Märchen und Kindergeschichten

Weiße Weihnachten


Bald ist Weihnachten, sehr bald. Die Engel Lukas und Elias haben es eilig. Sie sind nämlich auf dem Weg zum Christkind. Doch als sie ankommen, bemerkt das Christkind sie gar nicht. Es sitzt an seinem Schreibtisch und denkt nach. Elias räuspert sich. Aber das Christkind denkt weiter nach und jetzt trommelt es mit den Fingern auf den Tisch. "Wieder so was Schwieriges", sagt das Christkind plötzlich und wedelt mit einem Stück Papier. "Wie?“,  fragt Elias. Das Christkind seufzt: "Hört euch an, was hier steht:

„Liebes Christkind,
ich wünsche mir von dir Schnee zu Weihnachten. Mein Papa hat in der Zeitung gelesen, dass es dieses Jahr zu Weihnachten nicht schneien wird, aber das wäre schlimm. Ich will doch mit meinem Schlitten fahren und mit meiner Schwester Sara einen Schneemann bauen! Mehr wünsche ich mir nicht.
Dein Robert“


,,O wei", sagt der Engel Lukas. Elias zupft sich am Kinn: "Wie soll das nur gehen?" ,,]a, seht ihr", nickt das Christkind, "das frag ich mich auch. Kommt!" "Wohin denn?", fragt Elias. "Wir fragen Petrus", antwortet das Christkind. Petrus, der gerade den Himmelsschlüssel mir dem Ärmel seines Gewandes poliert, Überlegt einen Moment: "Stimmt, dieses Jahr ist an Weihnachten kein Schnee vorgesehen. " "Gar nichts zu machen?", fragt das Christkind. "Nein", sagt Petrus streng, "ich kann da nichts für euch tun." "Also kehren wir um"; meint Lukas. "Hm." Das Christkind schüttelt den Kopf ,,Jetzt gehen wir zum Schneekönig." Es wird ein langer, anstrengender Marsch. Merkwürdig, je weiter sie vorankommen, desto wärmer wird der Wind, der dem Christkind und den Engeln ins Gesicht bläst. Nicht leicht dagegen anzukommen!

Aber dann sind sie da. Sie stehen vor einem großen schimmernden kristallenen Schloss. Auf den Stufen der Treppe,  die zum Schlosstor hinaufführt, sitzt eine merkwürdig aussehende Frau. „Wir brauchen Schnee“, sagt das Christkind, „und zwar zu Weihnachten.“ „Was genau?“. Will die Frau wissen. „Pulverschnee,  Griselschnee,  Eisschnee?“„Pulverschnee“, sagt das Christkind. „Dacht ich mir“, sagt die Frau. „Hast du mit dem Schnee zu tun?“, fragt Elias. „Nicht direkt. Ich bin die Regenfrau. Aber kommt mal mit.“ Sie gehen durch viele Zimmer und Säle und gelangen endlich vor einen Trohn, auf dem der Schneekönig sitzt. Der legt die Fingerspitzen aneinander und wackelt mit dem Kopf. „Zu Weihnachten Schnee? Das war nicht so besprochen. Außerdem, das ist schwierig jetzt, sehr schwierig. Weihnachten ist ja schon in drei Tagen!“ „Aber der kleine Robert hat sich doch zu Weihnachten Schnee gewünscht!“, sagt das Christkind.

Da tritt der Engel Elias vor und flüstert dem Schneekönig ins Ohr: „Es ist das Christkind, das dich bittet!“ Da wird der Schneekönig ein bisschen rot. Verlegen zupft er seinen langen Bart. Plötzlich beugt er sich vor. „Also gut, ich will es versuchen... Nun, es könnt ein wenig dauern, es könnte viel zu spät schneien, erst am Tag nach Weihnachten vielleicht...“ Aber das Christkind lächelt nur. Vor dem  Schloss, beim Weggehen, dreht sich Elias noch einmal um. Der Schneekönig hat sich etwas Wärmeres angezogen und er und die Regenfrau sind gerade dabei, die riesigen Fenster des Schlosses zu öffnen.

Drei Tage später gibt es noch jemanden, der wie vorher das Christkind mit seinen Fingern auf den Tisch trommelt. Und das ist Robert. „Es ist Weihnachten,  gleich ist Bescherung“, flüstert er. „Und es schneit nicht! Da hab ich mir wirklich das Falsche gewünscht und bekomme gar nichts!“ „Irgendein Geschenk wirst du schon bekommen“, tröstet ihn Sara. Da hören sie es, ganz fein: Unten bimmelt das Weihnachtsglöckchen. Robert will gerade die Treppe hinunterlaufen, da ruft Sara: „Robert, komm! Zum Fenster!“ Robert reist das Fenster auf und nun sieht er es, fühlt er es, tupf, tupf, tupf,  Schneeflocken! Erst wenige, dann mehr und immer mehr und immer mehr. Ungeduldig bimmelt das Weihnachtsglöckchen. „Das ist ja ein richtiger kleiner Schneesturm!“, lacht Robert und seine Augen leuchten, während er zur Treppe läuft. Und dann singt die Familie die schönen alten Weihnachtslieder, die man bin in den Garten hören kann – bis dahin, wo es schneit.

➤ Kategorie: Weihnachtsgeschichten

➤ entnommen aus "Vorlesegeschichten vom Christkind" von Astrid Mola und Gabriele Dal Lago (Erschienen bei Coppenrath).


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