetzt der Jäger Hüttemann hat, der es wohl nie wieder hergeben wird.
,Na warte’, haben die Heinzelbären gesagt, Freddi hat sich den Hut ins Gesicht gezogen, damit der Wind ihn nicht wegpusten kann, und dann sind sie hintenherum über den Hügel geschlichen und haben dem Jäger den Weg abgeschnitten.

„Haben sie ´s ihm weggenommen?“, fragt der Mond ganz aufgeregt. „So einfach war das natürlich nicht“, sagt der kleine Bär, „weil der Jäger das Schiff ja in der Hand hatte. Da mussten die Heinzelbären erst mal einen Trick finden, wie er es wieder loslässt. Peter und Polli hatten die Idee und der Trick ging so: Freddi war unten, Peter hat er sich auf seine Schultern gesetzt, Polli auf Peters Schultern, dann kamen noch der kleine Bär und der ganz kleine Bär. Zusammen waren sie genau so groß, dass der kleine Bär, der oben saß, mit seinem Blasrohr unter den Hut des Jägers blasen konnte. Der Hut tanzte ein bisschen auf Hüttemanns Kopf herum. Er dachte an den Wind und wollte ihn festhalten, aber dafür musste er natürlich das Schiff loslassen. Dann hat der kleine Bär noch ein bisschen stärker gepustet und schon rollte der Hut über die Wiese, wie vorher das Segelschiff.“
„Und der Jäger ist natürlich hinter dem Hut hergelaufen und hat das Schiff einfach liegen lassen“, lacht der Mond, „stimmt ´s?“

„Stimmt“, lacht jetzt auch der kleine Bär, „er ist gelaufen und gelaufen und der ganz kleine Bär ist schnell von den anderen heruntergesprungen und mit seinem Blasrohr vor Jäger Hüttemann hergelaufen. Immer wenn der Jäger fast den Hut anfassen konnte, hat er wieder gepustet und der Hut ist ein Stück weiter gerollt.“
„Dann konnte der Frosch ja doch noch mit dem Schiff aufs große Meer fahren?“, sagt der Mond. 

„Hat er aber nicht gemacht“, sagt der kleine Bär. „Alle zusammen haben das Schiff wieder zurückgebracht und dann haben sie zusammen noch den Rest von dem Proviant aufgegessen und der Frosch hat den Heinzelbären auch das Bild von dem Onkel gezeigt und die alten Geschichten erzählt. Und dann hat er gesagt, dass er noch ein neues Schiff bauen will, eins das der Wind nicht so schnell wegpusten kann. Und dass es eine neue Abschiedsfeier gibt und dass alle herzlich eingeladen sind.“

 
➤ Kategorie: Gute-Nacht-Geschichten

➤ entnommen aus Träum schön, Kleiner Mondbär,  ISBN-13: 9783815727065,  Coppenrath Verlag


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