Märchen und Kindergeschichten

Lied der Meerjungfrauen, das (ab 5 Jahre)


Peggy kann nicht einschlafen. Sie liegt mit offenen Augen im Bett und guckt auf die Leuchtsterne, die ihr Papa für sie an die Zimmerdecke geklebt hat. »Wollen wir Piratenschiff in Seenot spielen?«, fragt sie ihren Hund Klabauter. Der liegt in seinem Körbchen neben dem Bett und schläft schon fast. Besonders wild auf Spielen scheint er gerade jedenfalls nicht zu sein. Aber als Peggy plötzlich aus dem Bett springt und zum Fenster rennt, ist er hellwach. »Komm her, Klabauter, ich habe was gehört«, flüstert Peggy ihm zu. Klabauter stellt seine Vorderpfoten neben Peggy auf die Fensterbank. Peggy öffnet das Fenster. Es ist schneidend kalt. Der Wind pfeift nur so ums Haus und fährt Peggy direkt unter ihren Piratenschlafanzug. Schaudernd kuschelt sich Peggy an Klabauter. Da ist es ihr nicht mehr ganz so kalt. »Hörst du das auch?« Klabauter antwortet nicht, aber Peggy sieht, dass er die Ohren spitzt. Vom Meer klingen komische Geräusche herüber. Fast wie Gesang. Peggy steht auf und holt ihr Fernglas. Sie sucht den ganzen Horizont damit ab, aber sie kann nichts entdecken, nur die Lichter der Nachbarinsel leuchten in der Ferne. Trotzdem hört Peggy weiter den Gesang. Schön klingt er. Und ein bisschen traurig.


Illustration Das Lied der Meerjungfrauen


© Julia Gerigk/ellerman
Peggy überlegt. Dann lächelt sie. »Klabauter, ich glaube, das sind Meerjungfrauen! Im Winter wird unter Wasser so dunkel, dass sie öfter an die Meeresoberfläche kommen, um das Funkeln der Sterne zu sehen«, erklärt Peggy ihrem Hund. Sie legt den Arm um Klabauter und lauscht dem Gesang. Dabei stellt sie sich vor, wie es wohl wäre, eine echte Meerjungfrau zu sein. Dann könnte sie Seemänner vor dem Ertrinken retten! Peggy ist so in ihre Gedanken versunken, dass sie erst merkt, wie kalt es ist, als ihre Mama ins Zimmer kommt. »Peggy, bist du denn völlig verrückt geworden? Es ist doch viel zu kalt, um im Schlafanzug am offenen Fenster zu sitzen!«, ruft Loretta. »Quallensalat«, murmelt Peggy, aber ihre Mama duldet keinen Widerspruch. Peggy wird zurück ins Bett verfrachtet. Dann holt Loretta aus der Küche zwei Wärmlaschen, und das ist auch gut, denn mittlerweile hat Peggy ganz schön angefangen zu zittern. »Was wolltest du denn am Fenster?«, fragt Peggys Mama, als sie bei Peggy auf der Bettkante sitzt. »Die Meerjungfrauen singen heute«, antwortet Peggy etwas zaghaft. »Ach, Peggy!« Ihre Mama lacht. »Auf der Nachbarinsel ist heute eine Feier. Das ist nur die Partymusik, die zu uns herüberklingt.« Peggy sagt nichts. Ihre Mama hat einfach kein Gefühl für Abenteuer. Aber bei sich denkt Peggy: Bei meiner Piratenseele, da waren doch Meerjungfrauen. Es dauert lange, bis Peggy eingeschlafen ist. Zum Teil liegt das an ihren eiskalten Füßen. Zum Teil aber auch daran, dass sie immer weiter an die Meerjungfrauen denken muss. Auch beim Aufwachen am nächsten Morgen gilt ihr erster Gedanke dem Gesang, den sie in der Nacht gehört hat. »Wenn das nur Partymusik war, dann soll mich der Haiisch holen«, flüstert Peggy Klabauter zu. Der wedelt mit dem Schwanz, und Peggy muss grinsen. »Klar zum Auslaufen, wir fahren zum Strand!«, ruft sie ihrem Hund zu. Schnell schlüpft sie in ihre Anziehsachen und schleicht zur Tür hinaus. Vielleicht ist es besser, wenn ihre Mama gar nicht merkt, dass Peggy noch weiter an die Meerjungfrauen denkt. Es ist noch dämmrig und ganz still, denn es ist Ebbe, und da ist das Meer vom Strand so weit weg, dass es manchmal kaum zu hören ist.Die Insel schläft noch. Die Meerjungfrauen allerdings auch. Peggy kann ihren Gesang nicht mehr hören. Traurig geht sie ein wenig den Strand entlang, während Klabauter wild herumtobt. Er liebt Strandspaziergänge am Morgen. Auf einmal fängt er an zu bellen und gibt erst Ruhe, als Peggy bei ihm angekommen ist. Erwartungsvoll guckt er Peggy an. Sie gibt ihm ein Leckerchen, denn Klabauter hat wirklich einen tollen Fund gemacht. Da liegt eine wunderschöne Muschel. Keine von denen, die sonst hier am Strand zu finden sind, sondern eine große und glänzende. So eine wäre genau richtig, um als Haarschmuck im Haar einer Meerjungfrau zu stecken. Vorsichtig hebt Peggy sie auf und dreht sie in ihrer Hand. »Jetzt braucht mich der Haiisch nicht mehr holen«, sagt sie zufrieden zu Klabauter. »Wusste ich doch, dass das Meerjungfrauen waren. Und jetzt ab nach Hause. Ich habe piratenmäßig Hunger!«   

➤ Kategorie: Gute-Nacht-Geschichten

➤ Text Maren von Saskia Geisler/Illustrationen von Julia Gerigk aus dem Buch "Peggy Diggledey - Hey ho, was für ein Piratenwinter", ellermann im Dressler Verlag

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➤ Hier können Sie die Geschichte kostenlos downloaden: Das Lied der Meerjungfrauen

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